Evangelische Kirchengemeinden Katzenfurt und Daubhausen

Wir sind für dich da!

Gottesdienst zum Nach-Lesen und Nach-Hören

5. Juli 2020

Der Friede fängt beim Frühstück an.



Hier finden Sie die Aufnahme des Gottesdienstes in der Kirche als Gottesdienst zum Nach-Hören und Nach-Lesen. Beide Versionen können Sie herunterladen, als Audio-Datei oder als Text-Datei. Sie können den Gottesdienst auch ausdrucken und weitergeben. Vielleicht gibt es jemanden in Ihrer Nachbarschaft, die oder der gerne diesen Gottesdienst aus der eigenen Gemeinde lesen würde, aber keinen Zugang zum Internet hat. Geben Sie den "Gottesdienst zum Nachlesen" an andere weiter.





Gottesdienst zum Nach-Lesen










 

 

Gottesdienst vom 5. Juli 2020

 Der Friede fängt beim Frühstück an.

 

Orgelvorspiel

 von Jan-Paul Götze

 

Begrüßung

 

Wir feiern nun Gottesdienst, auch wenn die Umstände noch immer ungewöhnlich sind. Und auch diesen Gottesdienst feiern wir

 Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes Amen.

Unsere Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Psalm 85

 HERR, lass uns doch deine Güte erfahren!

 Wir brauchen deine Hilfe, gib sie uns!

 Ich möchte gerne hören,

 dass Gott seinem Volk Frieden zusagt.

 Ja, seine Hilfe ist denen nahe, die ihn verehren.

 Und so wird seine Herrlichkeit wieder in unserem Land wohnen:

 Güte und Wahrheit finden zueinander.

 Gerechtigkeit und Frieden küssen sich.

 Wahrheit wächst aus der Erde empor.

 Gerechtigkeit scheint vom Himmel herab.

 Gerechtigkeit geht vor seinem Angesicht her

 und folgt seinen Schritten.

 

Lied: EG 243 Lobt Gott getrost mit Singen

 von Jan-Paul Götze

 

Predigt (von Pfr. Ulrich Ries)

 

Der Predigttext, der uns für den heutigen Sonntag vorgeschlagen ist,

 steht in Röm 12, 16-21

 16 Seid alle miteinander auf Einigkeit aus. Werdet nicht überheblich, sondern lasst euch auf die Unbedeutenden ein. Baut nicht auf eure eigene Klugheit.

 17 Vergeltet Böses nicht mit Bösem. Habt den anderen Menschen gegenüber stets nur Gutes im Sinn.

 18 Lebt mit allen Menschen in Frieden – soweit das möglich ist und es an euch liegt.

 19 Nehmt nicht selbst Rache, meine Lieben. Überlasst das vielmehr dem gerechten Zorn Gottes. In der Heiligen Schrift steht ja: »›Die Rache ist meine Sache, ich werde Vergeltung üben‹ – spricht der Herr.«

 20 Im Gegenteil: »Wenn dein Feind Hunger hat, gib ihm zu essen. Wenn er Durst hat, gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, ist es, als ob du glühende Kohlen auf seinem Kopf anhäufst.«

 21 Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiege das Böse durch das Gute!

 

Ein Abschnitt aus einem Brief ist das, wie an uns gerichtet, dabei ist er 2000 Jahre alt und an die Gemeinde in Rom gerichtet. Aber trotzdem.

 

Seid alle miteinander auf Einigkeit aus. Da waren wir vor ein paar Wochen schonmal besser, meine Lieben. Da war allen klar, welches Verhalten an den Tag zu legen war, um Corona in den Griff zu bekommen. Heute ist das anders. Das beweisen nicht nur die Demonstranten auf sogenannten Hygiene-Demos. Das kann man auch an den Äußerungen wichtiger Menschen erkennen. Wolfgang Schäuble war einer der ersten, der betont hat, dass in der Verfassung das Recht auf Leben nicht die oberste Priorität darstellt. Wobei ich mich frage, was mir mein Recht zum Beispiel auf freie Religionsausübung nützt, wenn ich nicht mehr lebe. Jetzt hat der hessische Kultusminister Alexander Lorz erklärt, nach den Ferien habe der Unterricht in der Schule wieder oberste Priorität. Ich frage mich manchmal, ob die selber wirklich wissen, was sie da sagen. Wenn das Leben nicht mehr oberste Priorität genießt, was bleibt dann noch? Ich finde, darin sollten wir uns doch einig sein.

 

Dass es darüber hinaus noch andere Werte gibt, die ebenfalls einen hohen Stellenwert haben, bleibt unwidersprochen. Für den Apostel Paulus ist das zum Beispiel der Frieden: Lebt mit allen Menschen in Frieden. Wenn ich das so höre, dann muss ich selbstkritisch feststellen, dass es da doch sehr mangelt auf unserer Erde. Ich will nicht kleinreden, dass wir hier in Deutschland seit 75 Jahren keinen Krieg erlebt haben. Dafür können wir nur dankbar sein. Das kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es weltweit zahlreiche Konflikte gegeben hat und gibt. Und an gar nicht so wenigen sind wir als Deutsche durchaus beteiligt, mindesten weil wir weltweit zu den großen Waffenproduzenten und -exporteuren gehören. Wenn irgendwo auf der Welt geschossen wird, kann es sein, dass wir davon profitieren.

 

Und wenn wir es nicht erst dann als Unfrieden werten, wenn Soldaten schießen, müssen wir einfach feststellen, dass es überall im Argen liegt mit dem Frieden. Polizeigewalt gegen Schwarze und Farbige ist  im Moment in der Diskussion, und zwar nicht nur in den USA, rechtsradikale Gewalttaten hier bei uns sind ebenso zu nennen wie Unterdrückung und Gewalt gegen ethnische Minderheit in vielen Ländern. Von wegen, lebt mit allen Menschen in Frieden!

 

Was mich auch tatsächlich zunehmend beunruhigt, ist die Tatsache, dass im Schatten der Pandemie Machtmenschen ihr Süppchen kochen, weil sie meinen, keiner würde es bemerken, weil wir abgelenkt sind. Zum Bürgerkrieg in Libyen und zu israelischen Plänen, das Westjordanland zu annektieren, kann ich nicht wirklich etwas sagen, weil ich mich nicht ausreichend informiert habe. Aber dass China sich jetzt Honkong einverleiben will, ist doch mehr als deutlich – und alle schauen zu. Herr Putin will jetzt seine Macht verewigen. Das ist noch kein Krieg, noch nicht. Aber dass Herr Trump sein Volk um des wirtschaftlichen Erfolges und vor allem um seiner Wiederwahl willen zu opfern bereit ist, ist nicht mehr weit davon entfernt.

 

„Aber ich bin doch nicht für alles verantwortlich, und auch nicht für alles zuständig!“, werden Sie jetzt vielleicht denken, meine Lieben. Wohl wahr, wohl wahr! Das darf allerdings nicht als Entschuldigung dafür herhalten, sich nicht wenigstens am eigenen Frühstückstisch für Frieden starkzumachen, denn dort fängt er an – und hört er auf, wie nicht nur die erschreckenden Berichte über Gewalt, und zwar nicht nur sexuelle, gegen Kinder zeigen. Und spätestens vor der eigenen Haustür können sich Hass, Gewalt und Unfriede ausbreiten.

 

Der Friede fängt beim Frühstück an. „Habt den anderen Menschen gegenüber stets nur Gutes im Sinn.“, sagt der Apostel. So kann´s gehen! Und er mahnt: „Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiege das Böse durch das Gute!“ Und vor allem, lass dich nicht verleiten, Böses mit Bösem zu vergelten. Wenn wir uns alle in Einigkeit darum bemühen, ist Frieden eine echte Option.

 

Doch ist Paulus auch Realist genug, um eine Einschränkung zu machen. Lebt mit allen Menschen in Frieden – soweit das möglich ist und es an euch liegt. Es geht eben nicht immer, mit allen in Frieden zu leben. Und das liegt auch manchmal nicht an mir. Wenn wir in eine solche Lage kommen, müssen wir dem Unfrieden widerstehen, unter Umständen auch mit unfriedlichen Mitteln, aber nur als letzte Möglichkeit, als Ultima Ratio. Doch auch dann sollen wir nicht Böses mit Bösem vergelten. Das ist noch einmal etwas anderes. Das geht einen Schritt weiter als Widerstand. Das ist der Beginn der Eskalation.

 

Seid alle miteinander auf Einigkeit aus. Auch wenn die einen Masken tragen und die anderen nicht. Streitet um den richtigen Weg, aber schlagt euch nicht die Köpfe ein. Lebt mit allen Menschen in Frieden. Das könnten wir uns doch wenigsten einmal vornehmen. Und vielleicht bringt die Ferienzeit ja ein bisschen Muße, um das zu üben. Übrigens gehöre ich selbst auch zu allen Menschen, genau wie Sie. Ich soll und darf mit mir in Frieden leben, mit all meinen Unzulänglichkeiten und Macken, mit meinen Vorlieben und Abneigungen, mit meinen Stärken und Schwächen. Und das ist dann die wirkliche Voraussetzung dafür, dass ich dazu beitragen kann, den Frieden auszubreiten, denn nur wenn ich mich im Frieden mit mir selbst an den Frühstückstisch setze, kann dort der Frieden mit anderen anfangen.


Lied: EG 671 Unfriede herrscht auf der Erde
von Jan-Paul Götze

 

Gebet

 

Menschenfreundlicher Gott,
eines Tages werden Güte und Wahrheit zueinander finden,
eines Tages werden sich Gerechtigkeit und Frieden küssen.
Das ist unser Horizont.
Das ist unsere Hoffnung.
Bis dahin liegt der Frieden in deinen Händen.
In unseren Händen liegt es, ihn zu schützen.
Darum bitten wir für uns und alle Menschen,
dass der Frieden geachtet wird
und alle Menschen in Frieden leben.

 

 So begleite uns Gott mit seinem Segen in die vor uns liegende Zeit.

 Wo wir uns nicht mehr gegenseitig anschauen können,

 möge er uns gnädig ansehen.

 Wo uns die eigenen Worte im Hals stecken bleiben

 oder wo sie ungehört verhallen,

 möge er uns mit seinem Wort Mut machen und Trost schenken.

 Wo wir auf Distanz bleiben, freiwillig oder unfreiwillig,

 möge er uns nahekommen und uns in seinen Händen bergen.

 Amen.

 

 Orgelnachspiel

 von Jan-Paul Götze

 



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