Evangelische Kirchengemeinden Katzenfurt und Daubhausen

Wir sind für dich da!

Gottesdienst für zuhause


5. April 2020


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Orgelvorspiel

von Jan-Paul Götze (nur in der Version zum Hören)

 

Begrüßung

Getrieben von den Ereignissen dieser Tage und unserer Ängste und Sorgen suchen wir Ruhe und Geborgenheit und wir suchen sie in der Begegnung mit Gott. Darum feiern wir Gottesdienst, feiern ihn vereinzelt und isoliert, und feiern ihn doch in der Gemeinschaft aller Christinnen und Christen zu allen Zeiten und an allen Orten, denn wir feiern auch diesen Gottesdienst für zuhause:

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangsgebet nach Ps 69

Rette uns, Gott!

Denn das Wasser steht uns bis zum Hals.

Wir drohen zu versinken und verlieren den Boden unter den Füßen.

Eine Flutwelle spült uns fort.

Wir aber schicken unsere Gebete zu dir.

Antworte uns doch, Gott, in deiner großen Güte!

Zeige uns deine Treue und rette uns!

Verbirg nicht dein Angesicht vor uns!

Denn wir sind in höchster Not!

Komm zu uns und erlöse uns aus der Gefahr. 


Zwischenspiel der Orgel: Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren

von Jan-Paul Götze (nur in der Version zum Hören)

 

Predigt (von Pfr. Ulrich Ries)

Ich bin echt überfordert, meine Lieben. Soll ich jetzt mit Mundschutz einkaufen gehen oder nicht? Darf der selbstgenäht sein oder muss es eine zertifizierte Maske gegen Viren sein? Soll ich Einmalhandschuhe tragen oder nicht? Und wen schütze ich mit diesen Maßnahmen, mich selbst oder die anderen? Muss ich dann nach dem Einkaufen noch meinen Autoschlüssel desinfizieren? Man will ja nichts verkehrt machen!

Aber mal im Ernst. Ich bin spätestens dann wirklich überfordert, wenn ich im Fernsehen Berichte aus Italien, Spanien oder Amerika sehe. Und regelrecht Angst bekomme ich, wenn Millionen von Tagelöhnern durch Indien wandern, um nachhause zu kommen. Oder wenn ich mitbekomme, dass die Bewohner der Slums in Südafrika versuchen, zuhause zu bleiben, mit sechs Personen auf 12 Quadratmetern, ohne fließendes Wasser im Haus. Ich mag mir gar nicht vorstellen, was sein wird, wenn das Virus Afrika erst im Griff haben wird. Ich denke auch an die Menschen, mit denen wir in unserem Kirchenkreis partnerschaftlich verbunden sind, vor allem an die Freunde in Indonesien und Botswana, die ich ja persönlich kenne. Und seit einigen Tagen hören wir ja auch immer häufiger davon, dass in deutschen Seniorenheimen vermehrt Bewohnerinnen und Bewohner infiziert sind und am Coronavirus sterben. Ich denke dann, dass man da doch etwas tun muss. Aber was soll ich machen, wenn ich ja noch nicht einmal das Haus verlassen soll?

Und die nächste Frage ist dann: Auf was müssen wir uns eigentlich vorbereiten? Wie soll es in ein paar Wochen weitergehen? Jedenfalls nicht einfach nahtlos so wie vorher. Werden wir wohl noch jahrelang darunter zu leiden haben, dass unsere Wirtschaft unter dem Einfluss von Corona in die Rezession gerät? Werden unsere zwischenmenschlichen Beziehungen Schaden nehmen, wo wir jetzt gerade die Erfahrung machen, dass jede und jeder eine Bedrohung und zur gleichen Zeit von allen anderen bedroht ist?

Die Hoffnung stirbt zuletzt. Diesen Satz habe ich schon längere Zeit nicht mehr gehört. Unter Anhängern abstiegsbedrohter Fußballvereine ist er ja die gängige Durchhalteparole. Aber als langjähriger Fan von Fortuna Düsseldorf sage ich Ihnen: Auch diese Parole kann nicht wirklich beruhigen.

Was bleibt also, wenn die Zweifel uns plagen, ob wir es schaffen, die anstehenden Aufgaben zu bewältigen, ohne in Angst und Sorge zu versinken? Dieses Stichwort vom Versinken erinnert mich an die Geschichte vom sinkenden Petrus aus dem Neuen Testament. Sie ist aufgeschrieben in Kapitel 14 des Matthäusevangeliums. Petrus fährt zusammen mit anderen Jüngerinnen und Jüngern in einem Boot über den See Genezareth. Jesus ist nicht bei ihnen. Er kommt aber bei Nacht zu ihnen über das Wasser gelaufen. Nach einem ersten Schreck findet Petrus das so beeindruckend, dass er auch können möchte, über das Wasser laufen. Jesus sagt zu Ihm: „Dann komm doch!“ Und Petrus traut sich tatsächlich, aus dem Boot zu steigen. An dieser Stelle erzählt Matthäus:

Auf einmal merkte Petrus, wie stark der Wind war und bekam Angst. Er begann zu sinken und schrie: »Herr, rette mich!« Sofort streckte Jesus ihm die Hand entgegen und hielt ihn fest.

Entgegen jeder Wahrscheinlichkeit kann Petrus über das Wasser gehen. Offenbar ist es allein das Vertrauen in Jesus, das ihn trägt. Auf ihn ist er vollkommen fokussiert. Dann aber lässt sich Petrus ablenken. Er bemerkt den Wind. Und auf einmal wird ihm klar: „Das geht doch eigentlich gar nicht, was ich hier mache! Das kann doch nicht funktionieren!“ Er bekommt Angst und beginnt zu versinken. Die Realität hat ihn eingeholt, oder das, was wir so für „die Realität“ halten. Die Sachzwänge ziehen Petrus herunter. Er droht, in Angst und Sorgen zu versinken. Ihm geht es nicht anders als uns heute. Die Frage ist nun nur: „Wer streckt uns denn die Hand entgegen? Wer gibt uns Halt?“

Normalerweise können wir wenigstens versuchen, uns gegenseitig Halt zu geben. Aber in dieser gegenwärtigen Virus-Ausnahmesituation ist es nicht geboten, dass wir anderen die Hand entgegenstrecken. Wer oder was bewahrt uns also vor dem Versinken?

Diese Frage hat sich auch Martin Luther gestellt, immer wieder. Auch er kannte den Zweifel. Auch er wusste oft nicht, woher er die Kraft nehmen sollte, selbst in schwierigsten Lebensphasen auf Gott zu vertrauen. Luther war nicht der Glaubensheld, für den ihn viele halten. Und er wusste, dass es nichts nützt, sich stärker anzustrengen. Man kann nicht einfach stärker glauben wollen. Aber Martin Luther fand einen Weg, mit Angst und Zweifeln umzugehen. Er erinnerte sich daran, dass er getauft war. Für ihn bedeutete das, dass Tod und Teufel ihm letztlich nichts mehr anhaben können. Damit das nicht in Vergessenheit geriet, auch und gerade nicht in schweren Zeiten, schrieb er auf seine Tischplatte: „Ich bin getauft.“

Tatsächlich ist ja die Taufe das Grunddatum im Leben einer jeden Christin und eines jeden Christen, denn mit der Taufe wird erfahrbar gemacht, dass das Leben stärker ist als der Tod. Und auf die Taufe gibt es Brief und Siegel. Sie ist eine Tatsache, an die ich mich halten kann. Diese Tatsache hängt nicht davon ab, ob mein Vertrauen in Gott gerade besonders groß ist, oder ob die Zweifel stärker sind. Natürlich sind auch Menschen, die nicht getauft sind eingeladen in dieses Leben, nur haben sie nicht in gleicher Weise ein Datum, an das sie sich erinnern können. „Ich bin getauft!“ – Das Wissen darum hat Martin Luther Halt gegeben. Und auch wir können uns an diese Tatsache halten, gerade in diesen Zeiten, in denen es besser ist, wenn wir uns nicht gegenseitig die Hand ausstrecken.

Ein kleiner Lichtblick zum Schluss. Am Freitag meldete die Tagesschau, dass die Spargelernte nicht mehr in Gefahr ist, weil nun doch ausländische Erntehelfer einreisen dürfen. Für einige ist das eine gute Nachricht, nicht nur für die Bauern. Lassen Sie es sich schmecken.

Schmeckt und seht selbst, wie freundlich der HERR ist!

Glücklich ist, wer bei ihm Zuflucht sucht.

(Psalm 34, 9)

 

Lied: Meine Zeit steht in deinen Händen

gespielt und gesungen von Thomas Fricke (nur in der Version zum Hören)

 

Gebet

Barmherziger Gott, hilf uns, niemals zu vergessen,

dass wir aus der Taufe heraus leben.

Dann können wir darauf vertrauen,

dass unsere Zeit in deinen Händen steht.
Darum können wir ruhig werden in diesen unruhigen Zeiten,

ruhig werden in dir.

Du gibst uns Geborgenheit, du kannst alles wenden.

Gib uns ein festes Herz, mach es fest in dir.

Sorgen quälen und werden uns zu groß.

Mutlos fragen wir: Was wird Morgen sein?

Doch du liebst uns, du lässt uns nicht los.

Vater, du wirst bei uns sein.                  

(nach dem Lied „Meine Zeit steht in deinen Händen“ von Peter Strauch)

 

So begleite uns Gott mit seinem Segen in die vor uns liegende Zeit.

Wo wir uns nicht mehr gegenseitig anschauen können,

möge er uns gnädig ansehen.

Wo uns die eigenen Worte im Hals stecken bleiben

oder wo sie ungehört verhallen,

möge er uns mit seinem Wort Mut machen und Trost schenken.

Wo wir auf Distanz bleiben, freiwillig oder unfreiwillig,

möge er uns nahekommen und uns in seinen Händen bergen.

Amen.