Evangelische Kirchengemeinden Katzenfurt und Daubhausen

Wir sind für dich da!

Gottesdienst für zuhause

26. April 2020

Was ist eigentlich normal?

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Gottesdienst für zuhause am 26. April 2020

Was ist eigentlich normal?

 

Orgelvorspiel

von Jan-Paul Götze

 

Begrüßung

Ungeduldig sehnen wir uns nach einem Stück Normalität in unserem Leben, sehnen uns auch nach normalen Gottesdiensten, und hören doch vereinzelt auf Gottes Wort. Trotzdem feiern wir sogar jetzt in der Gemeinschaft aller Christinnen und Christen zu allen Zeiten und an allen Orten, denn wir feiern auch diesen Gottesdienst für zuhause:

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Psalm 37

Lass den HERRN deinen Weg bestimmen!

Vertraue auf ihn! Und er wird es richtig machen.

Er bringt deine Gerechtigkeit zum Leuchten

und deine Rechtschaffenheit zum Glänzen

wie die helle Mittagssonne.

Warte ruhig, was der HERR tut!

Sei gespannt, was er unternimmt!

Reg dich nicht auf, wenn jemand Erfolg hat,

auch wenn er List und Tücke gebraucht.

Der HERR achtet auf die Schritte eines Menschen.

Und wenn er stolpert, stürzt er trotzdem nicht.

Denn der HERR hält ihn fest an der Hand.

Hoffe auf den HERRN und bleib auf seinem Weg!

Sei ein Vorbild und verhalte dich aufrichtig!

Denn wer so handelt, geht dem Frieden entgegen.

Der HERR hilft denen, die seine Gebote achten.

Geraten sie in Not, finden sie bei ihm Schutz.

Ja, der HERR kommt ihnen zu Hilfe und rettet sie.

 

Lied. Vertraut den neuen Wegen

von Jan-Paul Götze

 

Predigt (von Pfr. Ulrich Ries)

Ein Kölner kommt in den Himmel und bittet um Einlass. An der Himmelstür steht Petrus und fragt, welcher Religion er denn angehört. „Wie, welche Relijon?“, fragt der Kölner: „Normal!“ Tja, meine Lieben, wenn es doch immer so einfach wäre. Für den Kölner ist natürlich katholisch normal. Aber was heißt schon normal? Diese Frage beschäftigt uns alle seit einigen Wochen doch sehr. Allein, die Antwort ist schwierig. Einig sind wir uns darin, dass unser Leben alles andere als normal verläuft, seit die Corona-Pandemie auch bei uns angekommen ist. Quarantäne, Kontaktverbot, Shutdown, Lockdown, keine Schule, geschlossene Läden, keine Präsenzgottesdienste – so nennt man jetzt Gottesdienste mit Gemeinde in der Kirche – Homeschooling, Homeoffice, Maskenpflicht – davon war unser Alltag bestimmt und er ist es großenteils immer noch. Dass so etwas nicht normal ist, darüber sind wir uns alle einig. Aber ich fürchte, da hört die Einigkeit auch schon wieder auf. Denn immer mehr Vertreter von Wirtschaftsverbänden und Politik fordern eine schrittweise Rückkehr zur Normalität. Dazu gehören auch Verantwortliche in den Kirchen. Ihr Argument ist meist: „Wenn Geschäfte wieder öffnen dürfen, dann muss das auch den Kirchen erlaubt sein.“ Ich ganz persönlich bin da eher zurückhaltend. Das heißt, erlaubt sein sollte Gottesdienst schon, schließlich ist er ein Grundrecht, aber ob wir zum Gottesdienst in die Kirche einladen, ist eine zweite Frage. Ich finde wir tragen an dieser Stelle eine große Verantwortung. Stellen Sie sich mal vor, unsere Kirche ist der Hotspot der nächsten Infektionswelle. Nicht auszudenken!

Rückkehr zur Normalität also, darum wird es in der nächsten Zukunft gehen müssen. Darum noch einmal die Frage: „Was heißt normal?“ Was bisher als normal galt, das wissen wir: Größtmögliche Bewegungsfreiheit, Familienfeiern, Freunde treffen, Konzerte und Theater besuchen, Ferienreisen, natürlich auch Gottesdienst feiern, Frauenhilfe, Jugendtreffs und vieles mehr. All das wird es auch in irgendeiner Form wieder geben, spätestens wenn es eine Impfung gegen Corona geben wird und, beziehungsweise oder medizinische Behandlungsmöglichkeiten. Bis dahin werden wir wohl noch mit Einschränkungen leben müssen, die aber natürlich immer wieder neu, und zwar in überschaubaren Abständen, daraufhin überprüft werden müssen, ob sie mit unserem Grundgesetz vereinbar sind.

Und dennoch müssen wir uns die Frage stellen: „Was wird in Zeiten nach der akuten Pandemie normal sein?“ Einige sprechen ja schon von einer neuen Normalität. So hat der Microsoft-Gründer Bille Gates darauf hingewiesen, dass es in Zukunft wesentlich weniger Geschäftsreisen geben wird. Und in der Tat denke ich, dass unser Reiseverhalten zu der schnellen Ausbreitung von Seuchen beiträgt. Ich frage mich auch, ob ich womöglich auf einem Kreuzfahrtschiff in Quarantäne festsitzen möchte. Und nur ein weiteres kleines Beispiel: Noch vor wenigen Monaten wurde ich dafür belächelt, dass ich bei Treffen von größeren Gruppen zur Begrüßung nur ungern die Hände schüttele. Das ist heute normal – und ich hoffe, so wird es bleiben. Also, was wird in Zukunft normal sein?

Wir werden umdenken müssen. Wir werden nicht darum herumkommen, unseren Alltag an veränderte Lebensbedingungen anzupassen, also unser Leben zu ändern. Dazu werden wir schon von Jesus ermutigt. Das Neue Testament kennt dafür einen Spezialbegriff: Buße. So fasst der Evangelist Markus die Botschaft Jesu am Anfang seines Evangeliums zusammen, als Jesus die Menschen anspricht und sagt:Das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium!“ (Mk. 1, 15) Tut Buße, was meint das? Das Wort, das da im griechischen Originaltext steht, heißt in seiner Grundbedeutung so viel wie „seinen Sinn ändern“. Ich will Sie aber nun nicht groß mit theologischen Übersetzungsfragen langweilen, meine Lieben. Darum hier die Übersetzung, die ich für die Beste halte. Sie stammt aus der neuen Basisbibel:  

»Die von Gott bestimmte Zeit ist da. Sein Reich wird sichtbar in der Welt.

Ändert euer Leben und glaubt dieser Guten Nachricht.«

Gottes Reich wird in der Welt sichtbar mit Jesus, da, wo er anwesend ist. Und Gottes Reich wird erfahrbar, wo Gerechtigkeit und Frieden aufleuchten, und wo seine Schöpfung bewahrt wird. „Ändert euer Leben“ heißt dann, dass wir uns so verhalten sollen, dass es Gottes Reich entspricht. Wir sollen so leben, dass allen Mitgeschöpfen Gerechtigkeit widerfährt, dass der Friede nicht in Gefahr gerät, und dass das Leben bewahrt wird. Dass wir bislang nicht wirklich so gelebt haben, muss ich nicht groß begründen. Darum müssen wir unser Leben ändern, wenn wir das Leben auf diesem Planeten bewahren wollen, auch unser eigenes.

Sein Leben ändern, das ist gar nicht so einfach. Das ist ein Prozess. Das beinhaltet mehrere Schritte. Sein Leben ändern, das fängt damit an, dass man mal stoppt, Pause macht, innehält, bevor es weitergeht – oder wie wir zurzeit gerade sagen: „Shutdown“. Dann guckt man mal genau hin, was ist, wie das Leben aussieht, das man gerade führt. Als nächstes überlegt man, wie das Leben denn sein soll und wie man dort hinkommt. Und schließlich unternimmt man die nötigen Schritte und macht sich auf den Weg, den neuen Weg.

Alles beginnt also mit einer Unterbrechung. Die ist hilfreich, damit wir einmal Bilanz ziehen können. Wie haben wir bisher gelebt? Was hat das für Folgen gehabt? Für mich persönlich kann ich da feststellen, dass ich eigentlich ganz gut gelebt habe. Ich muss aber auch zugeben, dass meine Lebensweise dazu beiträgt, dass meine Kinder und Enkel es vermutlich schwerer haben werden, weil auch mein Lebensstil dazu beiträgt, dass sich das Klima wandelt, dass Tier- und Pflanzenarten aussterben, dass Umweltkatastrophen zunehmen. Dann muss ich aber bei näherer Betrachtung auch feststellen, dass ich kaum noch dazu komme, darüber nachzudenken, was wirklich wichtig ist. Der Soziologe Hartmut Rosa weist darauf hin, dass wir immer mehr von dem bestimmt werden, was dringlich ist. Ständig werden uns ganz dringende Aufgaben gestellt, die wir innerhalb kürzester Zeit erledigen müssen. Wir müssen Konzepte vorlegen, effizienter arbeiten, die Leistung steigern, immer mehr Termine in immer kürzerer Zeit wahrnehmen. All das bekommt eine immer höhere Dringlichkeit. Was wirklich wichtig wäre, gerät zunehmend aus dem Blick, und zwar so lange, bis wir es nicht mehr wichtig nehmen. Das Dringliche verdrängt immer mehr das wirklich Wichtige. Wollen wir so weitermachen?

»Ändert euer Leben.« sagt Jesus. Und dabei können wir darauf vertrauen, dass Gottes Reich da aufleuchtet, wo wir uns darum bemühen, dem wirklich Wichtigen Raum zu geben: dem Frieden, der Gerechtigkeit, der Bewahrung der Schöpfung. Im Moment wäre eine gute Gelegenheit, das Leben zu verändern. Wir hätten Zeit genug zu überlegen, was denn in Zukunft normal sein soll.

Dass wir unser Leben ändern können, stellen wir gerade unter Beweis. Das fällt uns schwer, auch das ist klar, aber wir tun es, um Leben zu schützen, das eigene und das unserer Mitmenschen. Und das ist ja nun wirklich wichtig. Und jetzt sollten wir darüber nachdenken, was auch in Zukunft so wichtig sein wird, dass es wieder als normal gelten kann. Dazu gehört meines Erachtens nicht die Fußball-Bundesliga, jedenfalls nicht so, wie sie bisher funktioniert hat. Deshalb bin ich strikt gegen Geisterspiele unter der Voraussetzung, dass die Spieler in kurzen Abständen auf Corona getestet werden. Diese Testkapazitäten brauchen wir für andere Berufsgruppen, die wirklich wichtig sind für unser Leben, für Ärzte, Schwestern und Pfleger, für Menschen, die in Altenheimen arbeiten, oder auch für Lehrerinnen und Lehrer und für Erzieherinnen und Erzieher. Wirklich wichtig finde ich auch die Kultur. Ein Leben ohne Theater- oder Konzertbesuche, ohne Besuche in Museen, Zoos oder Ausstellungen wäre arm. Wahrscheinlich muss all das nicht sofort wieder losgehen, aber die Künstlerinnen und Künstler brauchen eine Unterstützung, damit sie überleben können, bis es wieder anfängt.

Und so gibt es viele Lebensbereiche, die wichtig genug sind, auch nach der Krise wieder als normal zu gelten. Dazu gehören selbstverständlich auch unsere Gottesdienste. Wir sollten zu ihnen aber erst wieder in die Kirche einladen, wenn es keine Gefahr mehr darstellt, sie gemeinsam zu feiern. Bis dahin gebe uns Gott einen langen Atem – und die Einsicht, was in unserem Leben so wichtig ist, dass es Teil einer neuen Normalität werden kann.

 

Liedruf: Kehret um und ihr werdet leben.

von Jan-Paul Götze

 

Gebet

Menschenfreundlicher Gott,

wenn wir auf unser Leben blicken, stellen wir fest,

dass es in vielen Lebensbereichen nicht so ist,

wie es sein sollte.

Wir können so nicht weitermachen.

Hilf uns, unser Leben zu verändern.

 

Liedruf: Kehret um und ihr werdet leben.

 

Menschenfreundlicher Gott,

wir bringen dir, was uns zu dieser Zeit belastet,

die Angst vor Ansteckung und Krankheit,

die Sorge um unsere Liebsten und um unsere Zukunft.

Gelähmt starren wir auf das,

was uns verlorenzugehen droht.

Noch nie haben wir uns derart nach Normalität gesehnt.

Doch ahnen wir, dass es nicht normal weitergehen kann.

Mach uns Mut, neue Wege zu gehen.

 

Liedruf: Kehret um und ihr werden leben.

 

Menschenfreundlicher Gott,

wir danken dir für alle Menschen,

die in diesen Zeiten unter ganz besonderen Belastungen Sorge tragen für das Leben.

Für die Menschen in den Arztpraxen und Krankenhäusern,

in den Alten- und Pflegeheimen,

für diejenigen, die Hilfebedürftige zuhause betreuen.

Wir denken auch an die Menschen,

die uns mit dem Lebensnotwendigen versorgen,

die Verkäuferinnen, die Bäcker und Metzger und alle anderen,

die wir sonst so wenig beachten.

Wir legen sie dir ans Herz.

 

Liedruf: Kehret um und ihr werdet leben.

 

Menschenfreundlicher Gott,

sei den Menschen nahe, denen wir nicht nahekommen können,

den Bewohnern der Alten- und Pflegeheime,

den Patienten in den Krankenhäusern,

den Sterbenden und den Trauernden.

Lass auch die Kinder deine Nähe spüren,

die ihre Freundinnen und Freunde vermissen.

Gib all denen Stärke, deren Alltag besonders belastet ist.

Hilf uns allen, neue Wege des Miteinanders zu finden.

 

Liedruf: Kehret um und ihr werdet leben.

 

So begleite uns Gott mit seinem Segen in die vor uns liegende Zeit.

Wo wir uns nicht mehr gegenseitig anschauen können,

möge er uns gnädig ansehen.

Wo uns die eigenen Worte im Hals stecken bleiben

oder wo sie ungehört verhallen,

möge er uns mit seinem Wort Mut machen und Trost schenken.

Wo wir auf Distanz bleiben, freiwillig oder unfreiwillig,

möge er uns nahekommen und uns in seinen Händen bergen.

Amen.

 

Kollekten in Zeiten von Corona

Da wir ja zurzeit keine Kollekte im Gottesdienst erbitten können, wollen wir Ihnen einen anderen Weg möglich machen, den Kollektenzweck des jeweiligen Sonntags zu unterstützen. Die Evangelische Kirche im Rheinland teilt dazu mit:

Kollekte online geht zu jeder Zeit

Die Kollekte ist Ausdruck tätiger Liebe und solidarischer Hilfe und geht auch in Zeiten der Corona-Pandemie: online über über das Spendenportal der KD-Bank. Bezahlt wird per Paypal oder Kreditkarte. Ein kurzer Text erläutert, für welchen Zweck die Kollekte jeweils bestimmt ist.

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