Evangelische Kirchengemeinden Katzenfurt und Daubhausen

Wir sind für dich da!

Gottesdienst als Video und zum Nach-Lesen

22.11.2020 Ewigkeitssonntag



Von der Ewigkeit umfangen


Hier finden Sie das Video des Gottesdienstes in der Kirche als Gottesdienst zum Nach-Hören und Nach-Lesen. Beide Versionen können Sie herunterladen, als Audio-Datei oder als Text-Datei. Sie können den Gottesdienst auch ausdrucken und weitergeben. Vielleicht gibt es jemanden in Ihrer Nachbarschaft, die oder der gerne diesen Gottesdienst aus der eigenen Gemeinde lesen würde, aber keinen Zugang zum Internet hat. Geben Sie den "Gottesdienst zum Nachlesen" an andere weiter.


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Gottesdienst zum Nachlesen 22.11.2020.pdf (248.29KB)
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Ewigkeitssonntag 2020

Von der Ewigkeit umfangen

Orgelvorspiel

Begrüßung

Ungewöhnlicher Gottesdienst, besonders für den Ewigkeitssonntag.

Wegen der wenigen Plätz in der Kirche,

sind die Angehörigen der Verstorbenen nicht extra eingeladen worden.

Sie haben einen Gruß erhalten.

Es singt auch kein Chor.

Das Video von dem Gottesdienst wird auf der Homepage zu sehen sein: www.kirchenhaus.net

Masken + Abstand

Das Textblatt ist nur zum Mitlesen gedacht, nicht zum Mitsingen.

Sie dürfen es mitnehmen. Auf der Rückseite finden Sie die geplanten Gottesdienste.

Votum

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe kommt von dem Herrn,

der Himmel und Erde gemacht hat.

Psalm 90

Herr, du bist unsre Zuflucht für und für.

Ehe denn die Berge wurden und die Erde und die Welt geschaffen wurden,

bist du, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Der du die Menschen lässest sterben

und sprichst: Kommt wieder, Menschenkinder!

Denn tausend Jahre sind vor dir wie der Tag,

der gestern vergangen ist, und wie eine Nachtwache.

Du lässest sie dahinfahren wie einen Strom,

sie sind wie ein Schlaf, wie ein Gras, das am Morgen noch sprosst,

das am Morgen blüht und sprosst und des Abends welkt und verdorrt.

Das macht dein Zorn, dass wir so vergehen,

und dein Grimm, dass wir so plötzlich dahinmüssen.

Darum fahren alle unsre Tage dahin durch deinen Zorn,

wir bringen unsre Jahre zu wie ein Geschwätz.

Unser Leben währet siebzig Jahre,

und wenn's hoch kommt, so sind's achtzig Jahre,

und was daran köstlich scheint, ist doch nur vergebliche Mühe;

denn es fähret schnell dahin, als flögen wir davon.

Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen,

auf dass wir klug werden.

Amen.

Eingangsgebet

Herr, unser Gott, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen,

auf dass wir klug werden!

Du hast uns Lebenszeit gegeben.

Lass uns menschlich mit ihr umgehen:

dass wir uns Zeit nehmen für die Sorgen unserer Mitmenschen,

für ein Wort der Liebe, für eine hilfreiche Tat;

dass wir uns Zeit nehmen, zuzuhören,

nachzudenken und da zu sein, wo es nötig ist.

Bewahre uns davor,

dass wir unsere Zeit nur für uns selbst verbrauchen, sie anderen stehlen

oder unsere Tage zubringen wie ein Geschwätz.

Ewiger Gott, Du nimmst Dir Zeit für uns.

Mach uns bereit, dass wir uns nun auch Zeit nehmen für dich.

Amen.

Glaubensbekenntnis

Ich glaube an Gott,

den Vater, den Allmächtigen,

den Schöpfer des Himmels und der Erde.

Und an Jesus Christus,

seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,

empfangen durch den Heiligen Geist,

geboren von der Jungfrau Maria,

gelitten unter Pontius Pilatus,

gekreuzigt, gestorben und begraben,

hinabgestiegen in das Reich des Todes,

am dritten Tage auferstanden von den Toten,

aufgefahren in den Himmel;

er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;

von dort wird er kommen,

zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist,

die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen,

Vergebung der Sünden,

Auferstehung der Toten und das ewige Leben.

Amen.

Lied 147, 1-3: Wachet auf, ruft uns die Stimme

Predigt 1 Thess 4

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.

Ewigkeitssonntag, Totensonntag, Gedenktag der Entschlafenen. Es ist der Tag im Kirchenjahr, an dem wir die Frage nach den letzten Dingen stellen. Dieser Tag gibt uns Raum, Angst, Schmerz und Trauer zuzulassen, die Besitz von uns ergreifen, wenn wir dem Tod begegnen – und sie vor Gott zu stellen. Es geht um Grenzerfahrungen, die niemandem erspart bleiben.

In diesem Jahr waren diese Erfahrungen allerdings besonders bedrückend. Es ist ja nie einfach, das Leben loszulassen. Und es fällt immer schwer, einen Menschen gehen zu lassen. Doch in diesem Jahr mussten viele Menschen diesen letzten Weg alleine gehen, einsam, ohne die Begleitung vertrauter Menschen, in Altenheimen und Krankenhäusern, in denen Besuche nicht möglich waren. Und die Angehörigen konnten keinen gebührenden Abschied nehmen, konnten auch nicht begleitet werden, standen in kleiner Gesellschaft oder etwas später in kleinen Gruppen auf zugigen Friedhöfen, auf denen Gottes Wort wohl weitergesagt wurde, doch der Trost und der Mut, den es zuspricht, allzu schnell verhallten. Und selbst der Gottesdienst heute bietet keine Gelegenheit, die tröstliche Nähe einer mitfühlenden Gemeinschaft zu vermitteln. Wir sind darauf angewiesen, dass Gottes Geist das Seine dazu beiträgt, dass das geschriebene Wort und das Bild im Internet ein wenig von diesem Mangel auffangen.

Wir stellen also die Frage nach den letzten Dingen des Lebens, die Frage nach dem Sterben und dem Tod. Sie werden sich nun sicherlich wundern, meine Lieben, wenn ich Ihnen sage, dass die allerersten Christinnen und Christen sich diese Frage nicht gestellt haben. Und das liegt daran, dass die fest darauf vertraut haben, dass der auferstandene Herr Jesus aus dem Himmel zurückkehrt und seine Herrschaft aufrichtet, noch bevor sie selbst sterben müssen. Mit anderen Worten: Die ersten Christinnen und Christen haben geglaubt, dass das ewige Leben schon zu ihren Lebzeiten anfängt. So etwas Ähnliches hatte Jesus ja wohl auch gesagt. Der Evangelist Johannes zitiert ihn so: Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen. (Joh 5, 24)

Nun können Sie sich vielleicht vorstellen, meine Lieben, wie groß der Schock der Christinnen und Christen in Korinth war, als die ersten Schwestern und Brüder starben, ohne dass der Herr Jeus zurückgekehrt war. Waren die Verstorbenen nun vielleicht für alle Zeit verloren? Und was würde ihnen selbst drohen, wenn auch sie sterben müssten, bevor das Ewige Leben angefangen hat? Auch sie stellten sich auf einmal die Frage nach den letzten Dingen. Und sie stellten diese Frage dem Apostel Paulus. Und der antwortet ihnen im 1. Korintherbrief in Kapitel 15:

Wir werden nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden. Das geschieht ganz plötzlich, in einem Augenblick, beim letzten Trompetenstoß: Die Trompete wird erschallen – da werden die Toten zu unvergänglichem Leben erweckt. Und gleichzeitig werden wir verwandelt. Wenn das geschieht, geht das Wort in Erfüllung, das in der Heiligen Schrift steht: »Der Tod ist vernichtet! Der Sieg ist vollkommen! Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel?«

Mit anderen Worten sagt Paulus: Wann der Herr Jesus wiederkommen wird, wissen wir nicht. Es mag sein, dass dann einige schon gestorben sein werden. Es mag auch sein, dass noch einige leben. Aber wie dem auch sei, allen wird das Ewige Leben geschenkt. Und diejenigen, die bereits entschlafen sind, werden auferweckt werden. Und das alles passiert ganz plötzlich. Über diese Gewissheit bricht Paulus dann in Jubel aus: Der Tod ist vernichtet! Der Sieg ist vollkommen! Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel?

Für Paulus bedeuten Tod und Ewiges Leben, dass wir einschlafen und dann aufgeweckt werden. Diese Vorstellung greift Martin Luther auf und bekräftigt sie, indem er schreibt: „Sobald die Augen sich schließen, wirst du auferweckt werden. Tausend Jahre werden sein gleich als du ein halbes Stündlein geschlafen hast. Gleich wie wir nachts nicht wissen, wie lange wir geschlafen haben, so sind noch vielmehr im Tod tausend Jahre schnell weg. Ehe sich einer umsieht, ist er schon ein schöner Engel. Martin Luther erklärt hier die schwer zu verstehende Frage nach Zeit und Ewigkeit mit einem anschaulichen Bild. Wir verstehen die Zeit ja in der Regel linear – und stellen sie gerne als Zeitstrahl dar. Nach dieser Vorstellung kommt ein Ereignis nach dem anderen. Und wenn wir dann ans Ende des Zeitstrahls gelang sein werden, fängt die Ewigkeit an. Ich denke, die Bibel und auch Luther sagen etwas anderes: Wir leben in der Zeit – und die vergeht in der Tat linear, eines kommt nach dem anderen, aber die Ewigkeit beginnt nicht nach der Zeit. Die Zeit ist immer schon von der Ewigkeit umfangen. Die Ewigkeit ist Gottes Wirklichkeit, die uns auffängt, sobald wir aus der Zeit fallen.

Das ist wie Einschlafen und Aufwachen. Im Grunde ist der Übergang vom irdischen ins ewige Leben so etwas wie ein Sekundenschlaf. Für einen Moment verschwimmt die Kategorie der Zeit. Wenn die Toten am Jüngsten Tag von Christus auferweckt werden, dann wissen sie nicht, wie lange sie geschlafen haben. Ich finde, das ist eine schöne Vorstellung – und eine tröstliche. Wenn das Leben zu Ende geht und wir aus der Zeit fallen, sind wir schon umfangen vom Ewigen Leben, in dem alles, was uns bis dahin beschwert hat, ein Ende hat.

Dennoch nimmt diese Vorstellung nichts von der Härte des Sterbens. Es fällt uns manchmal ja auch schon schwer, nachts Schlaf zu finden, wenn uns Schmerzen, Ängste oder Sorgen wachhalten. Nicht anders, und manchmal noch viel schlimmer, ist es, sich in die Ewigkeit fallen zu lassen. Wir alle wissen, wie quälend es sein kann, wenn das Sterben von Krankheit und Schmerzen begleitet ist, wenn Sorgen um die Familie eine Sterbende nicht loslassen, wenn ein Sterbender Angst hat vor  dem, was auf ihn zukommt.

Einer der für mich anrührendsten Fernsehberichte in dieser Corona-Zeit zeigte eine Krankenschwester, die berichtet, wie schwer es ihr fällt, einem Patienten das Telefon zu geben, damit er seine Angehörigen anrufen kann, bevor er intubiert wird. Er wird ja in einen künstlichen Schlaf versetzt, damit man ihn beatmen kann. Das ist ja mit der nicht ganz unberechtigten Hoffnung verbunden, dass man ihn aus diesem künstlichen Koma zurückholt, wenn er wieder selbst atmen kann. Und auch dieses Erlebnis ist schon bedrückend. Um wieviel mehr der Abschied aus diesem Leben in dieser Zeit.

Denn auch wenn wir die Verstorbenen gut aufgehoben wissen, wenn wir darauf vertrauen können, dass die Entschlafenen bereits auferweckt sind, bleiben die Hinterbliebenen doch allein zurück. Und wir können ihnen den Schmerz nicht nehmen. Wir können höchsten tragen helfen. Und das sollten wir uns nicht ersparen.

Trotzdem glaube ich, dass es tröstet, wenn wir darauf vertrauen können, dass die Verstorbenen nicht aus der Welt, sondern nur aus der Zeit gefallen sind. Sie sind unserer Wirklichkeit entschlafen, aber schon auferweckt ins Ewige Leben, in Gottes Wirklichkeit, wo wir ihnen wieder begegnen werden.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus, unserem Herrn. Amen.

Lied 526, 1-3.6.7: Jesus, meine Zuversicht

Fürbitten

Wenn etwas zu Ende geht, werden wir gewahr,

wie wir eingebunden sind ins Werden und Vergehen,

ins Kommen und Gehen.

Du hältst uns, barmherziger Gott.

So können wir loslassen, was zu Ende geht.

Du lässt uns hoffen auf einen neuen Himmel und eine neue Erde.

So können wir Abschied nehmen von dem,

was einmal Himmel für uns war und Erde.

Du kommst uns entgegen, lädst uns ein, sorgst für uns.

Dafür danken wir dir.

Wir legen Dir ans Herz alle die, die um einen Menschen trauern.

Wir entzünden ein Osterlicht für alle Verstorbenen. (Pause)

Wir beten für die Mitglieder unserer Gemeinden,

die im vergangenen Jahr verstorben sind.

In deine Hand sind ihre Namen geschrieben.

Hier wurden die Namen der Verstorbenen verlesen.

Lied 99: Christ ist erstanden

Wenn das Leben zu Ende gegangen ist,

sehen wir alles, was nicht geglückt und nicht gewollt war,

alles, was wir einander angetan haben.

Dir wollen wir es klagen.

Vergib uns und hilf uns zu vergeben.

Wenn das Leben zu Ende gegangen ist,

sehen wir alles, was bleibt und gelungen ist,

das Glück und die Gemeinschaft.

Vor dir wollen wir uns in der Stille erinnern,

vor dir können wir dankbar werden.

Stille

Gott wir bitten dich, nimm die Verstorbenen auf in dein Reich.

Die um sie trauern, lass zur Ruhe kommen in dir

und heile ihre verwundeten Herzen.

Zeige uns das Bild vom neuen Himmel und der neuen Erde,

damit wir Leben entdecken schon vor dem Tod.

Vaterunser

Vater unser im Himmel.

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Segen

So begleite uns Gott mit seinem Segen in die vor uns liegende Zeit.

Wo wir uns nicht mehr gegenseitig anschauen können,

möge er uns gnädig ansehen.

Wo uns die eigenen Worte im Hals stecken bleiben

oder wo sie ungehört verhallen,

möge er uns mit seinem Wort Mut machen und Trost schenken.

Wo wir auf Distanz bleiben, freiwillig oder unfreiwillig,

möge er uns nahekommen und uns in seinen Händen bergen.