Evangelische Kirchengemeinden Katzenfurt und Daubhausen

Wir sind für dich da!

Gottesdienst zum Nach-Lesen und Nach-Hören

14. Juni 2020

Es war ihnen alles gemeinsam.



Hier finden Sie die Aufnahme des Gottesdienstes in der Kirche als Gottesdienst zum Nach-Hören und Nach-Lesen. Beide Versionen können Sie herunterladen, als Audio-Datei oder als Text-Datei. Sie können den Gottesdienst auch ausdrucken und weitergeben. Vielleicht gibt es jemanden in Ihrer Nachbarschaft, die oder der gerne diesen Gottesdienst aus der eigenen Gemeinde lesen würde, aber keinen Zugang zum Internet hat. Geben Sie den "Gottesdienst zum Nachlesen" an andere weiter.





Gottesdienst zum Nach-Lesen











Gottesdienst zum Nach-Hören







Gottesdienst zum Nachlesen vom 14. Juni 2020
Es war ihnen alles gemeinsam.

Orgelvorspiel

von Jan-Paul Götze

 

Begrüßung

Wir feiern nun Gottesdienst, auch wenn die Umstände noch immer ungewöhnlich sind. Und auch diesen Gottesdienst feiern wir

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes Amen.

Unsere Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Psalm 34

Ich will den HERRN preisen zu jeder Zeit.

Sein Lob soll stets aus meinem Mund kommen.

Mit ganzer Seele möchte ich den HERRN rühmen.

Die Armen sollen es hören und sich freuen!

Preist mit mir die Größe des HERRN!

Lasst uns gemeinsam seinen Namen hochleben!

Als ich den HERRN suchte, antwortete er mir.

Er zog mich heraus aus allen meinen Ängsten.

Wer sein Angesicht erblickt, strahlt vor Freude.

Niemand wird vor Scham erröten.

Hier steht ein armer Mensch, der um Hilfe rief.

Der HERR hörte es und rettete ihn aus aller Not.

Der Engel des HERRN lässt sich nieder bei denen,

die dem HERRN mit Ehrfurcht begegnen.

Er schützt sie von allen Seiten und rettet sie.

Verehrt den HERRN, ihr Heiligen aus seinem Volk!

Ja, wer ihn verehrt, dem fehlt es an nichts.

Kommt, ihr jungen Leute, und hört mir zu!

Ich will euch anleiten,

wie man in Ehrfurcht vor dem HERRN lebt.

Wer möchte sich nicht am Leben freuen

und seine Tage im Glück zubringen?

Dann halte dich fern vom Bösen und tue Gutes!

Suche Frieden und jage ihm nach!

 

Lied: EG 443 Aus meines Herzens Grunde

von Jan-Paul Götze

Predigt (von Pfr. Ulrich Ries)

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.

In den letzten Wochen bin ich bei meinen Predigten ausgegangen von der aktuellen Lebenssituation und habe gefragt, was die Bibel dazu zu sagen hat. Für die Predigt heute wollte mal wieder den Bibeltext zugrunde legen, der uns vorgeschlagen ist. Und was soll ich sagen, meine Lieben, erstaunlicherweise bin ich auf ganz aktuelle Anregungen gestoßen, aber hören Sie zunächst einmal selbst. Es handelt sich um einen Abschnitt aus der Apostelgeschichte, Kap 4 die Verse 32-35. Da wird beschrieben, wie die junge christliche Gemeinde kurz nach den Pfingst-Ereignissen das Zusammenleben gestaltet hat:

32 Die ganze Gemeinde war ein Herz und eine Seele. Kein einziger von ihnen erklärte etwas, das ihm gehörte, zu seinem Privatbesitz, sondern es war ihnen alles gemeinsam.

33 Die ganze Gnade Gottes ruhte auf der Gemeinde.

34 Keiner von ihnen musste Not leiden. Denn alle, die in Haus- oder Grundbesitz investiert hatten und etwas davon verkauften, brachten den Erlös dieser Verkäufe

35 und legten das Geld den Aposteln zu Füßen. Davon erhielt jeder Bedürftige so viel, wie er brauchte.

Ein Herz und eine Seele also waren die ersten Christen. Diese zur Redensart gewordene Formulierung führt uns auf den Holzweg. Es hört sich nämlich sehr danach an, als ob das Gefühlsleben der ersten Christinnen und Christen beschrieben werden soll. Gemeint ist aber eine Denkweise und Einstellung, die alle geteilt haben. Die waren sich einig in dem, was wichtig ist.

Und was jetzt kommt, ist uns fremd. Scheinbar gab es in der ersten Christengemeinde keinen Privatbesitz. „Es war ihnen alles gemeinsam.“ Das hört sich fast nach Kommunismus an. Und das soll eine Anregung für uns sein, wie wir mit der gegenwärtigen Krise umgehen sollen? Doch in der Tat denke ich, dass in diesem kurzen Abschnitt aus der Bibel durchaus Ideen stecken, die uns heute helfen können.

Übrigens hat man wirklich gelegentlich wegen dieser Beschreibung die erste christliche Gemeinde tatsächlich als eine frühe Form einer kommunistischen Gesellschaft angesehen. In einer kommunistisch organisierten Gesellschaft geht es meines Erachtens nach aber vor allem darum, dass es kein Privateigentum an Produktionsmitteln gibt. Also alles Eigentum, das dazu dient, damit Geld zu verdienen, soll Gemeinschaftsbesitz sein. Davon aber ist hier in der Apostelgeschichte nicht die Rede.

Hier wird vielmehr so etwas wie eine Art Gütergemeinschaft beschrieben. Das Ziel dieser Gemeinschaft ist es, dass niemand Not leiden muss. Und dann wird genau beschrieben, dass nicht etwa alle Erträge der bewirtschafteten Äcker automatisch sozialisiert wurden. Auch musste keiner, der ein Haus geerbt hatte, es direkt verkaufen. Es war aber eben nicht unüblich, dass jemand ein Stück Land verkaufte, damit dann von dem Erlös Hilfsbedürftige unterstützt werden konnten. In diesem Sinne betrachteten sie alles als gemeinsamen Besitz.

Das, was da in der Apostelgeschichte beschrieben wird, entspricht eigentlich im Grunde doch unserer gegenwärtigen Praxis. Zwar verkauft heute in der Regel niemand mehr ein Haus, um Bedürftige zu unterstützen, aber wir zahlen Steuern. Und von dem Erlös wird unter anderem sichergestellt, dass alle genug zum Überleben haben. Zugegeben, das funktioniert mal eher mehr, mal eher weniger gut. Und es ist nicht in allen Fällen immer gerecht, aber der Grundgedanke ist doch bei uns in Deutschland umgesetzt. Und gerade jetzt in dieser Krise, tut der Staat doch viel, Bedürftige zu unterstützen. Und das ist gut so!

Mir geht es aber um noch etwas anderes, viel grundsätzlicheres. „Es war ihnen alles gemeinsam.“ Diese Formulierung hat mich zu Überlegungen angeregt, wie es nach Corona weitergehen soll. Keine Angst, ich will nicht den Kommunismus aus der Mottenkiste hervorholen! Aber die Frage ist doch erlaubt, und ich finde sie wird zunehmend dringend und überlebenswichtig: Gibt es etwas, das nur allen Menschen gemeinsam sein kann? Oder mal andersherum gefragt: Gibt es Sachen oder Belange, die kein Privatbesitz sein dürfen?

Die Luft zum Beispiel, kann die überhaupt Privateigentum sein? Natürlich nicht! Wir alle atmen dieselbe Luft, und zwar weltweit. Klar, die Luft ist in den Metropolen und Megastädten schlechter als auf dem Land, aber wir können doch nicht so tun, als ginge es Menschen in anderen Ländern nichts an, wenn wir die Luft verpesten. Umgekehrt natürlich genauso. Wenn in Russland Kohlekraftwerke betrieben oder in Indonesien oder Brasilien die Urwälder abgeholzt werden, geht uns auch hier die Luft aus. Wir müssen uns hier also über staatliche Grenzen hinweg als Interessengemeinschaft verstehen lernen, als Einheit, in der die Luft allen gemeinsam ist.

Das Wasser ist ein weiteres Beispiel, das Trinkwasser. Darf das Privateigentum sein? Haben nicht alle Menschen einen Anspruch auf sauberes Trinkwasser? Dass es damit Probleme geben kann, merken wir ja schon in Deutschland. In ganz vielen Ländern aber ist das Wasser aus dem Hahn, wenn es das überhaupt gibt, kein Trinkwasser. Da muss man Mineralwasser in Flaschen kaufen. Und es gibt Länder, da hat Nestlé so etwas wie ein Monopol.

Dann wird kritisiert, dass zunehmend mehr Menschen. vor allem Kinder und Jugendliche, nicht mehr schwimmen können. Damit sie das lernen und üben können, brauchen wir Schwimmbäder. Die aber sind rentabel offenbar nur als Spaßbäder. Dort kann man in der Regel alles Mögliche, aber nicht wirklich schwimmen. Richtige Schwimmbäder müssten also von Kommunen oder Ländern betrieben werden, damit ein mögliches Defizit ausgeglichen werden kann. So ist es ja zurzeit auch, aber immer mehr öffentliche Eigentümer schließen die Bäder. Kein Wunder also, dass immer weniger Menschen schwimmen lernen.

Und wenn wir an die gegenwärtige Corona-Krise denken, können wir feststellen, dass es problematisch ist, wenn die Gesundheitsversorgung privatisiert ist. Unsere Krankenhäuser haben Intensiv-Betten vorgehalten für den Fall, dass viele Corona-Patienten versorgt werden müssen. Gottseidank waren die Krankenhäuser in Deutschland nicht überlastet. Im Gegenteil, viele Betten blieben leer. Das ist für die Betreiber natürlich unwirtschaftlich, deshalb fordern sie jetzt einen finanziellen Ausgleich vom Staat. Darüber kann man ja reden, aber wenn Krankenhäuser nur noch nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten arbeiten, können sie keine Kapazitäten für Patienten vorhalten, die dann nicht kommen. In einer Notlage wie einer Pandemie kann das sehr problematisch werden.

Wir haben also allen Grund darüber nachzudenken, ob es etwas gibt, das allen gemeinsam sein sollte. Und es gibt mehr als die paar Beispiele, die mir sofort eingefallen sind, die mich gleichsam angesprungen haben. Die Corona-Krise macht so manches sichtbar. Gibt es nicht auch andere Bereiche, die allen gemeinsam sein sollten, für die dann auch alle Verantwortung übernehmen müssen? Kultur etwa oder Verkehr.

Immerhin hat Gott uns Menschen gemeinsam die Verantwortung für seine Schöpfung übertragen. Gemeinsam sollen wir sie bebauen und bewahren. Da kann es nicht angehen, dass es Menschen gibt, die von den Erträgen der Arbeit oder gar von den Lebensgrundlagen ausgeschlossen sind. Nur gemeinsam können wir Krisen bewältigen. Nur wenn alle Menschen unterschiedslos Zugang zu allem haben, was zum Leben nötig ist, werden wir als Menschheit überleben. Und Unterschiedslos meint, dass niemand wegen seiner Nationalität oder Hautfarbe, ihres Geschlechts oder seiner Religion, ihrer körperlichen oder mentalen Verfassung, seiner Herkunft, Bildung oder was auch immer ausgeschlossen werden darf von so grundlegenden Lebensnotwendigkeiten wie saubere Luft, sauberes Trinkwasser, gesunde Nahrungsmittel, Gesundheitsversorgung oder Bildung. Wir wissen nicht erst seit Corona, dass hier vieles im Argen liegt, aber die Krise führt es uns gerade besonders vor Augen. Und der Neubeginn nach dem Shutdown bietet die Gelegenheit, es in Zukunft so zu machen, wie es sein soll. Als einzelne können wir nicht alles allein richten, aber zusammen können wir unwiderstehlich sein, mit Gottes Hilfe und in seinem Namen. Amen.

 

Lied: EG 331 Großer Gott, wir loben dich

von Jan-Paul Götze

Gebet

Allmächtiger, ewiger Gott, Schöpfer der Welt, Herr der Geschichte.

Wir bitten dich:

Bewahre diese Erde und das Leben aller Menschen.

Gedenke der Hungernden und der Gefangenen,

nimm dich der Kranken und der Sterbenden an.

Lenke diejenigen, die Macht und Verantwortung tragen

in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft.

Lass alle dem Leben dienen und nicht der Zerstörung.

Schütze, was du geschaffen hast.

 

Befreie uns und alle Menschen aus Schuld und Verderben.

Hole uns heraus aus aller Ratlosigkeit.

Wecke deine Kirche,

dass sie zur Zeugin werde für Recht und Wahrheit,

für Liebe und Versöhnung.

 

Ruf uns heraus aus Verblendung und Resignation.

Lass uns ein neues Leben beginnen.

Ermutige unsere Herzen und stärke unsere Hände,

damit wir tapfer und getrost tun,

was deiner Schöpfung dient,

damit sie auch in Zukunft ein Ort ist,

an dem alle deine Geschöpfe in Würde leben können.

Amen.

 

So begleite uns Gott mit seinem Segen in die vor uns liegende Zeit.

Wo wir uns nicht mehr gegenseitig anschauen können,

möge er uns gnädig ansehen.

Wo uns die eigenen Worte im Hals stecken bleiben

oder wo sie ungehört verhallen,

möge er uns mit seinem Wort Mut machen und Trost schenken.

Wo wir auf Distanz bleiben, freiwillig oder unfreiwillig,

möge er uns nahekommen und uns in seinen Händen bergen.

Amen.

 

Orgelnachspiel

von Jan-Paul Götze




 

Kollekte
Sollte es Ihnen nicht möglich sein, den Gottesdienst in der Kirche zu besuchen, sie möchten aber den Kollektenzwecke unterstützen, machen wir Ihnen einen anderen Weg möglich. Die Evangelische Kirche im Rheinland teilt dazu mit:

Kollekte online geht zu jeder Zeit

Die Kollekte ist Ausdruck tätiger Liebe und solidarischer Hilfe und geht auch online über über das Spendenportal der KD-Bank. Bezahlt wird per Paypal oder Kreditkarte. Ein kurzer Text erläutert, für welchen Zweck die Kollekte jeweils bestimmt ist.

 

 


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