Evangelische Kirchengemeinden Katzenfurt und Daubhausen

Wir sind für dich da!

Gottesdienst zum Nach-Lesen und Nach-Hören

28. Juni 2020

Du hast mich freundlich angesehen.



Hier finden Sie die Aufnahme des Gottesdienstes in der Kirche als Gottesdienst zum Nach-Hören und Nach-Lesen. Beide Versionen können Sie herunterladen, als Audio-Datei oder als Text-Datei. Sie können den Gottesdienst auch ausdrucken und weitergeben. Vielleicht gibt es jemanden in Ihrer Nachbarschaft, die oder der gerne diesen Gottesdienst aus der eigenen Gemeinde lesen würde, aber keinen Zugang zum Internet hat. Geben Sie den "Gottesdienst zum Nachlesen" an andere weiter.








Gottesdienst zum Nach-Lesen










Gottesdienst zum Nach-Hören









 

 

 

Gottesdienst vom 28. Juni 2020
Du hast mich freundlich angesehen.
Orgelvorspiel
von Jan-Paul Götze

 

Begrüßung

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes Amen.

 Unsere Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Psalm 100

 

Jauchzet dem HERRN, alle Welt!
Dienet dem HERRN mit Freuden,
Kommt vor sein Angesicht mit Frohlocken!
Erkennet, dass der Herr Gott ist!
Er hat uns gemacht und nicht wir selbst
zu seinem Volk und zu Schafen seiner Weide.
Geht zu seinen Toren ein mit Danken,
zu seinen Vorhöfen mit Loben,
danket ihm, lobet seinen Namen.
Denn der HERR ist freundlich und seine Gnade währet ewig,
und seine Wahrheit für und für.

 

Lied: EG 166 Tut mir auf die schöne Pforte
von Jan-Paul Götze

 

 Predigt (von Pfr. Ulrich Ries)

 

Ich möchte Sie heute mitnehmen auf eine Reise, eine Reise zurück in die Zeit, eine Reise in eine uns fremde, lebensfeindliche Welt. Wir sehen vor uns eine Szene wie aus einem monumentalen Historienfilm der 50er Jahre. Wir befinden uns mitten in der Wüste und erleben das Treffen zweier Nomaden-Clans. Die Atmosphäre knistert bedenklich, denn hier treffen die Sippen zweier rivalisierender Brüder aufeinander. Die beiden haben sich seit ewigen Zeiten nicht gesehen. Beide waren in der Vergangenheit sehr erfolgreich. Entsprechend groß sind die jeweiligen Anhängerschaften der beiden. Sie ziehen mit ihren kompletten Familien, Knechten, Sklaven und Herden auf einander zu. Von dem einen Tross wissen wir, dass es sich um 400 Menschen handelt. Die genaue Zahl des anderen Clans kennen wir nicht. Sie wird nicht viel geringer sein. Dem einen der beiden Brüder, dem jüngeren, ist es nicht wohl bei dieser Begegnung, denn vor langen Jahren hat er seinen Bruder betrogen und ist dann geflohen. Er weiß nicht, wie nachtragend der andere womöglich ist. Darum hat er schon ein paarmal Geschenke vorausgeschickt. Jetzt ist das Zusammentreffen unausweichlich. Doch er wird angenehm überrascht. Der ältere Bruder, Esau heißt er, ist nicht nachtragend. Er sinnt nicht auf Rache an seinem jüngeren Bruder, dem Schlitzohr. Jakob ist sein Name. Und dann fällt ein Satz, den ich bemerkenswert finde. Jakob sagt zu seinem Bruder in 1 Mos 33, 10:

 Ich sah dein Angesicht, als sähe ich Gottes Angesicht,

und du hast mich freundlich angesehen.

 

Es kann also vorkommen, dass wir jemandem ins Gesicht blicken – und entdecken darin Gott, der uns durch einen anderen Menschen anschaut. Und er sieht uns freundlich an! Gott! Und mein Gegenüber natürlich auch. Wir kommen zu Ansehen, weil Gott uns mit den Augen eines Menschen anschaut. Was für ein erhabenes Gefühl, angesehen zu sein von Gott und bei Gott!

 

Jetzt stellen Sie sich diese Begegnung mal unter Corona-Bedingungen vor, mit Maske, dann bleibt von einem Monumentalfilm noch eine zweitklassige Komödie übrig. Aber was da beschrieben wird, waren Umgangsformen auf höchstem Niveau.

 

Nun haben sich die sozialen Umgangsformen schon immer geändert – und sie werden es weiterhin tun. Sie werden sich vielleicht auch ändern müssen. Aber wäre das in jedem Fall wirklich schlimm? Ich denke da zum Beispiel an eine Begrüßungsform, die ich in den letzten Jahren bei Jugendlichen beobachtet habe: Küsschen links, Küsschen rechts. Sich sonst aber so wenig wie möglich berühren, dafür aber sehr demonstrativ. Sicher, die Franzosen machen das schon seit ewigen Zeiten so, aber sie tun es so wunderbar nachlässig, hinreißend nonchalant. Das wirkt doch gleich ganz anders, viel selbstverständlicher. Aber hin wie her, es handelt sich in beiden Fällen um eine Form der Zuneigung. Ich neige mich zur Begrüßung zu meinem Gegenüber hin und komme ihr oder ihm nahe, bis zur tatsächlichen Berührung.

 

Nun ist es unter Pandemie-Bedingungen angezeigt, sich weniger infektiöse Umgangsformen anzugewöhnen. Aber muss das wirklich ein Verlust sein? Sehen Sie mal, meine Lieben, wäre das wirklich dramatisch, wenn dann aus Zu-Neigung so etwas würde wie Zu-Wendung?

 

Auch der Allmächtige wendet den Menschen in der Bibel immer wieder sein Angesicht zu, fast so wie in unserer Geschichte eben. Das ist aber auch das höchste der Gefühle an äußerlicher Nähe. Wer Gott noch näherkommen will, für den wird´s gefährlich.

 

Zuwendung also! Vielleicht wäre sie als neue Alternative zur Zuneigung gar nicht schlecht, weil in ihr das Potenzial enthalten ist, zu mehr als nur zu einer leeren Geste zu werden. Nun finde ich den seit einiger Zeit propagierten Ellbogen-Check nicht wesentlich tiefsinniger, aber doch um einiges cooler als das altbewährte Händeschütteln – und weniger ansteckend. Aber das meine ich nicht. Zuwendung könnte doch zum Beispiel bedeuten, dass wir uns auch mit 1,5 Metern Abstand dem oder der anderen zuwenden. Und dann sehen wir uns an, sehen uns in die Augen, nehmen den anderen oder die andere wahr und blicken vielleicht sogar hinter die Fassade. Oder wir öffnen ihnen unsere Ohren und hören einmal genau zu, wo wir uns ihnen nicht zuneigen können. So kommen wir uns nahe, auch auf Distanz. Natürlich kostet das etwas, und zwar deutlich mehr als ein beiläufiger Handschlag oder ein High Five. Es kostet Zeit, Aufmerksamkeit, wahres Interesse. So kann aus Zu-Neigung dann Zu-Wendung werden.

 

Liegt es vielleicht an den Veränderungen unserer Kommunikation in den letzten dreißig Jahren, dass Berührungen, und seien sie auch noch so flüchtig, eine so große Bedeutung für uns haben? Als ich hier in Katzenfurt und Daubhausen Pfarrer wurde, ließen sich auch schon große Distanzen zwischen Menschen überwinden, aber das brauchte vor allem Zeit. Man musste sich die Zeit nehmen, einen Brief zu schreiben, zu verschicken, auf Antwort zu warten, dann bekam man etwas Handgeschriebenes zurück, eine Mitteilung, die ein anderer Mensch tatsächlich berührt hatte, die seine Gedanken enthielt. Natürlich konnte man telefonieren, aber das war teuer und machte die Abwesenheit des anderen nur umso deutlicher. Kommunikation mit unseren Partnern in Indonesien war eine richtige Aufgabe. Heute schicken wir SMS oder Mails und wundern uns, dass die Antwort nicht innerhalb von 5 Minuten da ist. Oder wir facetimen und skypen – und sehen den Gesprächspartner zeitgleich. All das täuscht Nähe vor. Jetzt, in Zeiten der Quarantäne merken wir, dass diese Nähe nicht wirklich existiert. Wir werden durch die Vermittlung der virtuellen Welt nicht wirklich angerührt.

 

Zum Ausgleich und als Ersatz suchen wir das Gedränge – in vollen Fußgängerzonen, Stadien, Konzerten, Volksfesten. Die Kombination von distanzierter Kommunikation und anonymer Berührung hat eine Zeitlang funktioniert. Doch jetzt, wo es keine wirklichen Berührungspunkte mehr gibt, sind wir voller Leere – und demonstrieren für das Recht auf Gedränge.

 

Es wäre doch gut, wenn wir es neu lernen könnten, uns anrühren zu lassen, ohne uns berühren zu müssen. Ich meine damit natürlich nicht die Menschen, die mir tatsächlich wirklich nahe sind, die Partnerinnen und Partner in Lebensgemeinschaften, Eheleute, Kinder und Enkel, Familie und nahe Freunde. All diese Beziehungen funktionieren nicht ohne körperliche Nähe.

 

Aber muss ich tatsächlich jemanden anfassen, um von seinem Schicksal angerührt zu sein? Muss ich jemanden unbedingt berühren, um zu zeigen, dass ich bei ihr oder ihm bin? Manchmal ja! Aber auch ein Schulterklopfen ist eine Berührung, und zwar eine, mit der ich mir die Sorgen meines Gegenübers doch eher vom Leib halte, als sie mir zu eigen zu machen. Sich anrühren lassen geht anders.

 

Ich finde, es ist nicht wirklich schade um alles, auf was wir unter Pandemie-Bedingungen verzichten. Manche Formen der Begegnung stellen sich doch nur als Surrogat heraus, als Ersatz für wirkliches, menschliches Miteinander. Wir haben jetzt die Chance, neue, ehrlichere Formen für Zwischenmenschliches zu entwickeln. Dann könnte aus flüchtigen Berührungen wirkliches Angerührt-Sein werden. Und Zu-Neigung könnte sich zu Zu-Wendung entwickeln. Damit würden wir dann einander sogar die Nähe Gottes erfahrbar machen.

 

Ich sah dein Angesicht, als sähe ich Gottes Angesicht,
und du hast mich freundlich angesehen.

 

 Amen.

 

Lied: EG 667 Wenn das Brot, das wir teilen

 von Jan-Paul Götze

 

Gebet

 Menschenfreundlicher Gott,

 in diesen ungewöhnlichen und schweren Zeiten wollen wir nicht nur an uns denken.

 Und so legen wir dir ans Herz

 die Hungrigen und Vertriebenen,

 die, denen wir in unserem Alltag begegnet sind

 und in denen uns dein Angesicht entgegengekommen ist.

 Vor dir denken wir an die,

 deren Einsatz für die Gerechtigkeit uns herausgefordert und verändert hat.

 Wir denken aber auch an die, denen wir widersprechen,

 die durch ihre Entscheidungen und ihr Tun

 den Schwachen und Armen schaden,

 die durch ihre Gleichgültigkeit die Ungerechtigkeit unterstützen.

 

Bewege uns alle,

 im Angesicht unserer Mitmenschen dein Angesicht zu entdecken.

 Und, menschenfreundlicher Gott, sieh uns freundlich an.

 

Der Herr, voller Liebe wie eine Mutter:

 Er segne uns, dass unser Leben gedeiht,

 Hoffnung erblüht und gute Früchte reifen.

 Er behüte uns, dass Liebe uns umgibt am Tag der Angst

 und Hilfe uns nahe ist in Zeiten der Not.

 

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns

 dass uns ein Licht aufscheint wie die Sonne,

 uns zu wärmen und auf rechtem Weg zu leiten.

 Er sei uns gnädig, dass wir frei werden von bedrückender Schuld

 und Freude finden an seiner Nähe.

 

Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns,

 dass wir im Leid aufblicken können in gütige Augen

 und in Krankheit seine Kraft auf uns herabfließt.

 Er gebe uns Frieden, dass unsere Herzen Ruhe finden,

 unsere Seelen erfrischt werden

 und unsere Füße eintreten in einen weiten Raum.

 

So segne uns Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

 

Amen.

 

 Orgelnachspiel

 von Jan-Paul Götze

 


Kollekte
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Kollekte online geht zu jeder Zeit

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