Evangelische Kirchengemeinden Katzenfurt und Daubhausen

Wir sind für dich da!

Gottesdienst zum Nach-Lesen und Nach-Hören

15.11.2020

Wir sind zerbrechliche Geschöpfe.


Hier finden Sie die Aufnahme des Gottesdienstes in der Kirche als Gottesdienst zum Nach-Hören und Nach-Lesen. Beide Versionen können Sie herunterladen, als Audio-Datei oder als Text-Datei. Sie können den Gottesdienst auch ausdrucken und weitergeben. Vielleicht gibt es jemanden in Ihrer Nachbarschaft, die oder der gerne diesen Gottesdienst aus der eigenen Gemeinde lesen würde, aber keinen Zugang zum Internet hat. Geben Sie den "Gottesdienst zum Nachlesen" an andere weiter.

 


Download der Textdatei
Gottesdienst zum Nachlesen 15.11.20.pdf (190.17KB)
Download der Textdatei
Gottesdienst zum Nachlesen 15.11.20.pdf (190.17KB)






Gottesdienst vom 15. November 2020

Wir sind zerbrechliche Geschöpfe.

 

 

Orgelvorspiel

von Jan-Paul Götze

 

 

Votum

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes Amen.

Unsere Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Psalm 50

Gott, der Herr, der Mächtige, redet und ruft der Welt zu –

vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Untergang.

Vom Zion her erscheint Gott in strahlendem Glanz.

Unser Gott kommt und schweigt nicht.

Vor ihm her zieht verzehrendes Feuer

und um ihn tobt heftiger Gewittersturm.

Der Himmel verkündet seine Gerechtigkeit:

Ja, Gott selbst ist der Richter!

»Höre, mein Volk, ich will reden!

Wenn du in Not bist, rufe nach mir!

Dann rette ich dich, und du wirst mich dafür ehren.«

 

Lied: 655, 1-4 Aus der Tiefe rufe ich zu dir

von Jan-Paul Götze

 

Predigt (von Pfr. Ulrich Ries)

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.

Der Apostel Paulus beschreibt uns Menschen als irdene Gefäße. Irden, das bedeutet aus Ton gebrannt, also sehr hart, aber zerbrechlich. Wir Menschen sind also sehr zerbrechlich. Das wissen wir im Grund schon immer. Dazu brauchen wir auch kein Corona.

Wir Menschen sind zerbrechliche Wesen, immer vom Tod bedroht. Krankheiten, Gewalt, physische wie psychische Überlastung, Beziehungen, die nicht gelingen, Ideologien, Stress, Umweltfaktoren, Hunger, Krieg, Terror. All diese Einflüsse können dazu führen, dass wir an ihnen zerbrechen. Wir Menschen sind zerbrechliche Gefäße – und je nachdem, was man in diese Gefäße hineinlegt, gehen wir daran kaputt.

Wenn wir heute am Volkstrauertag an die Opfer von Gewalt, Krieg und Terror denken, kann sehr schnell deutlich werden, wie das aussehen kann. Kriege zwischen Völkern entstehen doch eigentlich immer so, dass Könige, Politiker, Diktatoren, Autokraten, oder wir man sogenannte Herrscher auch immer nennen will, Hass, Misstrauen, Konkurrenz, Zwietracht und andere ähnlich destruktive Motive in die Menschen gelegt haben. Und dann ließen sich die Menschen zu Kriegen verführen – und haben für diese Ideologien getötet, andere Völker versklavt und ausgerottet, haben Mitmenschen zu Untermenschen gemacht und sie zu Sündenböcken erklärt. Und sie sind selbst für diese Ideologien gestorben. Und wenn sie überlebt haben, sind doch viele daran zerbrochen. Posttraumatische Belastungsstörung nennt man das heute. Das, worüber unsere Eltern und Großeltern geschwiegen haben. Wir Menschen sind sehr zerbrechliche Gefäße. Und wenn man Hass in uns hineinlegt, dann zerbrechen wir daran – und der Hass bricht aus uns heraus.

Es geht aber auch ganz anders, sagt der Apostel Paulus, denn in diese zerbrechlichen Gefäße hat Gott einen Schatz gelegt, die Gute Nachricht von seiner herrlichen Liebe, die in der Dunkelheit unserer Herzen aufleuchtet. Und das kann uns Hoffnung geben und Mut machen, nicht weil wir kräftig und unzerstörbar wären, vielleicht wie ein Kupferkessel oder ein Edelstahltopf. Nein, wir sind und bleiben zerbrechliche Gefäße, aber solche, die von Gott gehalten sind. Und damit können wir leben, und zwar so, wie Paulus schreibt (2 Kor 4, 8+9):

„Wir stehen von allen Seiten unter Druck, aber wir werden nicht erdrückt. Wir sind ratlos, aber wir verzweifeln nicht. Wir werden verfolgt, aber wir sind nicht im Stich gelassen. Wir werden zu Boden geworfen, aber wir gehen nicht zugrunde.“

Wir Menschen können also leben, aber nicht, weil wir so stark oder so widerstandsfähig oder so flexibel sind. Wir Menschen können leben, weil wir von Gott einen Schatz haben, der uns stärkt und uns ermutigt und uns so robust macht, dass wir dem Druck und der Bedrohung von außen standhalten können. Wir können das Leben bewältigen. Wenn die Verhältnisse gut sind, kann das Leben aufblühen. Wenn die Umstände hart sind, müssen wir daran nicht zugrunde gehen. Der große Schatz der herrlichen Liebe Gottes, den er in uns hineinlegt, macht es uns möglich, äußerem Druck standzuhalten und Schweres auszuhalten.

Das klingt nun alles sehr passiv, meine Lieben. Man legt etwas in uns hinein – und entsprechend verhalten wir uns. Gott legt seine Kraft in uns – und wir zerbrechen nicht. Ein anderer legt Hass in uns hinein – und wir zerbersten. Ganz so einfach ist es wohl dann doch nicht. Und hier, an dieser Stelle endet wohl das schöne Bild vom zerbrechlichen Gefäß. Denn natürlich strömen viele Einflüsse auf uns ein, aber wie wir mit ihnen umgehen, das liegt nicht zuletzt an uns selber.

Sehen wir uns doch mal ein paar von diesen Einflüssen an, meine Lieben. Aus welchen Quellen strömt es auf uns ein? Da ist zunächst einmal unser persönliches Umfeld, die Menschen, mit denen wir zusammenleben. Ihre Gedanken und Meinungen, ihre Standpunkte, ihre Vorlieben und Abneigungen begegnen uns im direkten Kontakt. Die Ansichten der Politiker, ihre Argumente und Begründungen, ihre Pläne und Maßnahmen erreichen uns vor allem über die klassischen Medien, also über Fernsehen und Radio und über Zeitungen.

Und dann gibt es die Neuen Medien. Soziale Netzwerke wie Facebook, WhatsApp, Twitter oder ähnliche. Dass der mächtigste Mann der Welt über Twitter Weltpolitik macht, nähert sich ja seinem Ende. Aber dass auf einmal ein ehemaliger Koch genügend Einfluss hat, über diese Kanäle viele Menschen von seinen verschwurbelten Verschwörungstheorien zu überzeugen – diese Einflussnahme ist relativ neu – und schwer einzuschätzen. Lügen, die über das Internet verbreitet werden, sind schwer zu widerlegen. Und selbst wenn es klappt, wirken sie doch in vielen Köpfen fort. Ich kann es immer noch nicht wirklich fassen, aber Influencer ist mittlerweile ein anerkannter Beruf. Das sind die Leute, die genügend Follower, also Anhänger haben, dass sie Geld damit verdienen, ihre Ansichten und Lieblingsprodukte im Internet zu präsentieren. Wo sind wir nur gelandet?

Vor 2000 Jahren war der Heilige Geist ein mächtiger Influencer – auch ohne Internet. Heute ist er mit seiner Botschaft von der herrlichen Liebe Gottes weit abgehängt. Die Kauf-dich-glücklich-Botschaft ist heute medial überlegen – und gewinnt zunehmend an Einfluss, jedenfalls hier bei uns.

Aber Sie merken vielleicht, es gibt eine Alternative – immer! Und wovon wir uns beeinflussen lassen, das entscheiden wir. Und das war schon immer so! Menschen konnten sich schon immer scheinbar übermächtigen Einflüssen entziehen, konnten ihnen etwas entgegensetzen, auch wenn es schwerfiel oder gefährlich war. Adam und Eva mussten nicht zwangsläufig in den Apfel beißen, nur weil eine böswillige Influencerin ihnen das zugeflüstert hatte. Und der heilige Martin von Tours hat sich von der Liebe Gottes beeinflussen lassen – und daraufhin die Entscheidung getroffen, dass er als Christ nicht länger Soldat in der Römischen Legion sein konnte. Auch gegen Diktaturen können Menschen Widerstand leisten. Wir müssen gar nicht nur an die großen Namen wie Dietrich Bonhoeffer denken.

Es ist also durchaus möglich, einem übermächtigen Einfluss zu widerstehen. Umso wichtiger ist es, welchem Einfluss wir Raum geben in uns, damit wir nicht zerbrechen und dann womöglich andere bedrohen. Das gilt bis in unsere Gegenwart mit ihren Einflussquellen und den anstehenden Problemen, die es zu lösen gilt. Und zum Glück sind wir uns in der Corona-Krise im Großen und Ganzen ja einig. Und doch kann man beobachten, was passiert, wenn sich Menschen von irgendwelchen Verschwörungstheorien leiten lassen. Auch wenn es nicht die Mehrheit ist, können die großen Schaden anrichten. Wenn ich zum Beispiel im Fernsehen sehe, wie Corona-Hooligans in der U-Bahn eine Familie anschreien, sie solle die Masken runternehmen, dann wird es bedrohlich.

Es ist also alles andere als egal, von welcher Einflussnahme wir uns leiten lassen. Wenn wir dem großen Schatz seiner herrlichen Liebe Raum geben, den Gott ins uns hineinlegt, dann können wir dem Zerstörerischen widerstehen, das auf uns einströmt, ohne daran zu zerbrechen, obwohl wir Menschen doch irdene Gefäße sind. So müssen wir uns nicht fürchten vor dem, was Druck auf uns ausübt. Wir können ihn bestehen und müssen uns nicht fürchten. Wir haben einen Schatz in uns, der uns Mut und Hoffnung macht, auch wenn wir sehr zerbrechliche Geschöpfe sind.

Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen in Christus Jesus, unserem Herrn.

Amen.


Lied: EG 656, 1-3 Fürchte dich nicht.

von Jan-Paul Götze

 

Gebet

Barmherziger Gott, wir sind zerbrechliche Wesen,

doch du hast einen großen Schatz in uns gelegt,

der uns Mut macht und Hoffnung gibt.

Und so nehmen wir unseren Mut zusammen,

legen unsere Hoffnung in dich

und bitten dich

dass wir Frieden finden für unser Leben

und Frieden schaffen unter den Menschen;

dass wir den Sinn unseres Daseins entdecken

und einander zu einem glücklichen Leben helfen.

 

Wir bitten für alle, die Trauer tragen

um die Opfer der Kriege,

um den Verlust der Heimat,

um den Abschied von einem nahen Menschen,

dass sie weiterleben können

ohne Verzweiflung und ohne Resignation.

 

Für alle, die unter Krieg, Bürgerkrieg und Terror leiden müssen,

für die Hungrigen und die Unterdrückten,

für die, die gefoltert werden,

dass ihr Elend ein Ende hat,

dass sie satt werden, ungefährdet und frei.

 

Für uns und alle Menschen,

die wir im Schatten des Todes leben

und einander mit der Drohung des Todes Gewalt antun,

dass wir unsere Zeit nicht sinnlos verbringen

und dass wir endlich Heil und Erlösung finden.

 

Nimm dich unser gnädig an,

rette und erhalte uns.

Denn dir allein gebührt

der Ruhm und die Ehre und die Anbetung

von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

So begleite uns Gott mit seinem Segen in die vor uns liegende Zeit.

Wo wir uns nicht mehr gegenseitig anschauen können,

möge er uns gnädig ansehen.

Wo uns die eigenen Worte im Hals stecken bleiben

oder wo sie ungehört verhallen,

möge er uns mit seinem Wort Mut machen und Trost schenken.

Wo wir auf Distanz bleiben, freiwillig oder unfreiwillig,

möge er uns nahekommen und uns in seinen Händen bergen.

Amen.

 

Orgelnachspiel

von Jan-Paul Götze