Evangelische Kirchengemeinden Katzenfurt und Daubhausen

Wir sind für dich da!

Gottesdienst zum Nach-Lesen und Nach-Hören

03.01.2021

Seid barmherzig.


Hier finden Sie die Aufnahme des Gottesdienstes in der Kirche als Gottesdienst zum Nach-Hören und Nach-Lesen. Beide Versionen können Sie herunterladen, als Audio-Datei oder als Text-Datei. Sie können den Gottesdienst auch ausdrucken und weitergeben. Vielleicht gibt es jemanden in Ihrer Nachbarschaft, die oder der gerne diesen Gottesdienst aus der eigenen Gemeinde lesen würde, aber keinen Zugang zum Internet hat. Geben Sie den "Gottesdienst zum Nachlesen" an andere weiter.





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3. Januar 2021

Seid barmherzig.

Orgelvorspiel

von Jan-Paul Götze

Votum

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe kommt von dem Herrn,

der Himmel und Erde gemacht hat.

Gebet nach Psalm 126

Es wird wie ein Traum sein, wenn wir frei sind.

Von Sorge.

Von „Ich-kann-das-nicht“.

Von Angst.

Von Masken, Abstand und Kontaktbeschränkung.

Hoffnungsleicht.

Es wird wie ein Traum sein, wenn wir lachen über das ganze Gesicht.

Mit Alten und Jungen.

Mit Freunden und Unbekannten.

Mit Maiglöckchen, Marienkäfern und mit Engeln.

Ungebändigt.

Es wird wie ein Traum sein, wenn wir singen aus voller Kehle.

Einzeln und in großen Chören.

In Kirchen und auf Plätzen.

Zur Gitarre oder zur Orgel oder acapella.

Ohrenbetäubend.

Es wird wie ein Traum sein, wenn wir nichts anderes sagen als: Danke!

Für Trost. Für Schokolade. Für Mut.

Freudestrahlend.

Sie werden uns sehen und mitlachen.

Sie werden uns hören und mitdanken.

Hoffnungsleicht-ungebändigt-ohrenbetäubend-freude­strahlend.

Gott, du lässt das Wasser quellen.

Lass uns leben.

Wir weinen. Wir lassen los. Wir haben leere Hände.

Wir lachen. Wir kommen zu dir. Du erfüllst uns.

Es ist Abend.

Und es wird Morgen.

Da ist Hoffnung. Da ist Kraft. Da ist Mut.

Wir sind lebendig.

Für dich, Gott.

Mit dir, Gott.

Lied: EG 502 Nun preiset alle Gottes Barmherzigkeit

von Jan-Paul Götze

Predigt (von Pfr. Ulrich Ries)

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.

Heute, zum Beginn des Neuen Jahres, möchte ich ein paar Gedanken zur Jahreslosung 2021 mit Ihnen teilen. Sie steht im Lukasevangelium 6, 36. Da sagt Jesus:

Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.

Barmherzig. Ein grandioses Wort in unserer Sprache, finde ich, aber heute auch nicht mehr ganz selbstverständlich zu verstehen. Es fügt einige Wörter zu einem neuen Wort zusammen. Das Wort Arm steckt darin und das Wort Herz. Aber gemeint ist nicht der Körperteil Arm, sondern ein Mensch, der arm ist, besitzlos, einer, der nichts hat. Und dann bedeutet barmherzig: Beim Armen das Herz haben. Barmherzig. So ist Gott. Er verliert sein Herz nicht an sonst was. Er hat sein Herz beim Armen. So jedenfalls erzählt Jesus von ihm. Gott ist barmherzig. Barmherzig wie ein Vater, der sich um den verlorenen Sohn sorgt und ihn nicht gekränkt abblockt. Barmherzig auch dem anständigen älteren Sohn gegenüber, der so klug und bockig weiß, was der Vater alles besser machen müsste. So ist auch Gott barmherzig. Wie ein Hirte, dessen Herz nicht nur bei den 99 Schafen ist, die sich geborgen und zufrieden um ihn scharen, sondern auch bei diesem einen verloren gegangenen Schaf, das irgendwo in der Weltgeschichte herumirrt. Gott ist barmherzig. So haben wir ihn an Weihnachten gefeiert. Den Gott, dem es nicht reicht, in sich zu ruhen. Ein Gott, der ein Menschenkind wird. Verletzlich, gefährdet, arm. So sehr hat er sein Herz bei den Armen.

Aber wer ist überhaupt arm? Wer zu wenig Geld hat und jeden Euro zweimal umdrehen muss, sicher. Wer zu wenig Liebe geschenkt bekommt, auch. Und wer sich groß aufspielt, aber im Grunde armselig ist, ja, der auch. Und die, die gerade todtraurig sind. Oder erschöpft, weil das Leben so anstrengend geworden ist. Und wer nicht weiterweiß. Oder sich nicht weiter traut, weil er Angst hat, Fehler zu machen. Und alle, die wissen, wie sich das anfühlt, wenn einem elend zumute ist.

Seid barmherzig mit ihnen, sagt Jesus. Seid aber auch barmherzig mit euch selbst. Gott jedenfalls ist es. Er hat sein Herz längst schon bei euch. Vor Gott muss ich mich nicht anders und toller darstellen als ich bin. Nichts schönreden und nichts unter den Teppich kehren. Und gnadenlos runtermachen muss ich mich auch nicht.

Arm sein ist nicht grandios. Aber dass Gott sein Herz bei den Armen hat, das schon. Das ist Balsam für die Seele. Es ist wunderbar, wenn jemand das persönlich nimmt, zaghaft darüber staunt und sagt: „Danke, Gott!“ Das ist sozusagen Level 1.

Level 2 bietet dann eine neue Herausforderung. Seid barmherzig! Spätestens wenn ich zu etwas aufgefordert werden muss, ist klar: Darin bin ich nicht von Haus aus Weltmeister. Da ist noch Luft nach oben. Das ist offenbar etwas zum Üben. Immer wieder. Seid barmherzig! Schaut gut hin. Verschließt die Augen nicht, wenn jemand zu wenig hat. Haltet es nicht für normal, wenn Gewalt im Spiel ist oder menschenverachtende Sprüche über jemanden geklopft werden. Wechselt nicht die Straßenseite, wenn ihr die Frau seht, die gerade einen lieben Menschen verloren hat. Besucht den Sangesbruder, der seit einiger Zeit dement ist. Und wenn jemand Unrecht getan hat, dann redet Klartext mit ihm. Auch das ist eine Art, für jemanden da zu sein. Stellt euch auf die Seite der Armen, der Trostbedürftigen, auf die Seite derer, die Zuspruch brauchen oder tatkräftige Hilfe. Seid barmherzig. Und handelt auch so.

Wie wäre es also mit einem Jahr der Barmherzigkeit? Ein Jahr, in dem wir feiern, dass Gott barmherzig ist. Das können wir spätestens jeden Sonntag zusammen feiern, im Gottesdienst. Daraus können wir Kraft und Mut schöpfen, selbst barmherzig zu sein – mit uns und unsren guten Vorsätzen und hehren Erwartungen. Und mit den lieben Familienmitgliedern und Nachbarn und Freundinnen und Arbeitskollegen und überhaupt.

Barmherzig sein auch mit den Politikerinnen, wenn sie Fehler machen, auch wenn sie ihr Bestes gegeben und trotzdem falsch entschieden haben. Barmherzig sein mit Experten und Wissenschaftlerinnen, die sich immer wieder irren können, die nicht von Anfang an den kompletten Überblick haben, die manchmal bereits Empfehlungen geben müssen, während sie selbst noch dazulernen.

Und dann gibt es ja noch die, bei denen es wirklich schwerfällt, barmherzig zu sein, weil sie unsere Geduld auf die Probe stellen. Die Wirklichkeits-Leugner, die Verächter unserer Demokratie, die Produzenten alternativer Fakten – früher nannte man sie schlicht Lügner. Die Unterdrücker und Missbraucher, die Gewalttäter und Manipulierer, diejenigen, die meinen, sie stünden über allen regeln. Ja, mit denen sollen wir auch barmherzig sein. Was nicht bedeuten kann, dass wir ihnen nicht widersprechen. Jeder hat ein Recht auf eine eigene Meinung. Aber niemand hat ein Recht auf eigene Fakten, auf Gesetze, die nur für die anderen gelten, auf Rechte, die nur ihm selbst zustehen. Es wird eine Herausforderung sein, sie in aller Barmherzigkeit nicht gewähren zu lassen. Hoffentlich beißen wir uns daran nicht die Zähne aus. Gelingen kann es nur mit Gottes Hilfe.

Machen wir 2021 zum Jahr der Barmherzigkeit. Ein Jahr wie ein Trainingslager. Wir üben, barmherzig zu sein. Nur sonntags, da wird nicht geübt, da wird gefeiert. Ein Hoch auf Gott, der sein Herz bei den Armen hat. Bei uns auch. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn. Amen

Lied: EG 664 Wir strecken uns nach dir

von Jan-Paul Götze

Fürbitten

Wundervoller Gott,

am Anfang des neuen Jahres suchen wir nach deiner Zukunft.

Wir vertrauen auf deine Gegenwart.

Wir erinnern uns an deine Vergangenheit.

Birg bei dir, die bittere Tränen weinen.

Schenke Geborgenheit denen,

die vor verschlossenen Türen stehen.

Gebiete denen Einhalt, die deinen Willen vergessen haben.

Zeig uns deine Zukunft in unserer Gegenwart.

Dass deine Welt neu wird. Der Himmel und die Erde.

Für uns und für deine ganze Schöpfung.

Amen.

Segen

So begleite uns Gott mit seinem Segen in die vor uns liegende Zeit.

Wo wir uns nicht mehr gegenseitig anschauen können,

möge er uns gnädig ansehen.

Wo uns die eigenen Worte im Hals stecken bleiben

oder wo sie ungehört verhallen,

möge er uns mit seinem Wort Mut machen und Trost schenken.

Wo wir auf Distanz bleiben, freiwillig oder unfreiwillig,

möge er uns nahekommen und uns in seinen Händen bergen.

Amen.

Orgelnachspiel

von Jan-Paul Götze