Evangelische Kirchengemeinden Katzenfurt und Daubhausen

Wir sind für dich da!

Gottesdienst für zuhause

3. Mai 2020

Ich will das Morgenrot wecken.

Sie können den "Gottesdienst für zuhause" in der Version zum Hören und als Text-Datei herunterladen. So können Sie ihn bequemer lesen. Sie können den Gottesdienst aber auch ausdrucken und weitergeben. Vielleicht gibt es jemanden in Ihrer Nachbarschaft, die oder der gerne diesen Gottesdienst aus der eigenen Gemeinde lesen würde, aber keinen Zugang zum Internet hat. Geben Sie den "Gottesdienst für zuhause" an andere weiter.


zum Hören


Download der Audio-Version

Gottesdienst zum Hören 02.05.2020
Gottesdienst zum Hören 03.05.20.MP3 (16.14MB)
Gottesdienst zum Hören 02.05.2020
Gottesdienst zum Hören 03.05.20.MP3 (16.14MB)







Download der Text-Datei


Gottesdienst für zuhause 03.05.2020
Gottesdienst für zuhause 03.05.20.pdf (193.39KB)
Gottesdienst für zuhause 03.05.2020
Gottesdienst für zuhause 03.05.20.pdf (193.39KB)








Gottesdienst für zuhause am 3. Mai 2020

Ich will das Morgenrot wecken.

 

Orgelvorspiel

von Jan-Paul Götze

 

Begrüßung

Wir warten darauf, dass das wahre Leben wieder richtig beginnt, auch dass wir uns zum Gottesdienst wieder in der Kirche begegnen, doch raten uns Vernunft und Besonnenheit, immer noch zuhause auf Gottes Wort zu hören. Und so feiern wir Gottesdienst, und feiern auch diesen Gottesdienst in der Gemeinschaft aller Christinnen und Christen zu allen Zeiten und an allen Orten, denn wir feiern auch diesen Gottesdienst für zuhause:

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Psalm 57

Hab Erbarmen mit mir, Gott, hab Erbarmen!

Denn bei dir habe ich Zuflucht gesucht.

Im Schatten deiner Flügel fühle ich mich sicher,

während das Unheil vorüberzieht.

Ich rufe zu Gott, dem Allerhöchsten,

zu Gott, der meine Sache zum guten Ende führt.

Vom Himmel her wird er mir seine Hilfe schicken.

Ja, Gott wird mir seine Hilfe schicken.

So entspricht es seiner Güte und Treue.

Mein Vertrauen steht fest, Gott,

felsenfest steht mein Vertrauen.

Darum will ich singen und musizieren:

Wach auf, du herrlicher Glanz!

Erwache, du Klang von Harfe und Leier!

Ich will das Morgenrot wecken!

Herr, ich will dir danken unter den Völkern,

ich will dir lobsingen unter den Leuten.

Denn deine Güte reicht, so weit der Himmel ist,

und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen.

Erhebe dich, Gott, über den Himmel,

über die ganze Erde in deiner Herrlichkeit.

 

Lied: EG 440 All Morgen ist ganz frisch und neu

von Jan-Paul Götze

 

Predigt (von Pfr. Ulrich Ries)

Ich sehe einen Menschen am Fenster stehen, den Beter des Psalms, den Sie eben gehört haben, übermüdet von einer durchwachten Nacht. Sorgen und Ängste haben ihm den Schlaf geraubt. Der Mensch sieht sich von Feinden umzingelt, die ihn verfolgen. Sein Leben ist bedroht. In der Dunkelheit der Nacht werden die Gefahren übermächtig, weil der Beter seine Feinde nicht sehen kann. In der Dunkelheit der Nacht wachsen sich aber auch die Schreckensbilder seiner Angstphantasien zu realen Bedrohungen aus. Der Schlaf der Vernunft bringt Ungeheuer zur Welt und lässt sie wuchern.

Der Beter will das Morgenrot wecken. Er will der Totenstarre der Nacht und den Bedrohungen seiner Feinde entkommen. Mit dem Aufdämmern des neuen Tages, so hofft er, schleicht sich die Hoffnung zurück in die Seele, dass das Leben doch noch nicht vergangen ist, dass das Leben neu aufblüht, dass das Leben sich als stärker erweist als die Schatten der Nacht und des Todes. Das Morgenrot ist für den Beter das Symbol des Neubeginns. Nach der Erstarrung in der Finsternis, die ihm vorkam wie eine Ewigkeit, wird der Beter ungeduldig. Er will sich aus der Lähmung befreien, würde am liebsten selbst das Morgenrot wecken als Beweis dafür, dass es doch weitergeht mit dem Leben.

Doch zu genau weiß der Beter, dass er sich selbst keine Hoffnung auf Leben geben kann, jedenfalls keine, die trägt. Darum beginnt er seinen Psalm, indem er Gott um sein Erbarmen bittet. Nur im Schatten seiner Flügel kann er sich sicher fühlen, während das Unheil vorüberzieht. Er ist sich sicher, dass Gott seine Sache zum guten Ende führt. Das hat er immer getan. Ja, Gott wird ihm seine Hilfe schicken.

So verstanden ist das gar nicht der Versuch, das Leben selbst wieder auf Start zu stellen, wenn der Beter ruft: Ich will das Morgenrot wecken! So verstanden ist das ein Ausdruck der Vorfreude darauf, dass das Unheil vorüberziehen wird, weil Gott vom Himmel her seine Hilfe schickt. In dieser Gewissheit will der Beter jetzt schon Gott danken, will singen und musizieren aus lauter Vorfreude auf das, was noch aussteht. Denn Gottes Güte reicht, so weit der Himmel ist, und seine Wahrheit, so weit die Wolken gehen.

Wollen Sie auch das Morgenrot wecken, meine Lieben? Verstehen könnte ich es. Mir geht es nicht anders. Nun ist ja meine Weltwahrnehmung zurzeit gestört, weil der Blick in unsere Gesellschaft größtenteils nur vermittelt ist über die Medien. Und da sehe ich nun aber zunehmend Menschen, die tatsächlich das Morgenrot wecken, die bereits jetzt meinen, das Unheil sei doch schon vorübergezogen, jedenfalls größtenteils, oder es lasse sich doch aufhalten, wenn man eine Maske trägt. Sie setzen ihr Vertrauen in die eigene Immunabwehr, die Schutzmaßnahmen, die sie ergreifen, den Mindestabstand von anderthalb Metern, und im Zweifel in die Möglichkeiten der modernen Gerätemedizin. Dass es die Menschen zurückdrängt ins Leben, kann ich verstehen.

Ich kann auch verstehen, dass Geschäfte und Märkte unter bestimmten Auflagen wieder öffnen dürfen, denn würde unsere Wirtschaft vollkommen zusammenbrechen, wäre das auch lebensbedrohlich für uns alle. Aber dem Morgenrot entgegenzulaufen und zu meinen, wir hätten schon wieder Grund zu singen und zu musizieren, das wäre doch wohl noch verfrüht. Das könnte bedeuten, dass das Unheil zurückkehrt.

Ich kann sie ja verstehen, diese Sehnsucht, die finsteren Bedrohungen hinter sich zu lassen, das Morgenrot zu wecken, und dem Leben wieder in die Arme zu stürmen. Aber warum drängt diese Sehnsucht die Menschen in die Fußgängerzonen, die Shopping-Malls, die Fußball-Arenen und in die Stadtparks? Klar, es ist schön, so ein menschliches Gedränge, in Maßen jedenfalls. Und ganz besonders verstehe ich das zunehmende Bedürfnis der Kinder, endlich wieder ihrem Bewegungsdrang nachgeben zu können, und zwar nicht einsam und alleinsam, sondern gemeinsam mit Freunden. Ich verstehe auch die Sehnsucht nach Zuwendung, die nicht kontaktfrei stattfindet. Ich kann besonders den Wunsch der Bewohnerinnen und Bewohner der Seniorenheime nach menschlicher Nähe nachfühlen. Aber bei diesem Getrieben-sein nach draußen, da gerate ich manchmal an den Rand meines Verständnisses.

Sehen Sie mal, meine Lieben, da wurden in der Fußgängerzone einer deutschen Großstadt Menschen interviewt. Und eine junge Frau verkündete stolz, sie sei gerade eine halbe Stunde lang mit der U-Bahn gefahren, und zwar ohne Mundschutz. Sie wolle sich nicht länger einschränken lassen. Mal ganz abgesehen davon, dass sie damit andere gefährdet, frage ich mich dann: Wie sieht es in einem Menschen aus, für den in dieser Zeit das höchste der Gefühle darin besteht, mit der U-Bahn zu fahren, um dann die Fußgängerzone zu bevölkern? Ich fürchte, dass so ein Mensch nicht genug in sich selbst findet, um bei sich zu bleiben. Dabei ist in jeder und jedem von uns eine Menge zu entdecken. Wenn wir einmal bei uns bleiben und in uns gehen anstatt in die Shopping-Mall, dann werden wir ganz neue Seiten in uns entdecken und einen Reichtum erleben, den wir uns bislang gar nicht zugetraut haben. Das fällt natürlich leichter, wenn wir den Eindruck haben, wir tun es freiwillig. Doch wenn wir nur tief genug blicken und es dann zulassen, dann werden wir dem begegnen, dessen Güte reicht, so weit der Himmel ist, und dessen Wahrheit, so weit die Wolken gehen.

Auf ihn können wir vertrauen, dass er unsere Sache zum guten Ende führt. Im Schatten seiner Flügel können wir uns sicher fühlen, während das Unheil vorüberzieht. Diesen Schatten sollten wir nicht vorzeitig verlassen. Und dann können wir auch wieder zu gegebener Zeit das Morgenrot wecken, und werden, wie der Psalmbeter, auch tatsächlich Grund haben, zu singen und zu musizieren, und zwar eben nicht einsam und alleinsam vom Balkon herab, sondern zusammen und gemeinsam, weil uns dann Himmel und Erde wieder zu einem Lebensraum werden, in dem wir nicht nur einander, sondern darin auch Gottes Güte und Treue begegnen.

 

Lied: EG 171 Bewahre und Gott, behüte uns Gott

von Jan-Paul Götze

 

Gebet

Barmherziger Gott, bewahre uns und behüte uns.


Sei mit uns auf unsern Wegen.
Sei Quelle und Brot in Wüstennot,
sei um uns mit deinem Segen.

Sei mit uns in allem Leiden.
Voll Wärme und Licht im Angesicht,
sei nahe in schweren Zeiten.

Sei mit uns vor allem Bösen.
Sei Hilfe, sei Kraft, die Frieden schafft,
sei in uns, uns zu erlösen.

Sei mit uns durch deinen Segen.
Dein Heiliger Geist, der Leben verheißt,
sei um uns auf unsern Wegen.

So begleite uns Gott mit seinem Segen in die vor uns liegende Zeit.

Wo wir uns nicht mehr gegenseitig anschauen können,

möge er uns gnädig ansehen.

Wo uns die eigenen Worte im Hals stecken bleiben

oder wo sie ungehört verhallen,

möge er uns mit seinem Wort Mut machen und Trost schenken.

Wo wir auf Distanz bleiben, freiwillig oder unfreiwillig,

möge er uns nahekommen und uns in seinen Händen bergen.

Amen.


Kollekten in Zeiten von Corona

Da wir ja zurzeit keine Kollekte im Gottesdienst erbitten können, wollen wir Ihnen einen anderen Weg möglich machen, den Kollektenzweck des jeweiligen Sonntags zu unterstützen. Die Evangelische Kirche im Rheinland teilt dazu mit:

Kollekte online geht zu jeder Zeit

Die Kollekte ist Ausdruck tätiger Liebe und solidarischer Hilfe und geht auch in Zeiten der Corona-Pandemie: online über über das Spendenportal der KD-Bank. Bezahlt wird per Paypal oder Kreditkarte. Ein kurzer Text erläutert, für welchen Zweck die Kollekte jeweils bestimmt ist.

Folgen Sie dem Link: