Evangelische Kirchengemeinden Katzenfurt und Daubhausen

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Gottesdienst zum Nach-Lesen

20.09.2020

Der Fluss des Lebens



Hier finden Sie den Gottesdienste in der Kirche in dieser Wocher nur als Gottesdienst zum Nach-Lesen. Die Text-Datei können Sie herunterladen. Sie können den Gottesdienst auch ausdrucken und weitergeben. Vielleicht gibt es jemanden in Ihrer Nachbarschaft, die oder der gerne diesen Gottesdienst aus der eigenen Gemeinde lesen würde, aber keinen Zugang zum Internet hat. Geben Sie den "Gottesdienst zum Nachlesen" an andere weiter.








Gottesdienst vom 20. September 2020

Der Fluss des Lebens

 

 

Orgelvorspiel

von Jan-Paul Götze

  

Votum

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes Amen.

Unsere Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

  

Psalm 126

Wir waren wie in einem Traum,

als der HERR das Schicksal Zions zum Guten wendete:

Da füllte Lachen unseren Mund

und Jubel löste uns die Zunge.

Da sagte man unter den Völkern:

»Der HERR hat Großes an ihnen getan!«

Ja, der HERR hat Großes an uns getan!

Wir waren in einem Freudentaumel.

HERR, wende unser Schicksal zum Guten –

so wie du die Bäche im Negev füllst nach langer Trockenzeit.

Wer unter Tränen mit der Saat beginnt,

wird unter Jubel die Ernte einbringen.

Noch geht er weinend aufs Feld,

wenn er den Beutel zur Aussaat trägt.

Dann kommt er, kommt jubelnd zurück,

wenn er seine Garben nach Hause trägt.

  

Lied: 440, 1-4 All Morgen ist ganz frisch und neu

von Jan-Paul Götze

  

Predigt (von Pfr. Ulrich Ries)

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.


Es kommt immer wieder vor, dass wir uns vom Fluss des Lebens abgeschnitten fühlen. In diesen Corona-Zeiten geht das vielen so. Aber auch sonst haben wir oft das Gefühl, dass das Leben an uns vorüberrauscht, ohne bei uns Halt zu machen. Wenn wir krank sind – oder in Trauer. Wenn es im Beruf nicht wirklich vorwärts geht. Wenn im Sport oder sonst einem Hobby die Erfolge ausbleiben. Wenn wir uns am liebsten verkriechen würden – und sich dann die anderen noch amüsieren gehen. Wenn wir auf einer Feier allein in der Ecke stehen. Wenn wir jeden Pfennig rumdrehen müssen, während andere das Geld zum Fenster rausschmeißen. Es gibt noch viele andere Gelegenheiten und Zeiten, in denen der Fluss des Lebens ins Stocken gerät. Dabei ist er uralt, dieser Lebensfluss, älter als die Menschheit.

 

Noch bevor Gott den Menschen erschuf und ihm seinen Lebensodem in die Nase blies, war da schon dieser mächtige Fluss. Er stieg aus der Erde empor und tränkte das ganze Land.  Erst strömte das Wasser, dann wurde der Lebensodem gereicht und schließlich der Garten gepflanzt, in Eden gegen Osten hin. Und dort setzte Gott dann den Menschen hinein. So erzählt es die Bibel.

 

Von Anfang an war er da, dieser Fluss, dieser Lebens-Strom. Und im Paradiesgarten teilte er sich in vier Hauptarme auf und fließt seitdem in vier Strömen hinaus in die Welt. Von zweien dieser Ur-Flüsse, von Pischon und Gihon wissen wir heute leider nichts mehr. Auch nicht von den Ländern, die sie einst durchzogen. Diese Länder mit den wohlklingenden Namen Hawila und Kusch. Wo man einst Gold fand, Harz und Edelsteine. Als die Menschen das Paradies verloren, gingen mit ihnen jenseits von Eden auch einige Länder, ihre Namen und Bodenschätze, fort. Das Paradies wurde immer mehr zum Ort einer fernen, vergangenen Sehnsucht.

 

Doch die beiden anderen Flüsse, die von Anfang an aus dem Paradiesgarten strömen, sie sind immer noch gegenwärtig: Tigris und Euphrat. Der Tigris fließt über 1.900 Kilometer aus türkischem Gebirge hinab, bildet eine natürliche Grenze zu Syrien, durchströmt den Irak und verbindet sich dort schließlich mit dem Euphrat. Dieser Euphrat windet sich über 2.700 Kilometer ebenfalls aus türkischem Gebirge hinab und fließt parallel zum Tigris durch Syrien hindurch, schließlich auch ein Stück durch den Irak. Beide Flüsse umschließen die Landschaft, die den wunderbaren Namen Zweistromland trägt. Nach ihrer Verbindung ergießen sich Tigris und Euphrat als neuer gewaltiger Strom Schatt-al-Arab in den Persischen Golf, ins Arabische Meer und in den riesigen Indischen Ozean hinein.

 

Vier Ströme fließen aus dem Paradies hinaus und tränken die Welt außerhalb des Gartens in Eden. Nicht das ganze Paradies ging den Menschen also verloren, als sie einst ihren Garten verlassen und in ihr Leben jenseits von Eden aufbrechen mussten. Gott gab ihnen vier Flüsse zum Leben mit auf den Weg. Ein sehr lebendiger Teil des Paradieses begleitet Adam und Eva seit jeher auf allen ihren Wegen: Ströme lebendigen Wassers, ein Fluss des Lebens, wie es einst in Eden von Gott für seine Menschenkinder gemeint und gewollt war. Im Strom verborgen, entdecken die wandernden Eva und Adam die erfrischende Zusage von Leben; das still vorüberziehende Wasser hält auch die Sehnsucht nach dem verloren gegangenen Paradies in ihnen lebendig.

 

Warum sonst sitzen und spazieren bis heute wohl so viele Träumer und Suchende an unseren Flüssen? Lebendiges Wasser aus dem Paradiesstrom begleitet Adam und Eva auf ihrem Weg außerhalb des Gartens. Wie ein Versprechen, wie eine stille, starke Kraft. Sie folgen dem Versprechen und nehmen es mit in ihr Leben.

 

Nicht umsonst haben Städte mit einem Fluss einen besonderen Charme. Nicht nur, dass die Flüsse tatsächlich die Lebensadern waren und sind, weil auf ihnen Menschen und Waren transportiert wurden, weil sie Trinkwasser spendeten und die Felder bewässerten. Die Flüsse regen zum Träumen an. Wenn man an ihren Ufern sitzt, kann man die Gedanken schweifen lassen. Sie gehen dem Fluss nach, führen zum Meer mit seiner grenzenlosen Weite und darüber hinaus in ferne Kontinente. Und die Häfen, auch die am Fluss, werden zu Sehnsuchtsorten, weil hier Menschen und Dinge aus exotischen Ländern ankommen, die mich zum Träumen anregen.

 

Und wenn man sich verlaufen hat, geht man so lange, bis man auf Wasser trifft, ein Rinnsal, einen Bach. Dem folgt man bis zum nächst größeren Bach und schließlich bis zum Fluss. Spätestens dort findet man Menschen, die einem weiterhelfen können. Flüsse geben Orientierung.

 

Die Menschen folgen dem Fluss und seinen Lebensversprechen. Im selben Maße folgen sie ihrer Sehnsucht. Sie sehen das Wasser kommen und fragen nach dem Woher. Sie lassen sich von der Strömung überholen und fragen nach dem Wohin. Sie wandern am Fluss entlang in der Sehnsucht nach dem großen, weiten Meer, oder gegenläufig in der Sehnsucht nach ihrem Zuhause, nach der Quelle, dem Ursprung, nach dem verlorenen Paradies. Menschen, die sich verlaufen haben, suchen und finden Orientierung am Fluss, andere lassen sich zwischenzeitlich an seinem Ufer nieder, finden hier ihren Lebensquell und Lebensmittelpunkt; Reisende, auch Flüchtende zieht es weiter mit oder gegen die Strömung, den Fluss als vertrauten, stillen und treuen Begleiter an ihrer Seite.

 

Wenn du dich verlaufen hast, folge dem Wasser und suche den Fluss. Wenn du dein Paradies verlassen musst, suche den Fluss. Nimm unterwegs mit dir alle Durstigen, alle, die an trockenen, zerstörten Orten sitzen und weinen. Am Fluss angekommen, trefft ihr auf die Botschaft des Lebensstromes aus Eden. Die Botschaft verströmt sich in euch. Die Botschaft: Die Lebenskraft Gottes wird euch still und friedlich begleiten. So wie sie euch seit dem Tag eurer Taufe mit lebensverheißendem Wasser begleitet hat. Stell dir dort am Wasser vor, wie auch Gottes Sohn zu seiner Taufe einst in den Strom eines Flusses untertauchte. Entdecke mit ihm, dort am Strom, wie die Sehnsucht nach dem Paradies, nach dem Leben wieder in dir wach wird. Nach dem Leben, wie es einst von Gott gedacht war und immer noch und immer wieder möglich ist.

 

Lass dich von den erfrischenden Worten seines Sohnes mitnehmen:

»Wenn jemand Durst hat, soll er zu mir kommen und trinken –  jeder, der an mich glaubt.

Ströme von lebendigem Wasserwerden aus seinem Inneren fließen.«

 

Im Vertrauen auf ihn können wir andere mit dem Fluss des Lebens in Kontakt bringen. Lass dich von Gottes Sohn mitnehmen auf seinen Weg, den Fluss an deiner Seite. Jesu Worte, sein Handeln, sein Weg weisen uns den Weg der vier Paradiesflüsse zum Meer. Den Weg zu einem Leben, wie Gott es für uns Menschen von Anfang an gemeint hat. Ein Weg, auf dem wir unterwegs sind. Mit vielen anderen. Mit einigen trockenen Passagen. Aber den Fluss in der Nähe. Ein Weg zu Gott, ein Weg zum Leben, das uns versprochen ist. Folge dem Wasser, suche den Fluss.

 

Lied: 395, 1-3 Vertraut den neuen Wegen

von Jan-Paul Götze

 

Gebet

Guter Gott,

auch jenseits von Eden sind wir nicht vom Fluss des Lebens abgeschnitten,

selbst wenn uns das manchmal so vorkommt.

Hilf uns, aufmerksam darauf zu werden,

wo du uns versorgst,

wo wir Leben finden,

wo wir selbst zur Quelle lebendigen Wassers werden können.

 

Sei bei denen, die das nicht spüren können,

weil ihnen der Blick verstellt ist,

weil ihr Leben von anderen erstickt wird,

weil Krankheit ihnen das Leben schwer macht,

oder weil ihr Leben zu Ende geht.

 

Öffne uns die Augen dafür,

dass du immer das Leben für uns willst

und dass uns zuletzt das Paradies blüht,

in dem Leben so ist,

wie Leben sein sollte.

 

So begleite uns Gott mit seinem Segen in die vor uns liegende Zeit.

Wo wir uns nicht mehr gegenseitig anschauen können,

möge er uns gnädig ansehen.

Wo uns die eigenen Worte im Hals stecken bleiben

oder wo sie ungehört verhallen,

möge er uns mit seinem Wort Mut machen und Trost schenken.

Wo wir auf Distanz bleiben, freiwillig oder unfreiwillig,

möge er uns nahekommen und uns in seinen Händen bergen.

Amen.

 

Orgelnachspiel

von Jan-Paul Götze