Evangelische Kirchengemeinden Katzenfurt und Daubhausen

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Gottesdienst zum Nach-Lesen und Nach-Hören

06.12.2020 - 2. Advent

In Geduld üben


Hier finden Sie die Aufnahme des Gottesdienstes in der Kirche als Gottesdienst zum Nach-Hören und Nach-Lesen. Beide Versionen können Sie herunterladen, als Audio-Datei oder als Text-Datei. Sie können den Gottesdienst auch ausdrucken und weitergeben. Vielleicht gibt es jemanden in Ihrer Nachbarschaft, die oder der gerne diesen Gottesdienst aus der eigenen Gemeinde lesen würde, aber keinen Zugang zum Internet hat. Geben Sie den "Gottesdienst zum Nachlesen" an andere weiter.


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6. Dezember 2020 - 2. Advent

In Geduld üben

 

Orgelvorspiel von Jan-Paul Götze

 

Votum

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes Amen.

Unsere Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Psalm 80

 

Hirte Israels, hab ein offenes Ohr!

Wecke die Kraft, die du besitzt,

und komm uns zu Hilfe!

HERR, Gott der himmlischen Heere:

Lass dein Angesicht leuchten!

Dann ist uns schon geholfen.

Gott der himmlischen Heere, kehre zurück!

Blicke vom Himmel herab und schau hin!

Erhalte, was du mit eigener Hand gepflanzt hast –

den Sohn, den du für dich stark gemacht hast!

Halte deine Hand über den König an deiner Seite –

über den Menschen, den du stark gemacht hast!

Wir wollen nicht von dir abfallen.

Nun schenke uns neues Leben!

Dafür preisen wir deinen Namen.

Herr, Gott der himmlischen Heere,

lass uns wieder heimkehren!

Lass dein Angesicht leuchten!

Dann ist uns schon geholfen.

 

Lied: 7, 1-4 O Heiland, reiß die Himmel auf

 

Predigt von Pfr. Ulrich Ries

 

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.

Ums Warten geht es heute am 2. Advent – und um Geduld. Unser Predigttext aus dem Jakobusbrief gibt uns das vor. Und es ist ja auch ein schönes Thema für die Adventszeit, über das es sich trefflich predigen lässt – eigentlich. Wäre in diesem Jahr nicht unsere Geduld schon so lange überstrapaziert worden. Aber ich will heute nicht über Geduld in Corona-Zeiten sprechen. Doch wenn Sie diese Frage im Weiteren mitdenken, dann ist das bestimmt nicht verkehrt. Hören Sie aber zunächst einmal unseren Predigttext, der uns für heute vorgeschlagen ist, Jakobusbrief 5, 7-9:

Übt euch in Geduld, Brüder und Schwestern, bis der Herr wiederkommt! Seht, wie der Bauer auf die köstliche Frucht seines Ackers wartet: Er übt sich in Geduld – so lang bis Frühregen und Spätregen gefallen sind. So sollt auch ihr euch in Geduld üben und eure Herzen stärken. Das Kommen des Herrn steht nahe bevor. Brüder und Schwestern, beklagt euch nicht übereinander, damit Gott euch nicht verurteilt. Seht doch, der Richter steht schon vor der Tür.

Wie gesagt, ums Warten geht es heute – und wie dabei die Geduld bewahrt werden kann. Darum geht es ja irgendwie immer in der Adventszeit, darum geht es aber auch den Menschen, an die Jakobus seinen Brief geschrieben hat. Voller Ungeduld sind sie, mit guten Gründen. Es war ja eine besondere Entscheidung gewesen, Christ zu werden. Es ging nicht nur um Bekehrung. Es ging vor allem auch um Träume von einer besseren, einer gerechteren Welt, die mit dem neuen Glauben, mit der Wiederkehr Jesu schon jetzt anbrechen sollten. Da­rauf hofften die Menschen in der Gemeinde des Jakobus, dafür hatten sie ihr altes Leben zurückgelassen, waren zu Außenseitern geworden in einer Zeit, in der der Staat die Anhänger der neuen christlichen Religion nicht nur misstrauisch beäugte, sondern auch verfolgte. Aber – das war auch ihre erschütternde Erfahrung – die Welt änderte sich nicht so, wie sie sich das gedacht hatten. Jakobus prangert deshalb die Zustände in dieser Welt an, spricht zum Teil wie ein Prophet aus dem Alten Testament, 5, 1-6: Nun zu euch, ihr Reichen: Weint und heult über das Elend, das euch bevorsteht: Dann ist euer Vermögen vermodert und eure Kleider sind von Motten zerfressen. Euer Gold und Silber ist von giftigem Rost angefressen. Dieser Rost wird als Zeuge gegen euch auftreten und euer Fleisch wie Feuer verzehren. Und ihr habt noch in den letzten Tagen dieser Welt Schätze angehäuft! Hört doch! Der Lohn für die Arbeiter, die eure Felder gemäht haben, schreit zum Himmel – denn ihr habt ihn nicht ausbezahlt. Und die Klagen derer, die eure Ernte eingebracht haben, sind bis zu den Ohren des Herrn Zebaot gedrungen. Ihr habt auf dieser Erde im Luxus gelebt und im Überfluss geschwelgt. Noch am Schlachttag habt ihr euch gemästet. Ihr habt den Schuldlosenverurteilt und getötet –und er leistet euch keinen Widerstand.

Jakobus wettert gegen die Rücksichtslosigkeit der Reichen und Mächtigen, prangert Ausbreitung und Menschenschinderei an. Das klingt alles so gar nicht nach Advent und ist von leuchtenden Kinderaugen weit entfernt. Von verfaultem Reichtum, verrostetem Silber und zerfressenen Kleidern ist da die Rede. Von Unrecht, Ausbeutung und Tod. So heftig sind seine Klagen, dass eine württembergische Schulbibel aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg diese Stellen nicht abdruckte. Zu revolutionär, zu sozialistisch hätte das auf die Kinder wirken können.

Umso erstaunlicher, dass Jakobus plötzlich diese ganz unrevolutionären Töne von der Geduld und vom Warten anstimmt, nachdem er sich zuvor so in Rage geschrieben hatte. Da werden zuerst Not und Sehnsucht nach Veränderung beschworen, und dann ein schlichtes: Seid geduldig!? Fast könnte man meinen, hier wird einfach auf den Himmel vertröstet. Oder ist das ein resigniertes Achselzucken? So ist halt die Welt, man kann ja eh nichts ändern? Dieser Wechsel von beißender Sozialkritik hin zu plötzlicher Milde und Geduld könnte einem so vorkommen, als wenn man seinen Kindern Hoffnung auf ein geschenkreiches Christfest macht, um dann die Bescherung ausfallen zu lassen. Was bleibt dann von den Sehnsüchten, Hoffnungen und Erwartungen übrig?

Klar, nicht immer geschieht sofort alles, was ich mir wünsche. Manches braucht Abwarten. Aber über dieses Abwarten soll doch meine Hoffnung bewahrt werden auf das, was da kommt, auch wenn nie alle Wünsche in Erfüllung gehen. Jakobus spricht das mit dem Bild des Bauern an, der auf die kostbare Frucht der Erde warten. Das braucht Zeit, braucht Weile, den Rhythmus von Früh- und Spätregen, von Jahreszeiten und Wachstumsphasen. Auch ich bin noch im Werden. In diesem Werden bin ich nicht allein, sondern Gott kommt mir entgegen, ist mir im Kommen nahe und kann so mein Herz stärken für den Weg, der vor mir liegt.

Warten, sich gedulden, einen langen Atem haben, ihn gebrauchen, um durchs Leben zu kommen –   ohne das geht es nicht im Leben. Warten und Geduld haben – das gilt für die Probleme, mit denen wir uns in unserem Land und ebenso in der doch recht unsicheren Weltlage herumplagen müssen. Einfache Lösungen sind, auch wenn es schmerzt, eher unwahrscheinlich. Doch Jakobus erliegt nicht der Versuchung, seine LeserInnnen vertrösten zu wollen. Er versteht das Warten nämlich nicht passiv. Warten bedeutet für ihn nicht, sich im Sessel zurücklehnen, die Füße hochlegen und mal gucken, was passiert. Warten heißt nicht: Abwarten und Teetrinken. Im Gegenteil, für Jakobus ist Warten ist eine höchst aktive Angelegenheit. Deshalb schreibt er auch, Jak 5, 8:

Ihr sollt euch in Geduld üben und eure Herzen stärken. Das Kommen des Herrn steht nahe bevor.

Jakobus weiß: Wenn man warten muss, kommt die Geduld nicht von allein. Sie kennen das von der Supermarktkasse oder von der Wursttheke. Wenn da die Kundin vor ihnen anfängt, mit der Verkäuferin über den Geschmack der Wurst zu diskutieren, dann kommt einem die Geduld schon mal leicht abhanden. Ich habe das erst am Freitag erlebt. Nein, in Geduld muss man sich üben. Geduld können und müssen wir trainieren, genauso wie Ausdauer, Fitness oder Schnelligkeit. Ihr sollt euch in Geduld üben und – damit - eure Herzen stärken. Wie er sich das vorstellt, beschreibt Jakobus an verschiedenen Stellen seines Briefes. So schreibt er in Kapitel 4 Vers 8: Sucht Gottes Nähe, dann kommt er euch nahe. Macht euer Herz für Gott bereit, ihr Zweifler! Und in Kapitel 2 Vers 20: Ein Glaube, der nicht in die Tat umgesetzt wird, ist nutzlos!

Warten lässt sich also aktiv gestalten. Das ist im Advent so, wenn wir die Zeit strukturieren und die Wartezeit auf Weihnachten mit unseren Ritualen füllen: Adventskalender, Adventskranz. Plätzchen backen. Geschenke verpacken. Auch der Nikolaustag gehört dazu. Zusammen mit den herausgehobenen Adventssonntagen teilt er die Wartezeit ein in überschaubare Abschnitte. Und das Warten auf eine bessere Welt müssen wir sogar gestalten, denn wer weiß schon, wann der Herr Jesus nicht nur jedem persönlich nahekommen will, sondern endgültig erscheint, um sein Werk zu einem guten Ende zu führen. Für Jakobus ist klar, wie das geht, die Wartezeit gestalten: Das Richtige tun. Eintreten für Recht und Gerechtigkeit. Eifersucht und Neid überwinden. Und ich kann an dieser Stelle guten Gewissens hinzufügen, was das für uns auch noch bedeuten kann: Nicht mehr als die Ressourcen verbrauchen, die uns tatsächlich zustehen. Die Mitmenschen nicht diskriminieren. Den Reichtum dieser Welt so verteilen, dass alle davon gut leben können. Das alles stärkt unsere Herzen – und trägt schon zur Veränderung der Welt bei.

Trotzdem bleibt es uns nicht erspart, uns in Geduld üben zu müssen. Dabei hilft es uns, darauf zu vertrauen, dass wir das Ziel sozusagen schon vor Augen haben: Das Kommen des Herrn steht nahe bevor.

Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.

Amen.

 

Lied: 18, 1+2 Seht, die gute Zeit ist nah

 

Fürbitten

 

Gott, wir warten darauf,

dass du in deinem Sohn zu uns.

In großer Sehnsucht erwarten wir deinen Retter.

Du kommst aus freien Stücken.

Hilfe steht vor der Tür.

Wir müssen deinen Sohn nur erwarten.

 

Wie wird sich unsere Welt verändern,

wenn du kommst und alle Widerstände überwindest!

 

In den Schulen buchstabieren die Kinder das Hoffnungsalphabet,

wenn du kommst und den Glanz des Himmels mitbringst.

 

In den Parlamenten lernen die Menschen die Sprache der Verlässlichkeit,

wenn du kommst, treuer Gott, der du Burg genannt wirst und Fels.

 

In den Krankenhäusern vergessen die Menschen Schmerzen und Angst,

wenn du kommst und Wunden neu verbindest.

 

Die Wohnungslosen unter den Brücken lernen wieder den aufrechten Gang,

wenn du zu ihnen kommst, ein Bruder, der selbst keine Bleibe hatte.

 

In allen Wohnungen verfliegen die Sorgen,

wenn du kommst und uns gewährst, was wir brauchen.

 

In Büros und Fabriken verlernen die Menschen,

sich gegenseitig auszubeuten und das Leben schwer zu machen,

wenn du kommst und dich aller erbarmst.

 

In den Kirchen müssen wir dann um nichts mehr bitten,

denn du bist da.

 

Menschenfreundlicher Gott, hilf uns, uns in Geduld zu üben.

Immerhin stehst du schon vor der Tür.

 

Vaterunser

 

Vater unser im Himmel.

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

 

So begleite uns Gott mit seinem Segen in die vor uns liegende Zeit.

Wo wir uns nicht mehr gegenseitig anschauen können,

möge er uns gnädig ansehen.

Wo uns die eigenen Worte im Hals stecken bleiben

oder wo sie ungehört verhallen,

möge er uns mit seinem Wort Mut machen und Trost schenken.

Wo wir auf Distanz bleiben, freiwillig oder unfreiwillig,

möge er uns nahekommen und uns in seinen Händen bergen.

Amen.

 

Orgelnachspiel