Evangelische Kirchengemeinden Katzenfurt und Daubhausen

Wir sind für dich da!

Gottesdienst für zuhause


15.03.2020


Psalm 34

Ich will den Herrn loben allezeit;

sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein.

Meine Seele soll sich rühmen des Herrn,

dass es die Elenden hören und sich freuen.

Preiset mit mir den Herrn

Gottedienst zum HörenDownload der Audiodatei

und lasst uns miteinander seinen Namen erhöhen!

Da ich den Herrn suchte, antwortete er mir

und errettete mich aus aller meiner Furcht.

Die auf ihn sehen, werden strahlen vor Freude,

und ihr Angesicht soll nicht schamrot werden.

Als einer im Elend rief, hörte der Herr

und half ihm aus allen seinen Nöten.

Der Engel des Herrn lagert sich um die her,

die ihn fürchten, und hilft ihnen heraus.

Predigt: Das Leben ist wie eine Baustelle


Das Leben ist eine Baustelle

Tja, meine Lieben, das Leben ist eine Baustelle. So sollte am vergangenen Sonntag der Gottesdienst auf der Baustelle des neuen Kirchplatzes heißen. Und es sollte ein fröhlicher Gottesdienst werden auf dem Weg zur Eröffnung des Platzes im Herbst. Nun sind uns in den letzten Tagen und Wochen Fröhlichkeit und Leichtigkeit abhandengekommen. Die Bedrohung durch dieses unsichtbare Virus ist allgegenwärtig. Und einerseits wollen und müssen wir uns selbst ganz persönlich schützen. Andererseits wollen wir dazu beitragen, dass sich das Virus nicht schneller und weiter ausbreitet, als es handhabbar ist. Darum sind zurzeit in unseren Kirchengemeinden alle Veranstaltungen abgesagt. Unter dem Motto „Gottesdienst für zuhause“ wollen wir Ihnen deshalb in der nächsten Zeit die Möglichkeit bieten, für sich oder im Familienkreis auf Gottes Wort zu hören.

Kurioserweise passt unser Motto auch zur gegenwärtigen Krisen-Situation gar nicht so schlecht: Das Leben ist eine Baustelle. Denn wer schon einmal an Baumaßnahmen beteiligt war, weiß, dass man immer wieder überrascht werden kann, dass es anders kommt, als man gedacht hat, dass es oft teurer wird als geplant, dass es länger dauert als erwartet.

Und geht es Ihnen nicht auch so oder so ähnlich? Mein Leben fühlt sich an wie eine Baustelle, auf der zurzeit nicht weitergearbeitet werden kann. Da ist die Angst um die eigene Gesundheit und die meiner Familie. Die Sorge darum, wie sich das Leben in der nächsten Zukunft gestalten lässt. Die Frage, wie lange das noch dauern wird. Die Unsicherheit, welche Entscheidungen im Moment in unseren Gemeinden die richtigen sind. Fast alles kommt zum Stillstand. Weite Teile des gesellschaftlichen Lebens und der Wirtschaft kommen zum Erliegen.

 „Schlecht Wetter“ nennen es Bauarbeiter, wenn sie nicht arbeiten können. Für uns ist es Corona. Auch das Leben ist wie eine Baustelle.

Aber das ist ja keine neue Erkenntnis. In jedem Leben gibt es ganz viele Baustellen, mit denen wir beschäftigt sind oder waren. Und bei manchen haben wir den Baubetrieb völlig eingestellt. Ich denke hier an abgebrochene Projekte, abgerissene Beziehungen, nicht beendete Studien oder Ausbildungen, an deren Stelle dann etwas anderes getreten ist, an angefangene Hobbys, die dann irgendwann im Sande verlaufen sind, an angefangene Bücher, die nie zu Ende gelesen wurden. Alles Bauvorhaben im Leben.

Nicht alles, was in einem Leben wünschenswert oder möglich ist, ist auch sinnvoll. Daher ist es gut, sich vorher einmal darüber Gedanken zu machen, einen Entwurf zu machen, bevor ich eine neue Baustelle eröffne. Manchmal wird dann schon bei der Planung deutlich: Das wird nichts. Oft allerdings müssen wir auch schlichtweg ausprobieren, ob der Entwurf etwas taugt. Dann müssen wir mit einer Ausbildung erstmal anfangen, ein Studium aufnehmen, einen Menschen besser kennenlernen, bevor wir feststellen: Das könnte etwas werden – oder eben auch nicht.

Und selbst wenn wir alles richtig gemacht haben, kann es sein, dass noch etwas fehlt. Diese Erfahrung kommt in Ps. 127, 1:

Wenn der Herr nicht das Haus baut, so arbeiten umsonst, die daran bauen. Wenn der Herr nicht die Stadt behütet, so wacht der Wächter umsonst.

Es gibt Entwürfe, da baut Gott mit. Es gibt andere Entwürfe, da baut Gott nicht mit. In Babel wollten die Menschen einen großen Turm bauen, der bis an den Himmel reicht. (1. Mos 11, 1-9) Sie wollten sich selbst damit einen Namen machen. An dieser Baustelle hat Gott nicht mitgebaut und alle Anstrengungen waren umsonst.

In unserem Leben gibt es Lebensentwürfe, die uns entsprechen. Die können mit Gottes Hilfe gelingen. Ohne sein Mittun können aber auch sie scheitern. Es gibt aber auch Entwürfe, die uns nicht entsprechen. Leider bekommen wir es erst dann heraus, ob es die richtigen Pläne sind oder nicht, wenn wir sie ausprobieren. Da ist es ratsam, auf die Signale Gottes zu achten, die uns womöglich sagen: „Versuch es nochmal anders.“ Und einen solchen Versuch macht uns Gott immer wieder möglich. Er lässt uns nicht einfach so in eine Sackgasse oder in die Irre laufen. Er schenkt immer wieder neue Anfänge, auch indem er uns aufhilft, wenn wir auf dem Weg gefallen sind. Und selbst wenn es ein Lebensentwurf ist, der uns nicht entspricht, ist auch dieser Weg nie einer ohne Gott.

In der gegenwärtigen Krise wird uns darüber hinaus aber noch etwas bewusst gemacht. Es gibt in jedem Entwurf Punkte, die sind nicht verfügbar. Dazu gehört u.a. die Gesundheit. Und manchmal begegnet uns Verhängnisvolles. Wir werden dann schmerzlich daran erinnert, dass unsere Möglichkeiten oft doch sehr begrenzt sind. Wir haben unser Leben nicht so in der Hand, wie wir es gerne hätten. Doch auch wenn wir so etwas erfahren müssen, lässt Gott uns nicht allein. Auch dann ist er uns nahe. Auch das Verhängnisvolle können wir ihm anvertrauen. Bei ihm ist es gut aufgehoben. Und wir können darauf vertrauen, dass wir niemals ohne ihn sind, was auch immer uns gerade beschäftigt.