Evangelische Kirchengemeinden Katzenfurt und Daubhausen

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Gottesdienst zum Nach-Lesen und Nach-Hören

17.01.2021

Unser Leben sei ein Fest.


Hier finden Sie die Aufnahme des Gottesdienstes in der Kirche als Gottesdienst zum Nach-Hören und Nach-Lesen. Die Text-Datei können Sie herunterladen, ausdrucken und weitergeben. Vielleicht gibt es jemanden in Ihrer Nachbarschaft, die oder der gerne diesen Gottesdienst aus der eigenen Gemeinde lesen würde, aber keinen Zugang zum Internet hat. Geben Sie den "Gottesdienst zum Nachlesen" an andere weiter.



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17.01.2021

Unser Leben sei ein Fest.

 

Orgelvorspiel von Jan-Paul Götze

 

Votum

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes Amen.

Unsere Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

Psalm 105

Dankt dem HERRN! Ruft seinen Namen aus!

Verkündet seine Taten unter den Völkern!

Singt für ihn, musiziert für ihn!

Sprecht über alle seine Wunder!

Seid stolz auf seinen heiligen Namen!

Von Herzen sollen sich alle freuen,

die den HERRN suchen!

Fragt nach dem HERRN und seiner Macht!

Kommt vor sein Angesicht zu jeder Zeit!

Denkt an seine Wunder, die er getan hat,

an seine Zeichen und Urteilssprüche.

Er allein ist der HERR, unser Gott!

Seine Gesetze gelten im ganzen Land.

Er hält sich für immer an seinen Bund.

Tausend Generationen gab er sein Wort.

 

Lied: EG 648 – Wir haben Gottes Spuren festgestellt

von Jan-Paul Götze

Predigt von Pfr. Ulrich Ries

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.

Meine Lieben, hören Sie den Anfang einer provozierenden Geschichte im Johannesevangelium, Kapitel 2: In Kana in Galiläa fand eine Hochzeit statt. Auch die Mutter von Jesus nahm daran teil. Jesus und seine Jünger waren ebenfalls zur Hochzeitsfeier eingeladen. Während des Festes ging der Wein aus.

Sie kennen bestimmt diese Geschichte, meine Lieben. Sie ist uns als Predigttext für heute vorgeschlagen. Und provozierend ist sie deshalb, weil sie mitten in unsere gegenwärtige Lebenssituation hineinplatzt, weil sie unserem Lebenshunger Nahrung gibt, und zwar genau an der Stelle, an der wir zurzeit das Leben am meisten vermissen.

Wir können uns kaum noch in die Situation hineinversetzen. Die Geschichte erzählt von einem großen Fest, von einer Hochzeit. Die ist in vollem Gange. Das Fest der Liebe, des Lebens und der Freude. Die Tische biegen sich vor lauter Essen und Trinken. Der Duft orientalischer Köstlichkeiten erfüllt den Festsaal. Musik, Tanzen, Lachen, ­ausgelassene Freude, Genuss pur. Jesus und seine Mutter Maria sind auch eingeladen. Maria beobachtet aus einer Ecke des Saales heraus das fröhliche Treiben. So entgeht ihrem wachen Blick auch nicht, dass sich immer mehr Weingläser leeren, die gerade noch mit rot funkelndem Wein gefüllt waren. Maria bemerkt es als Erste: Der Wein geht aus. Es bahnt sich eine ziemlich peinliche Situation für das Brautpaar an und damit auch das mögliche abrupte Ende des unbeschwerten Feierns. Was könnte ich tun, um das Fest zu retten, überlegt sie im Stillen? Sie bittet ihren Sohn Jesus, zu helfen. Sie haben keinen Wein mehr! Doch er reagiert seiner Mutter gegenüber ziemlich unwirsch. Na und, was geht mich das an! Meine Stunde ist noch nicht gekommen. Maria scheint die Unfreundlichkeit ihres Sohnes zu überhören, drängelt ihn nicht, vielleicht versteht sie ihn sogar. Stattdessen wendet sie sich voller Vertrauen an die Diener: Tut alles, was er euch sagt! Und in der Tat, es dauert nicht lange und Jesus tritt in Aktion. Er lässt die Wasserkrüge mit frischem Wasser füllen, und wie durch Zauberhand wird daraus ein ganz besonderer Wein, ein Wein der Extra­klasse, und das in Hülle und Fülle. 600 Liter, das sollte reichen für den Rest des Abends! Und nun kann feucht-fröhlich weitergefeiert werden. Interessant ist, dass kaum jemand etwas von dem vermeintlich kleinen Zwischenfall bemerkt hat. Ein Wunder, ein erstes Zeichen, das Jesus in der Öffentlichkeit setzt, doch leider bemerken es nur ein paar wenige „Insider“.

Ausgerechnet heute erzählt uns die Bibel von einer ausschweifenden Hochzeitsfeier, wo wir noch nicht einmal Weihnachten annähernd angemessen feiern konnten. Und wie viele Hochzeiten sind im vergangenen Jahr schlichtweg ausgefallen? Die Bibel erzählt uns von reichlichem Weinkonsum, wo bei uns noch nicht einmal ein Becher Glühwein ausgeschenkt werden darf. Die Bibel erzählt von einer Feier mit Hunderten von Menschen. Wahrscheinlich war halb Kana da versammelt. Und wir dürfen uns mit einem einzigen Menschen treffen.

Das haben wir ja auch in der Zeit vor dem strengen Lockdown immer wieder zu hören bekommen: Ich will endlich mal wieder feiern. Oder: Man muss doch mal ein bisschen feiern können. Und auch das haben wir gehört oder gelesen: Es wurden feiern aufgelöst, die nicht den Hygiene- und Abstandsregeln entsprachen. Und dann kam es zu Krawallen. Oder es wurde eingeladen zu verbotenen Feiern in Hinterzimmern von Kneipen.

Aber ich habe den Eindruck, die Bibel erzählt irgendwie doch etwas anderes. Vielleicht ist das der Unterschied: Ein wirkliches Fest braucht einen Grund. In unserer Geschichte ist es eine Hochzeit. Die Feiern, die so sehnlich vermisst wurden, hatten bestenfalls einen Anlass: Das schöne Wetter, das Wochenende, die Grillsaison, den Weihnachtsmarkt. Doch das macht noch kein Fest. Essen und Trinken, Musik und Tanzen, Alkohol oder andere Drogen, gute Stimmung, Ausgelassenheit, Ektase, das reicht für eine Party oder einen kurzen Rausch, ist genug für einen Rave oder ein sonst einen Event in einem Club. Es könnte doch sein, dass ein richtiges Fest einen Grund braucht.

Wissen Sie, wann in der Bibel zum ersten Mal von einem Fest die Rede ist? Im Zusammenhang mit dem Exodus, mit dem Auszug des Volkes Israel aus Ägypten. Da schickt Gott Mose und Aaron zum Pharao und lässt ihm ausrichten: So spricht der Herr, der Gott Israels: Lass mein Volk ziehen, damit sie mir in der Wüste ein Fest feiern. (2. Mos 5, 1) Wenn das mal kein Grund ist. Gott selbst ist dieser Grund. Für ihn soll Israel ein Fest feiern. Und ein weiteres wird deutlich: Ein Fest feiern, das ist ein Akt der Befreiung.

Das nun wiederum wundert uns mit unserer gegenwärtigen Erfahrung nicht. Auch wir werden es als Befreiung erleben, wenn wir wieder unbeschwert werden feiern können. Dem Fest für Gott in der Wüste ging allerdings ein schmerzhafter Prozess voran, denn der Pharao wollte Israel nicht gehen lassen. Und auch uns steht noch eine schwere Zeit bevor.

Doch werden uns wieder Feste blühen, dessen bin ich gewiss. Und so ein Fest ist mehr als ein schöner Augenblick. Immerhin vergleicht Jesus ja Gottes neue Welt mit einem Fest. In Lk 22, 2 sagt er: Das Himmelreich gleicht einem König, der für seinen Sohn das Hochzeitsfest veranstaltete. Wenn Jesus also in Kana möglich macht, dass das Fest weitergeht, dann öffnet er das Tor zum Himmelreich einen kleinen Spalt. Die hohe Zeit seines Wirkens beginnt mit einer Hochzeit. Lebensfreude und Leichtigkeit, Musik und Tanz, Speis und Trank in Hülle und Fülle. All das ist ein Vorgeschmack auf das anbrechende Reich Gottes.

Ich glaube gar nicht, dass es unbedingt ein Wunder braucht, damit wir das auch wieder erleben können, damit auch wir wieder feiern können. Ein bisschen Disziplin wäre genug. Aber es lohnt sich doch auch, selbst wenn uns die Zeit lang wird. Denn dann wird nicht nur eine Lücke geschlossen werden, die im Moment in unserem Leben klafft, dann wird uns auch wirklich danach zumute sein, ohne Reue, aber mit Lebensfreude und Leichtigkeit zu feiern. Vermutlich nicht morgen oder übermorgen. Aber vielleicht Ostern, möglicherweise noch mit Abstand und Masken. Und wenn wir uns bis dahin ein bisschen zusammenreißen, können wir nach Ostern auch die Konfirmationen feiern – und die haben dann die Chance, ein Fest des Lebens zu werden, bei dem sich Himmel und Erde berühren.

Wenn Gott uns einen langen Atem gibt, kann das gelingen. Was heute noch alles andere als selbstverständlich ist, könnte dann für uns ein Akt der Befreiung sein. Setzen wir ihn nicht aufs Spiel.

Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus, unserem Herrn. Amen.

Lied: 571 – Unser Leben sei ein Fest

von Jan-Paul Götze

Fürbitten

Guter Gott, wenn deine neue Welt kommt,

wird es sein wie bei einem Fest.

Wir werden Grund haben zur Freude darüber,

dass das uns ein Leben blüht,

wie du es dir für uns vorstellst.

Doch wenn das für uns auch noch Zukunftsmusik ist,

können wir einen Vorgeschmack von deiner neuen Welt bekommen,

wenn wir das Fest des Lebens schon mitten im Leben feiern.

Noch ist es nicht so weit,

aber es wird eine Befreiung sein,

wenn wir wieder unbeschwert feiern können.

Noch brauchen wir langen Atem und Durchhaltevermögen,

doch wollen wir an deine Wunder denken,

die uns in der Vergangenheit immer wieder das Leben bereichert haben.

Und wir bitten dich um Kraft und Hoffnung für den nächsten Abschnitt

auf dem Weg zur Befreiung von allen Einschränkungen,

die unser Leben bestimmen.

Wir legen dir alle ans Herz,

denen die Hoffnung abhanden zu kommen droht,

denen alles zu viel wird,

die kein Licht mehr sehen.

Lass uns und allen Menschen am Horizont das Licht des Lebens aufleuchten.

Wir sind noch nicht im Festsaal angelangt,

aber wir sind eingeladen.

Dessen sind wir gewiss.

Dafür danken wir dir.

Amen

Segen

So begleite uns Gott mit seinem Segen in die vor uns liegende Zeit.

Wo wir uns nicht mehr gegenseitig anschauen können,

möge er uns gnädig ansehen.

Wo uns die eigenen Worte im Hals stecken bleiben

oder wo sie ungehört verhallen,

möge er uns mit seinem Wort Mut machen und Trost schenken.

Wo wir auf Distanz bleiben, freiwillig oder unfreiwillig,

möge er uns nahekommen und uns in seinen Händen bergen.

Amen.

Orgelnachspiel von Jan-Paul Götze