Evangelische Kirchengemeinden Katzenfurt und Daubhausen

Wir sind für dich da!

Gottesdienst zum Nach-Lesen und Nach-Hören

29.11.2020 - 1. Advent

Der König kommt.



Hier finden Sie die Aufnahme des Gottesdienstes in der Kirche als Gottesdienst zum Nach-Hören und Nach-Lesen. Beide Versionen können Sie herunterladen, als Audio-Datei oder als Text-Datei. Sie können den Gottesdienst auch ausdrucken und weitergeben. Vielleicht gibt es jemanden in Ihrer Nachbarschaft, die oder der gerne diesen Gottesdienst aus der eigenen Gemeinde lesen würde, aber keinen Zugang zum Internet hat. Geben Sie den "Gottesdienst zum Nachlesen" an andere weiter.


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29. November 2020 - 1. Advent

Der König kommt.

Orgelvorspiel

von Jan-Paul Götze

Votum

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe kommt von dem Herrn,

der Himmel und Erde gemacht hat.

Psalm 24

Das All und seine Weite gehören zu Gott,

das Land und alle, die darauf wohnen.

Es ruht auf Gottes festem Grund

und ist verlässlich auch über unendlicher Tiefe.

Wer findet Gottes Gegenwart?

Wer steht auf Gottes Seite?

Menschen, die durch ihr Handeln nicht schuldig werden.

Ihr Denken ist eindeutig.

Der Dummheit laufen sie nicht nach.

Zum Lügen geben sie sich nicht her.

Sie empfangen Gottes Segen, sie werden Gott recht sein.

Menschen fragen nach Gott.

Sie suchen die Begegnung mit dir, Gott,

wie du Jakob begegnet bist.

Öffnet euch weit, ihr Tore, hebt euch, ihr uralten Gewichte,

unfassbare Gegenwart bricht an!

Wessen unfassbare Gegenwart?

Gottes Gegenwart;

sie bewahrt und gibt Kraft, gibt Kraft zum Widerstand.

Öffnet euch weit, ihr Tore, hebt euch, ihr uralten Gewichte,

unfassbare Gegenwart bricht an.

Wessen unfassbare Gegenwart?

Gottes Gegenwart, die alles umfängt;

sie ist unbegreiflich nah.

Glaubensbekenntnis

Ich glaube an Gott,

den Vater, den Allmächtigen,

den Schöpfer des Himmels und der Erde.

Und an Jesus Christus,

seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,

empfangen durch den Heiligen Geist,

geboren von der Jungfrau Maria,

gelitten unter Pontius Pilatus,

gekreuzigt, gestorben und begraben,

hinabgestiegen in das Reich des Todes,

am dritten Tage auferstanden von den Toten,

aufgefahren in den Himmel;

er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;

von dort wird er kommen,

zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist,

die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen,

Vergebung der Sünden,

Auferstehung der Toten und das ewige Leben.

Amen.

Lied: 1, 1-3 Macht hoch die Tür

von Jan-Paul Götze

Predigt (von Pfr. Ulrich Ries)

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.

Es ist Advent.  Zeit der Erwartung. Zeit des Wartens. Worauf? Klar, auf Weihnachten! Aber jetzt mal ehrlich, Butter bei die Fische! Worauf warten Sie im Advent, meine Lieben? Können Sie es womöglich kaum abwarten bis zum Heiligen Abend? Zählen Sie die Tage? Machen Sie jeden Tag ein Türchen auf? Bis dann endlich der geschmückte Tannenbaum im Wohnzimmer steht? Oder warten Sie doch am meisten auf die Geschenke? Das ist ja wohl eher der Kindertraum von Weihnachten. Werden die Wünsche in Erfüllung gehen? Oder sehnen Sie sich nach Frieden? Gibt es vielleicht Streit in der Familie? Findet er an Weihnachten ein Ende? Oder warten Sie wie in jedem Jahr auf Ruhe?  Die Adventszeit fühlt sich doch häufig so gehetzt und unruhig an, dass man sich geradezu nach Stille sehnt. Oder ist es in diesem Jahr anders, das doch in allem so ganz anders ist? Erzwungene Ruhe schon im Frühjahr – und jetzt wieder! Aber die Stille kehrt ja trotzdem nicht ein. Mit zu vielem sind wir innerlich beschäftigt. Die Sorge um die Eltern und Großeltern. Die ständige Angst, dass die Schulen doch wieder geschlossen werden. Die immer gleichen Fragen, was man darf und was nicht, was man verantworten kann und was man doch lieber bleiben lässt. Oder warten Sie auch schlicht darauf, dass Corona endlich vorbei ist und Sie sich wieder mit Freunden und Verwandten treffen können? Warten Sie auf eine Umarmung? Es ist Advent. Zeit der Erwartung. Zeit des Wartens. Worauf warten Sie, meine Lieben?

Ich warte darauf, dass die sogenannten Querdenker endlich zur Vernunft kommen. Ich warte darauf, dass der noch amtierende Präsident der Vereinigten Staaten nicht nur abgewählt ist, sondern endlich auch aus dem Weißen Haus auszieht. Ich warte darauf, dass hier bei uns einer Polizei, die nicht rechtslastig ist, wieder mit Respekt begegnet wird. Ich warte darauf, dass ich beim Einkauf endlich wirklich die Wahl habe zwischen Produkten, die fair, ökologisch und klimaneutral produziert sind, und solchen, die das nur vorgaukeln. Aber das sind meine ganz privaten Erwartungen. Die haben doch nichts mit Weihnachten zu tun, sagen Sie jetzt?

Dann hören Sie mal den Predigttext, der uns für heute vorgeschlagen ist, Sacharja 9,9-10.

Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze!

Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer,

arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin.

Denn ich will die Wagen vernichten in Ephraim und die Rosse in Jerusalem,

und der Kriegsbogen soll zerbrochen werden.

Denn er wird Frieden gebieten den Völkern,

und seine Herrschaft wird sein von einem Meer bis zum andern

und vom Strom bis an die Enden der Erde.

„Freue dich…!“ Für den Propheten Sacharja entsteht die Freude in der Sehnsucht. In der Sehnsucht nach einem König, der Frieden bringt und Kriegsgeräte zerstört. Der endlich ein Ende macht mit der Ungerechtigkeit. Der dafür sorgt, dass sich niemand mehr Sorgen machen muss. Sacharja erwartet Freude für Zion, für Jerusalem. Tochter Zion, freue dich! Jauchze laut, Jerusalem! Endlich hast du Frieden und Heilung.

Eine schöne Vorstellung. Aber ein armer König auf einem Esel? Man stelle sich einmal vor: nicht Panzer und Waffen bringen den Frieden, sondern ein armer König auf einem Esel. Der Prophet Sacharja durchkreuzt alle Erwartungen. Warten nicht auf die Mächtigen und Herrscher auf ihren Pferden. Warten, nicht auf den Starken, der sagt, wo es lang geht, nicht auf den Chef, der durchgreift. Denn darin liegen kein Frieden und keine Ruhe.

Ungewöhnliche Erwartungen, auch damals, 500 Jahre vor Christus, als das Volk Israel in der Verbannung versauerte, als die Leute auf einen warteten, der sie nachhause bringt, der ihre Hoffnungen und Sehnsüchte erfüllt, als sie auf den Messias hofften, der sie von allem Elend erlöst.

Ungewöhnliche Erwartungen auch damals, als Israel sich danach sehnte, von der Unterdrückung durch Rom befreit zu werden, als sich für einige wenige diese Hoffnung festmachte an einem, der abseits von Bethlehem zur Welt kam, dem Hirten und Weise ihre Aufwartung machten. Als er geboren wurde, sangen die Engel vom Frieden auf Erden. Ein neugeborenes Kind in einer Futterkrippe. Nicht gerade den Erwartungen entsprechend, wenn man auf einen König, wenn man auf den Erlöser wartet.

Ist das tatsächlich der erwartete König – arm und bedürftig? Ohne großen Hofstaat? Ohne viel Ansehen und Prunk? Soll er das wirklich sein? Der Friedensbringer, der Tod-Überwinder, der Leben-Teiler? Was ist von ihm zu erwarten, wenn er denn wirklich kommt? Dass er unser Leben teilt! Das Leiden, die Schwachheit und die Bedürftigkeit. Die Einsamkeit – und womöglich sogar die Pandemie.

Ihn, diesen merkwürdigen König, dürfen wir erwarten im Advent. Warten wir also darauf, dass er kommt in die Unruhe unserer Gedanken, in die Sorgen unserer Konflikte, in den Überdruss, in die Corona-Dunkelheit und in die Trostlosigkeit der Einsamkeit, In unsere Schutzlosigkeit und Wehlosigkeit. Auch in die Vorfreude auf bessere Zeiten, denn das Beste kommt erst noch.

So dürfen wir ihn erwarten, haben guten Grund darauf zu warten, dass er kommt! Er kommt – und bringt Trost und Frieden, auch für dich und für mich, für uns alle, inneren wie äußeren Frieden. Lassen Sie also eintreten, meine Lieben, vertrauen Sie ihm. Geben Sie sich nicht mit weniger zufrieden! Denn er kommt - und Kriegsgeräte werden verwandelt werden, Wortspitzen verlieren ihre Schärfe und Waffen werden dahinschmelzen. Es wird Frieden sein. Frieden in den Familien. Auch wenn nicht alles dem Bilderbuch entspricht. Es wird Frieden sein in uns. Denn wir haben einen an unserer Seite, der uns kennt, der neben uns sitzt, auch neben uns auf dem Sofa. Es wird Frieden sein in der Welt. Auch wenn wir es noch nicht sehen und spüren, auch wenn wir es kaum glauben können, aber er kommt. Wir können es wahrhaben. Dann hat nicht nur Zion Grund zur Freude.

Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus, unserem Herrn. Amen.

Lied: 13, 1-3 Tochter Zion

von Jan-Paul Götze

Fürbitten

Gott

In diesen Wochen bereiten wir uns auf Weihnachten vor,

wir richten uns neu aus auf dich und deinen Sohn Jesus.

Mach uns bereit dazu, die Stille, der wir in diesem Jahr nicht entgehen können, zu nutzen,

und der vorweihnachtlichen Betriebsamkeit nachzutrauern,

weil es keine Adventsmärkte und Weihnachtsfeiern geben wird.

Eröffne uns Wege, auf denen wir neu zu dir finden können.

Mach uns bereit zum Glauben,

damit wir in allem Zweifel und bei allem Suchen

deinen Sohn Jesus als Maßstab unseres Lebens finden.

Mach uns bereit zur Liebe,

damit wir bei allem Hass und aller Not unserer Welt

deine Liebe zu uns Menschen widerspiegeln.

Mach uns bereit zur Hoffnung,

damit wir trotz aller Enttäuschung und Verzweiflung

einen festen Boden unter den Füßen haben

und daran erinnern, dass dein Sohn zu uns kommen will,

der König, ein Gerechter und ein Helfer,

der den Frieden bringt.

Mach uns bereit für Weihnachten,

damit wir gegen alle Äußerlichkeiten und jede Oberflächlichkeit

dieses Fest als dein Fest feiern können.

Mach uns bereit für dich,

damit durch eine neue Anbindung an dich

unser Glaube, unsere Liebe und unsere Hoffnung gestärkt werden.

Guter Gott,

die Zeit des Advents ist eine Chance für unser Leben,

Hilf uns, unser Leben bereit zu machen für dich und die Menschen.

Vaterunser

Vater unser im Himmel.

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Segen

So begleite uns Gott mit seinem Segen in die vor uns liegende Zeit.

Wo wir uns nicht mehr gegenseitig anschauen können,

möge er uns gnädig ansehen.

Wo uns die eigenen Worte im Hals stecken bleiben

oder wo sie ungehört verhallen,

möge er uns mit seinem Wort Mut machen und Trost schenken.

Wo wir auf Distanz bleiben, freiwillig oder unfreiwillig,

möge er uns nahekommen und uns in seinen Händen bergen.

Amen.

Orgelnachspiel

von Jan-Paul Götze