Evangelische Kirchengemeinden Katzenfurt und Daubhausen

Wir sind für dich da!

Gottesdienst für zuhause

10. April 2020 - Karfreitag

Sie können den "Gottesdienst für zuhause" in der Version zum Hören und als Text-Datei herunterladen. So können Sie ihn bequemer lesen. Sie können den Gottesdienst aber auch ausdrucken und weitergeben. Vielleicht gibt es jemanden in Ihrer Nachbarschaft, die oder der gerne diesen Gottesdienst aus der eigenen Gemeinde lesen würde, aber keinen Zugang zum Internet hat. Geben Sie den "Gottesdienst für zuhause" an andere weiter. 

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Begrüßung

Mit allen Christinnen und Christen gemeinsam denken wir heute am Karfreitag daran, dass Jesus Christus am Kreuz gestorben ist. Wir vergegenwärtigen uns dieses Geschehen im Gottesdienst, wenn wir ihn auch nicht gemeinsam in der Kirche feiern, sondern zuhause, denn auch diesen Gottesdienst feiern wir

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Psalm 22

»Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?«

Weit entfernt ist meine Rettung. Ungehört verhallt mein Hilfeschrei.

»Mein Gott«, so rufe ich am Tag, doch du gibst keine Antwort.

Und so rufe ich in der Nacht, doch nur Schweigen umgibt mich.

Du aber, du bist der Heilige!

Du thronst über den Lobgesängen Israels!

Auf dich vertrauten schon unsere Eltern.

Sie vertrauten darauf, dass du sie rettest.

Sie riefen zu dir und wurden gerettet.

Auf dich haben sie sich verlassen und wurden nicht enttäuscht.

Auf dich bin ich angewiesen seit meiner Geburt.

Vom ersten Atemzug an bist du allein mein Gott!

Bleib nicht fern von mir! Denn die Not ist so nahe.

Und sonst habe ich niemand, der mir hilft.

Du bist meine Stärke, hilf mir schnell!

Ich will meinen Schwestern und Brüdern

von deinem Namen erzählen.

Im Kreis der Gemeinde will ich dich loben.

Denn der HERR hat mich gehört, als ich um Hilfe schrie.

Bekommt also neuen Lebensmut, für immer!

 

Piano solo: Les feuilles mortes

von Josefine Ries (nur in der Version zum Hören)


Predigt (von Pfr. Ulrich Ries)

Heute ist Karfreitag. Es gibt Menschen, für ist dieser Feiertag schwer auszuhalten. Es fällt ja auch nicht leicht, sich daran zu erinnern, dass Jesus am Kreuz gestorben ist.   Und immer mehr Menschen lehnen es geradezu ab, diesen Feiertag überhaupt zu begehen. Sie sind der Ansicht, dass er nichts mit ihrem Leben hier und heute zu tun hat. Ich weiß ja nicht, wie Sie das sehen, meine Lieben, aber ich halte das für einen Irrtum. Ich finde sogar, dass der Karfreitag uns hilft, zu uns selbst zu kommen, zum Kern unseres Mensch-Seins. Denn sehen Sie mal:

Ein Mensch stirbt am Kreuz. Und er stirbt für uns, für unsere Schuld. So sagt es die Bibel. Zugegeben, dieser Gedanke ist schwer zu ertragen. Das beginnt schon allein damit, dass wir es in der Regel weit von uns weisen, überhaupt Schuld auf uns geladen zu haben. Und das stimmt ja auch. Schließlich sind wir keine Verbrecher. Also wann sollen wir denn schuldig geworden sein?

Ich will die Sache mit der Schuld mal etwas anders formulieren. Wenn wir auch möglicherweise nicht schuldig werden, so können wir doch fast nicht anders, als anderen Menschen etwas schuldig zu bleiben. Wir bleiben zum Beispiel anderen Respekt schuldig, wenn wir sie nicht so behandeln, wie es ihnen zusteht. Wir bleiben anderen Liebe schuldig, wenn wir ihnen lieblos begegnen. Gerade den Menschen, die uns am Nächsten stehen, bleiben wir oft Zeit schuldig, wenn wir uns eher um Beruf oder Hobby kümmern als um sie. Manchem bleiben wir auch nur ein Lächeln schuldig. Aber immerhin!

Gerade in diesen Corona-Zeiten kommen wir doch gar nicht drum herum, anderen etwas schuldig zu bleiben, Nähe nämlich! Die Menschen in den Altenheimen bekommen keinen Besuch. Enkelkinder dürfen nicht zu den Großeltern. Freunden sollen wir nicht direkt begegnen. Menschen, die am Rande unserer Gesellschaft stehen, kann nicht mehr so geholfen werden, wie sie es nötig hätten. Werdende Väter lassen ihre Frauen im Kreissaal allein. Wir bleiben vielen Menschen die wünschenswerte Nähe schuldig. Und diese fehlende Nähe hat weitere Folgen.

Ich kann mir schon denken, was Sie jetzt einwenden werden: „Wir tun das doch nicht freiwillig! Wir würden ja ganz anders, wenn man uns nur ließe!“ Mag sein, aber es kommt ja noch schlimmer. Wir bleiben unseren Mitmenschen Nähe schuldig, nicht um sie zu ärgern, sondern um ihre Gesundheit und womöglich ihr Leben zu schützen. Wir stecken in einer Zwickmühle. Und wir kommen nicht aus ihr heraus. Die gegenwärtig vorgeschriebenen Beschränkungen unserer sozialen Kontakte bringen es nur überdeutlich ans Licht. Man nennt es ein Dilemma, wenn man nur die Wahl zwischen zwei Möglichkeiten hat, die aber beide im Grunde nicht zu akzeptieren sind. Entweder ich bleibe den Senioren etwas schuldig, weil ich sie im Heim alleinlasse, oder ich werde schuldig, weil ich sie in Gefahr bringe, wenn ich sie besuche. In anderen Ländern stecken Ärzte schon in einem noch viel schlimmeren Dilemma. Hoffentlich kommt es bei uns nicht dazu. Es könnte aber noch passieren, dass es auf den Intensivstationen nicht mehr genügend Beatmungsgeräte für alle Corona-Patienten gibt. Dann müssen Ärzte entscheiden, wem sie helfen. Der eine Patient kommt an die Beatmung, dem anderen bleiben sie Hilfe schuldig, auch wenn sie es nicht wollen. Solche Schuld können wir nicht tragen!

Es ist ja verrückt! Wir Menschen genießen ein großes Maß an Freiheit. Mal abgesehen von solchen Zwangslagen, wie ich sie eben beschrieben habe, haben wir eigentlich immer die Wahl. Wir entscheiden selbst, was wir tun oder lassen wollen. Das bedeutet aber auch, dass wir die Verantwortung für das tragen, was aus unseren Entscheidungen folgt. Wenn ich zum Beispiel ein Haus baue, bin ich dafür verantwortlich, dass durch mein Haus niemand zu Schaden kommt. Was passiert aber, wenn sich durch einen Sturm ein Dachziegel löst und der fällt jemandem auf den Kopf? Dann bin ich verantwortlich! Im Zweifel muss ich dann ein Schmerzensgeld zahlen, obwohl ich mir keiner Schuld bewusst bin. Ich werde schuldig, auch wenn ich nichts Böses getan habe. Die finanziellen Schulden kann ich dem Geschädigten gegenüber ja vielleicht noch begleichen, oder meine Versicherung tut das für mich. Die persönliche Schuld aber bleibt. Da ist jemand zu Schaden gekommen. Und es liegt in meiner Verantwortung, und zwar deshalb, weil ich die Folgen dessen, was ich tue oder lasse, oft nicht in der Hand habe. Auch so eine Schuld ist zu schwer, als dass wir sie tragen könnten.

Damit wir nun an der Schwere unserer Schulden nicht zerbrechen, nimmt Gott sie in Jesus auf sich und trägt sie ans Kreuz. Darum müssen wir sie nicht mehr tragen. Gott sei Dank! Denn wir haben ja zurzeit schon an dem genug zu tragen, was sich uns im Moment als „normaler Alltag“ darstellt. Müssten wir da noch die Konsequenzen unseres Handelns alleine tragen, würden wir uns daran hoffnungslos verheben. Für manche ist die Bewältigung der Corona-Krise ja schon unerträglich geworden. All die Einschränkungen, die gesundheitliche Gefährdung und der drohende Verlust der Existenzgrundlage sind für viele Menschen bereits jetzt untragbar. Ich mag mir gar nicht ausmalen, wie es aussähe, würde Gott uns nicht wenigstens das abnehmen, was wir ihm und unseren Mitmenschen schuldig geblieben sind. So aber muss uns unsere Schuld nicht zusätzlich belasten. Ganz im Gegenteil! Weil Gott selbst ans Kreuz trägt, was uns belastet, können wir aufstehen gegen alles, was den Tod bringt. Wir können den Aufstand proben gegen die Mächte und Gewalten, die das Leben bedrohen, unterdrücken, ersticken. Doch das ist noch Zukunftsmusik. Noch eine kleine Weile. Das beginnt erst am Morgen des dritten Tages …


Piano solo

von Josefine Ries (nur in der Version zum Hören)


Gebet

Nun ziehen wir die Straße, die unser Herr gegangen, verraten und gefangen.

Wir hatten uns verloren, doch er hat uns gefunden und an sein Kreuz gebunden.

Wir ziehen seine Straße, er trägt das Kreuz uns allen, für uns ist er gefallen.

Für uns hat er gelitten, für uns ist er erstanden aus Jammer, Tod und Schanden.

O Kyrie eleison, wir singen deinem Namen das Hosianna. Amen.

(Klaus Berg)


So begleite uns Gott mit seinem Segen in die vor uns liegende Zeit.

Wo wir uns nicht mehr gegenseitig anschauen können,

möge er uns gnädig ansehen.

Wo uns die eigenen Worte im Hals stecken bleiben

oder wo sie ungehört verhallen,

möge er uns mit seinem Wort Mut machen und Trost schenken.

Wo wir auf Distanz bleiben, freiwillig oder unfreiwillig,

möge er uns nahekommen und uns in seinen Händen bergen.

Amen.


Kollekten in Zeiten von Corona

Da wir ja zurzeit keine Kollekte im Gottesdienst erbitten können, wollen wir Ihnen einen anderen Weg möglich machen, den Kollektenzweck des jeweiligen Sonntags zu unterstützen. Die Evangelische Kirche im Rheinland teilt dazu mit:

Kollekte online geht zu jeder Zeit

Die Kollekte ist Ausdruck tätiger Liebe und solidarischer Hilfe und geht auch in Zeiten der Corona-Pandemie: online über über das Spendenportal der KD-Bank. Bezahlt wird per Paypal oder Kreditkarte. Ein kurzer Text erläutert, für welchen Zweck die Kollekte jeweils bestimmt ist. 

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