Evangelische Kirchengemeinden Katzenfurt und Daubhausen

Wir sind für dich da!

Gottesdienst zum Nach-Lesen und Nach-Hören

01.11.2020

Kirche muss immer erneuert werden!

Hier finden Sie die Aufnahme des Gottesdienstes in der Kirche als Gottesdienst zum Nach-Hören und Nach-Lesen. Beide Versionen können Sie herunterladen, als Audio-Datei oder als Text-Datei. Sie können den Gottesdienst auch ausdrucken und weitergeben. Vielleicht gibt es jemanden in Ihrer Nachbarschaft, die oder der gerne diesen Gottesdienst aus der eigenen Gemeinde lesen würde, aber keinen Zugang zum Internet hat. Geben Sie den "Gottesdienst zum Nachlesen" an andere weiter.




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Gottesdienst vom 1. November 2020

Kirche muss immer erneuert werden!

 

 

Orgelvorspiel

von Jan-Paul Götze

 

Votum

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes Amen.

Unsere Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Psalm 46

Gott ist unsere sichere Zuflucht,

ein bewährter Helfer in aller Not.

Darum haben wir keine Angst,

auch wenn die Erde bebt

und die Berge ins Meer versinken,

wenn die Fluten toben und tosen

und die Berge davon erzittern:

Der Herr der Welt ist bei uns,

der Gott Jakobs ist unser Schutz!

Kommt und seht, wie mächtig der HERR ist:

Er macht dem Krieg ein Ende in aller Welt;

die Bogen zerbricht er,

die Spieße zerschlägt er,

die Schilde verbrennt er.

»Macht Frieden!«, ruft er.

»Erkennt, dass ich Gott bin!

Ich habe Macht über die Völker der Erde.«

Der Herr der Welt ist bei uns,

der Gott Jakobs ist unser Schutz!

 

 

Lied: 655, 1-4 Aus der Tiefe rufe ich zu dir

von Jan-Paul Götze

 

Predigt (von Pfr. Ulrich Ries)

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.

 

Ecclesia semper reformanda. Wer diesen Satz zuerst gesagt hat, konnte ich auf die Schnelle nicht feststellen. Doch entspricht er sehr genau dem Programm der Reformation, dem, was die Reformatoren Luther, Calvin und Zwingli wollten. Ecclesia semper reformanda. Die Kirche muss stets und immer wieder reformiert, erneuert werden. Darüber denken wir heute nach, einen Tag nach dem Reformationstag.

Schon lange haben die Kirchen in Deutschland zum Aufbruch geblasen, weil ja Kirche stets bereit sein muss, erneuert zu werden. Öffentliche Kirche, Missionarische Kirche, Diakonische Kirche, Solidarische Kirche, Kirche auf Augenhöhe mit den Menschen und in kritischer Zeitgenossenschaft. So oder so ähnlich hören sich die Programme an, die gestartet wurden. Das war und ist auch tatsächlich nötig, weil sich die evangelische Kirche in den letzten Jahren verändert hat.

Ich will das nur mal ganz kurz am Beispiel unserer beiden Gemeinden mit ihren drei Dörfern erläutern. Vor 20 Jahren lebten in Daubhausen, Greifenthal und Katzenfurt zusammen etwa 2200 Evangelische. Heute sind es noch 1600. Damals waren wir schlecht ausgestattet. Andere Gemeinden im Kirchenkreis hatten bei ähnlicher Größe mindestens mal einen Jugendmitarbeiter oder eine Diakonin oder eine Gemeindemissionarin zusätzlich zu der Pfarrstelle. Heute sind wir im Grunde personell überbesetzt. Nicht, dass es nicht genug Arbeit gäbe, keine Sorge. Aber das Geld reicht nicht mehr. Die Kirchensteuer von 1600 Gemeindegliedern reicht nicht mehr, um eine ganze Pfarrstell plus alle anderen zu finanzieren. Die Stelle von Thomas teilen wir schon mit Werdorf. Meine Stelle wird spätestens mit anderen geteilt, wenn ich in Pension gehe. Ecclesia semper reformanda. Die Kirche muss stets reformiert werden.

Bei all dem darf sie aber nicht vergessen, warum es sie überhaupt gibt, was denn ihre Aufgabe ist. Und an dieser Stelle ist der Predigttext, der uns für heute vorgeschlagen ist, ein guter Hinweis und Erinnerungsposten. Er steht in Mt 10. Da sagt Jesus zu seinen Jüngern in V. 27:

Was ich euch in der Dunkelheit anvertraue, das sagt am hellen Tag weiter,

und was ich euch ins Ohr flüstere, das ruft laut in der Öffentlichkeit aus.

Die Jüngerinnen und Jünger sollen also das bekannt machen, was sie von Jesus erfahren haben, wofür er steht, wofür er gelebt hat und dann sogar gestorben ist, die Gute Nachricht von der Liebe Gottes, das Evangelium. Was ich euch in der Dunkelheit anvertraue, das sagt am hellen Tag weiter, und was ich euch ins Ohr flüstere, das ruft laut in der Öffentlichkeit aus. Das Evangelium braucht Öffentlichkeit. Die Gute Nachricht von der Liebe Gottes muss unter die Leute gebracht werden, erst dann kann sie wirken, die Nachricht genauso wie die Liebe.

Denn es ist ja mal so, meine Lieben: Die Leute müssen es doch wenigstens einmal gehört haben: Liebe macht nicht abhängig, sondern frei. Verantwortung vor Gott macht nicht klein, sondern gibt dem Menschen Würde. Hoffnung auf Gott macht nicht dumm, sondern zuversichtlich und froh. Wenigstes müssen sie es einmal gehört haben, um darauf reagieren zu können, denn ob sie dieser Nachricht vertrauen oder nicht, das ist ja schon die zweite Frage. Die erste Frage bei uns in Deutschland – aber längst nicht mehr nur hier – heißt: Ist das Evangelium überhaupt noch bekannt?

Viele Menschen wissen nichts mehr von Gottes Angebot, dass einer sie mit unbedingt liebenden Augen anblickt, dass sie nicht gnadenlos für sich selbst geradestehen müssen, dass Liebe nicht abhängig macht, sondern frei, dass Verantwortung vor Gott nicht klein macht, sondern den Menschen Würde gibt, dass Hoffnung auf Gott nicht dumm macht, sondern zuversichtlich und froh. Wenigstes müssen sie es einmal gehört haben.

Dass die Gute Nachricht von der Liebe Gottes in die Öffentlichkeit muss, hat auch die Corona-Pandemie gezeigt, denn da wurde festgestellt, dass die Kirche nicht mehr systemrelevant ist. Die einen haben das damit begründet, dass man uns sogar die Gottesdienste verboten hat, ohne dass wir uns dagegen gewehrt haben. Und die anderen haben uns vorgeworfen, dass wir uns zurückgezogen haben – angeblich. Diese alle haben zwar schon mal was von Kirche gehört, aber nicht, wofür sie steht.

Ich will das mal erläutern. Natürlich ist die Kirche nicht mehr im gleichen Sinne systemrelevant wie im Mittelalter. Da gab es Seuchen und Missernten – und die Menschen konnten sich nicht erklären, woher die kamen. Und sie sind in die Kirchen geströmt, um für eine Ende des Unglücks zu beten. Heute braucht man die Kirche nicht mehr, weil ja alle wissen, dass Covid durch ein Virus übertragen wird. Da muss man nicht mehr beten. Ganz abgesehen davon, hat die Kirche damals ja sogar zur Verbreitung von Krankheiten beigetragen, weil sie im Mittelalter in der Weise systemrelevant war, wie ich es eben beschrieben habe. Wenn nämlich die Pest heranrollte und die Menschen in großer Zahl in den Kirchen gebetet haben, dann haben sie genau dort die Krankheit weitergegeben, in den Kirchen - dicht bei dicht ohne Hygiene und Schutz. Also: Dass wir in der ersten Welle keine Gottesdienste in den Kirchen gefeiert haben – und es möglicherweise in der zweiten oder dritten Welle wieder sein lassen, ist Ausdruck der Verantwortung für die Gesundheit der Menschen, die wir übernehmen.

Und zurückgezogen hat sich die Kirche auch nicht, denn dieser Vorwurf richtet sich doch immer an die Amtsträger, die PfarrerInnen und Bischöfe, die Hauptamtlichen, den Papst, die KirchenpräsidentInnen. Auch die alle haben nicht Däumchen gedreht. Aber hinter diesen Vorwürfen steht ein falsches Bild von Kirche, jedenfalls kein reformatorisches, denn Kirche, das sind nicht nur die Pfarrer. Kirche, das sind wir alle. Priestertum aller Gläubigen oder aller Getauften, nennt Luther das. Und damit ist nicht gemeint, dass jede und jeder von der Kanzel herab predigen soll. Das kann schon mal sein, sollte aber nicht die Regel sein. Für die Ausübung des Predigtamtes bedarf es für und seit Luther die Beauftragung. Aber alle ChristInnen sollen als solche erkennbar sein. Allen soll man ansehen und abspüren können, dass sie getragen von der Liebe Gottes darauf vertrauen, mit seiner Hilfe auch Schweres bewältigen zu können. Und das ist ja im Lockdown auch passiert, an vielen Orten auf ganz unterschiedliche Weise. Die einen haben Bibelzitate zum Mitnehmen an Wäscheleinen gehängt. Andere sind für Angehörige von Risikogruppen einkaufen gegangen. Wieder andere haben einen Ostergruß an alle Menschen in der Gemeinde verteilt. Viele haben sich auf den Weg ins Internet gemacht, so ähnlich wie wir.

Jetzt mögen Sie vielleicht einwenden, meine Lieben: Ja, aber das erreicht nicht die Menschen, die es am nötigsten haben. Die haben keinen Zugang zu den neuen Medien. Das ist wohl richtig. Aber unsere Homepage ist so eingerichtet, dass man die Gottesdienste für zuhause herunterladen kann. Das heißt, Sie können, sofern sie im Internet unterwegs sind, den Gottesdienst ausdrucken und an die verteilen, die das Internet nicht erreicht. Sie können auch die Tonaufnahme des Gottesdienstes auf einen Datenträger überspielen, so dass ihn dann andere auf einem Abspielgerät, z.B. einem Smartphone, anhören können. Auch das ist Priestertum aller Getauften, nämlich Verantwortung dafür zu übernehmen, dass die Gute Nachricht von der Liebe Gottes unter die Leute gebracht wird.

Ecclesia semper reformanda. Die Kirche muss stets erneuert werden. Wir sind dabei. Erstens habe gehört, dass sich einige über unser neues Angebot freuen. Ich habe aber zweitens auch festgestellt, dass unsere Homepage auch für mich überraschend genutzt wird. Im Oktober wurden nämlich nicht nur die Videos von unserem Fest auf dem Kirchplatz angeklickt, sondern auch Gottesdienste aus den zurückliegenden Monaten, und zwar gar nicht so selten. Und nächste Woche starten wir mit dem Konfirmandenunterricht per Video-Konferenz. Ich bin schon ganz aufgeregt.

Ecclesia semper reformanda. Die Kirche muss stets reformiert werden. Machen Sie doch mit, meine Lieben. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus, unserem Herrn. Amen.

 

Lied: 362, 1-4 Ein feste Burg ist unser Gott

von Jan-Paul Götze

 

Gebet

Gott, wir danken Dir.

Du sprichst zu uns.

Dein Wort leitet uns.

Nimm Dich doch der Menschen an, die Dein Wort bekannt machen.

Sprich Du durch sie.

Schenke ihren Worten Wirksamkeit.

Stehe ihnen bei, wenn sie müde werden.

Behüte sie, wenn sie an sich und an Dir zweifeln.

Tröste sie, wenn sie mutlos werden.

Gott, Du bist unsere Zuversicht und Stärke.

 

Gott, wir danken Dir.

Du bist uns nahe.

Du stärkst uns.

Nimm Dich doch der Welt an, die das Geheimnis Deiner Gegenwart übersieht.

Lass Dich finden von den Menschen, die sich nach Liebe sehnen,

von den Menschen, die sich nach Gerechtigkeit verzehren,

von den Menschen, die nach Freiheit schreien.

Um ihretwillen nimm uns in Deinen Dienst.

Gott, Du bist unsere Zuversicht und Stärke.

 

Gott, wir danken Dir.

Du bist treu.

Du rufst uns.

Nimm Dich doch Deiner Kirche an.

Schenke ihr Weisheit.

Inspiriere sie, sich immer wieder zu erneuern.

Bewahre sie vor Irrtum und Schuld.

Schaffe Versöhnung, wo sie versagt.

Mach sie zum Werkzeug Deines Friedens.

Stehe denen bei, die um Deines Namens willen verfolgt und eingeschüchtert werden.

Wir denken an die Schwestern und Brüder in Indonesien und Botswana,

in Namibia und Burkina Faso.

Gott, Du bist unsere Zuversicht und Stärke.

Amen.

 

So begleite uns Gott mit seinem Segen in die vor uns liegende Zeit.

Wo wir uns nicht mehr gegenseitig anschauen können,

möge er uns gnädig ansehen.

Wo uns die eigenen Worte im Hals stecken bleiben

oder wo sie ungehört verhallen,

möge er uns mit seinem Wort Mut machen und Trost schenken.

Wo wir auf Distanz bleiben, freiwillig oder unfreiwillig,

möge er uns nahekommen und uns in seinen Händen bergen.

Amen.

 

Orgelnachspiel

von Jan-Paul Götze