Evangelische Kirchengemeinden Katzenfurt und Daubhausen

Wir sind für dich da!

Gottesdienst für zuhause

20.03.2020

Orgelvorspiel

(nur in der Version zum Hören)           -->                

 

Begrüßung

Auch wenn wir uns nicht in der Kirche treffen, feiern wir Gottesdienst.

Und wir feiern ihn

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Psalm 84

Wohl den Menschen, die dich, Gott, für ihre Stärke halten

und von Herzen dir nachwandeln!

Wenn sie durchs dürre Tal ziehen, wird es ihnen zum Quellgrund,

und Frühregen hüllt es in Segen.

Sie gehen von einer Kraft zur andern

und schauen den wahren Gott in Zion.

Herr, Gott Zebaoth, höre mein Gebet;

vernimm es, Gott Jakobs!

Gott der Herr ist Sonne und Schild;

der Herr gibt Gnade und Ehre.

Er wird kein Gutes mangeln lassen den Frommen.

Herr Zebaoth, wohl dem Menschen,

der sich auf dich verlässt!

 

Predigt

Ich muss es jetzt doch einmal sagen, meine Lieben, ich finde Ausgangssperre gut! Am Freitag habe ich meinen gesamten Wochenendeinkauf innerhalb einer Stunde erledigt. Zugegeben, ich war früh unterwegs, morgens um halb neun. Aber immerhin, ich war in Herborn auf dem Wochenmarkt, beim Metzger und bei Rewe. Und ich habe alles bekommen, sogar Toilettenpapier.

Nun sind ja in der vergangenen Zeit reichlich Witze über das Konsumverhalten der Zeitgenossen gemacht worden. Und diese Witze gingen oft auf Kosten der gemeinen Haus-, Feld-, Wald- und Wiesenhamster. Und auch mir ist natürlich aufgefallen, an welchen Stellen die Regale leer waren, beim … und bei den Nudeln, genauer gesagt bei den Pasta. Ausgerechnet die Marke Barilla war ausverkauft, die Nummer eins in, ja genau, Italien! Solche Panikkäufe halte ich für absolut unangemessen, zumal sie Menschen belasten könnten, denen es nicht möglich ist, Montagmorgen um Sieben vor der Tür der Supermärkte zu stehen.

Doch am Freitagmorgen war der Einkauf sehr entspannt. So könnte es von mir aus immer sein. Und überhaupt ist mir aufgefallen, dass sich die meisten Leute an die Hinweise unserer Regierungen in Bund und Land halten. Zum Beispiel halten sie Abstand beim Warten in der Schlange. Nur eine Kundin ist mir bei Rewe an der Kasse doch ziemlich unziemlich nahegekommen. Die habe ich darauf hingewiesen, dass mir ein größerer Abstand doch recht lieb wäre. Sie hat sich für den Hinweis bedankt und erklärt, sie müsse sich erst an die neuen Regeln gewöhnen. So soll es sein! Überhaupt sind doch viele Mitmenschen bemüht, die neuen Abstandsregeln einzuhalten. Bei einem Bäcker mit Straßenverkauf in der Herborner Fußgängerzone warteten die Leute in einer Schlange tatsächlich zwei Meter voneinander entfernt. Und ein Eiscafé hatte gerade einmal zwei Tische mit je zwei Stühlen auf der Straße stehen, wo sonst fünf oder sechs Tische aufgestellt sind.

Bei anderen habe ich den Eindruck, sie beachten die Hinweise, die Ge- und Verbote nur sehr halbherzig, nach dem Motto: Man kann ja sowieso nichts machen. Fatalismus nennt man diese Lebenseinstellung. Sie treffen sich in den Parks und machen Picknick, umarmen und herzen sich und spielen Karten. So habe ich es im Fernsehen gesehen. Doch auch Fatalismus ist nicht angemessen, selbst wenn er in meiner alten, rheinischen Heimat immer schon hoch im Kurs stand: „Et kütt wie et kütt! Und et hat noch immer joot jejange!“ Solche Einstellung kann man sich erlauben, wenn man nur auf sich selbst blickt. Für mich allein kann ich das sagen: „Lass es kommen, wie es will!“ Aber es geht nicht nur um mich! Sonst nicht – und in der gegenwärtigen Situation schon gar nicht!

Nochmal anders gesagt: Fatalismus ist in unserer Lage eine Form von Egoismus, weil der Fatalist seine Mitmenschen aus den Augen verliert. Und auch Hamsterkäufe sind Ausdruck des Egoismus. Da ist es egal, ob ein Einzelner Nudeln hamstert, oder der amerikanische Präsident einen möglichen Impfstoff nur für sein Land. In diesem Fall handelt es sich um kollektiven Egoismus, der immer versucht, die Welt einzuteilen in „die da“ und „wir hier“. Diese Einteilung ist nicht nur unmoralisch, sie ist vor allem unsinnig. Das lehrt uns spätestens die Corana-Krise. Das Virus unterscheidet nämlich nicht zwischen uns und den anderen.

Wie wir in diesen Zeiten zurechtkommen, hängt davon ab, wie wir mit den Problemen umgehen. Halten wir uns an die Regeln? Verlieren wir die Schwachen nicht aus dem Blick? Verstehen wir uns jeweils als Teil des Ganzen? Oder sind wir uns selbst der Nabel der Welt und die anderen interessieren uns nicht? Wären wir früher vor eine solche Entscheidung gestellt worden, hätten wir uns gegenseitig gefragt: “Wes Geistes Kind bist du?“ Für junge Menschen ist das ein schwieriges Deutsch, kaum noch verständlich. Leider bin ich in der Jugendsprache nicht fit. Ich kann die Frage nicht für Jugendliche übersetzen. Der Trödelhändler Waldi von „Bares für Rares“ würde wohl fragen: „Wie bist du denn drauf???“ Mir gefällt allerdings die etwas altbackene Formulierung besser: „Wes Geistes Kind bist du?“ Auf diese Frage habe ich nämlich eine Antwort. Und die kommt vom Apostel Paulus aus dem Neuen Testament. Ich weiß, dass sich im Augenblick viele über diese Bibelstelle Gedanken machen, aber sie passt auch so gut in die Zeit. Da muss man als Pfarrer nicht unbedingt originell sein. Im 2. Brief an Timotheus schreibt Paulus nämlich in Kapitel 2 Vers 7:

Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.

Das macht mich zuversichtlich, denn ich bin davon überzeugt, dass wir die vor uns liegenden Aufgaben bewältigen können, wenn wir uns von diesem Geist leiten lassen. Mit Kraft und Liebe und Besonnenheit werden wir die Krise bestehen. Und in der Tat ist Furcht kein guter Ratgeber. Sie macht kurzsichtig, egoistisch, zögerlich. Oder sie lässt uns in Fatalismus verfallen. Hingegen können wir mit Kraft und Liebe und Besonnenheit das Nötige tun, um der Krise zu begegnen. Zum Beispiel könnten wir wieder alte Gewohnheiten reaktivieren, die aus der Mode gekommen sind. Ich denke hier an das klassische Schwätzchen über den Gartenzaun. Wenn hier jeder nur einen Schritt zurücktritt, bleibt der nötige Abstand gewahrt.

Das wird nicht verhindern, dass Menschen in dieser Zeit leiden, dass sie krank werden, dass sie sterben, womöglich am Corona-Virus. Und wenn auch nicht einfach alles wieder gut werden wird, sollten wir nicht vergessen, dass wir unter der Zusage Gottes leben, die er uns durch den Propheten Jesaja ausrichten lässt. Im Buch des Propheten Jesaja sagt Gott in Kapitel 66 Vers 13:

Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.

Das macht doch Mut, mit Kraft und Liebe und Besonnenheit die nächsten Schritte anzugehen!

 

Gebet

Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott,

sei mit uns in allem Leiden.

Voll Wärme und Licht im Angesicht,

sei nahe in schweren Zeiten.

 

Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott,

sei mit uns durch deinen Segen.

Dein Heiliger Geist, der Leben verheißt,

sei um uns auf unsern Wegen.

(EG 171)