Evangelische Kirchengemeinden Katzenfurt und Daubhausen

Wir sind für dich da!

Gottesdienst zum Nach-Lesen und Nach-Hören

30.08.2020

Stell dich auf deine Beine!


Hier finden Sie die Aufnahme des Gottesdienstes in der Kirche als Gottesdienst zum Nach-Hören und Nach-Lesen. Die Text-Datei können Sie herunterladen. Sie können den Gottesdienst auch ausdrucken und weitergeben. Vielleicht gibt es jemanden in Ihrer Nachbarschaft, die oder der gerne diesen Gottesdienst aus der eigenen Gemeinde lesen würde, aber keinen Zugang zum Internet hat. Geben Sie den "Gottesdienst zum Nachlesen" an andere weiter.











Gottesdienst vom 30. August 2020

Stell dich auf deine Beine!

 

 

Orgelvorspiel

von Jan-Paul Götze

 

 

Votum

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes Amen.

Unsere Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

 

Psalm 147

Ja, gut ist es, für unseren Gott zu musizieren.

Wohltuend, ja schön klingt der Lobgesang:

Der HERR baut Jerusalem wieder auf.

Er bringt die Israeliten wieder heim,

die in fremde Länder zerstreut sind.

Er heilt die gebrochenen Herzen

und verbindet offene Wunden.

Er setzt die Zahl der Sterne fest

und gibt ihnen allen einen Namen.

Groß ist unser Herr, gewaltig ist seine Macht.

Und seine Weisheit ist unermesslich.

Der HERR hilft den Gebeugten auf.

Er lässt die Wolken am Himmel aufziehen.

Er bestimmt, wann Regen auf die Erde fällt.

Auf den Bergen lässt er die Wiesen blühen.

Den Tieren gibt er ausreichend zu fressen.

Dem HERRN gefallen Menschen,

die ihm mit Ehrfurcht begegnen

und auf seine Güte hoffen.

 

Lied: EG 447 Lobet den Herren alle, die ihn ehren

von Jan-Paul Götze

 

 

Predigt (von Pfr. Ulrich Ries)

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.

Manche Geschichten in der Bibel scheinen irgendwie nichts Besonderes zu sein. Man liest sie und sagt sich: „Aha, noch so ein Hinweis, wie man richtig leben soll.“ Oder: „Noch so eine Mutmachgeschichte.“ Oder: „Noch so ein Heilungswunder.“ Es kann aber auch passieren, dass eine Geschichte auf ganz neue Weise lebendig wird und auf einmal in den eigenen Alltag hineinspricht. So ist es mir mit einem Abschnitt aus der Apostelgeschichte gegangen, der dem heutigen Sonntag zugeordnet ist. Mal sehen, ob es Ihnen vielleicht ähnlich geht, meine Lieben. Er berichtet von Paulus und seinem Begleiter Barnabas, die nach Lystra kommen. Das liegt in der heutigen Türkei. Hören Sie Apg. 14, 8-18:

8 In Lystra wohnte ein Mann, der keine Kraft in seinen Beinen hatte. Er war von Geburt an gelähmt und hatte noch nie einen Schritt getan.

9 Dieser Mann war unter den Zuhörern, als Paulus redete. Paulus blickte den Gelähmten an. Er sah, dass der Mann fest darauf vertraute, geheilt zu werden.

10 Da rief er laut: »Stell dich auf deine Beine – gerade und aufrecht!« Da sprang der Gelähmte auf und tat die ersten Schritte.

11 Als die Leute sahen, was Paulus getan hatte, riefen sie: »Die Götter haben Menschengestalt angenommen und sind zu uns herabgestiegen!«

14 Als die Apostel Barnabas und Paulus das hörten, zerrissen sie ihre Kleider. Sie riefen:

15 »Wir sind doch Menschen genau wie ihr. Wir verkünden euch die Gute Nachricht, damit ihr euch von diesen nutzlosen Götzen abwendet. Wendet euch dem lebendigen Gott zu! Er hat Himmel, Erde und Meer geschaffen mit allem, was darin ist.

17 Er hat sich immer wieder deutlich zu erkennen gegeben – durch all das Gute, das er tut: Vom Himmel her gibt er euch Regen und lässt die Ernte reifen. Er schenkt euch Nahrung und erfüllt euer Herz mit Freude.«

Wie gesagt, auf den ersten Blick wirkt dieser Abschnitt aus der Apostelgeschichte wie der Bericht eines Heilungswunders, wie es im Neuen Testament viele gibt. Besonders ist vielleicht, dass der Wundertäter nicht Jesus ist, sondern Paulus. Es lohnt sich aber, die einzelnen Beteiligten mal genauer zu betrachten.

Da ist zunächst einmal der Gelähmte. Von ihm erfahren wir nicht viel, nur dass er von Geburt an nicht laufen kann. Woran das liegt, wird nicht erzählt. Er sagt auch nicht, dass er geheilt werden möchte. Paulus ist es, der spürt, „dass der Mann fest darauf vertraute, geheilt zu werden.“ Und tatsächlich, auf ein Wort des Paulus hin, kann er laufen. Danach ist von dem Mann nicht mehr die Rede.

Dann sind da die umstehenden Leute. Die erleben diese Heilung mit. Sie sind offenbar begeistert und halten den Wundertäter für einen ihrer Götter. Anders können sie sich dieses Wunder nicht erklären. Diese Menschen sind uns ähnlicher, als uns das lieb ist. Sie wünschen sich für ein Phänomen einfache Erklärungen und vertrauen am liebsten auf das Naheliegende, auf das nämlich, was in ihren Erklärungshorizont passt, ohne dass sie groß darüber nachdenken müssen. Darum halten sie Paulus für einen der griechischen Götter.

„Auf diese Idee kämen wir nie“, werden Sie jetzt sagen. „Wir sind doch aufgeklärte Menschen, die in solchen Fällen der Medizin vertrauen.“ Ja, mag sein, jedenfalls mehr oder weniger. Aber auch wir erwarten doch von der modernen Medizin oft geradezu Wunder. „Dann geh ich zum Arzt. Der verschreibt mir was, dann werde ich wieder gesund.“ Oder: „Dann lass ich mir ne neue Hüfte machen und hinterher lauf ich wieder wie ein junges Reh.“ Aber auch von solcher Wundergläubigkeit abgesehen, vertrauen wir, wie die Leute von Lystra, auf das Naheliegende.

Der Arzt und Medizin-Entertainer Eckart von Hirschhausen hat das mal sehr schön am Beispiel einer Erkältung beschrieben. Wie läuft das normalerweise ab? Am ersten Tag spürt man ein Kribbeln in der Nase. Am zweiten Tag kommt ein Kratzen im Hals dazu. Am dritten Tag hofft man noch, dass das ganze an einem vorüber geht. Am vierten Tag ist die Nase zu. Mit Nasenspray geht es aber. Man legt sich ins Bett. Fühlt sich elend. Das ändert sich auch die nächsten beiden Tage nicht. Dann sagt man sich: „Das kann so nicht weitergehen!“ Man erinnert sich daran, dass ein Freund doch kürzlich erst ein neues Erkältungsmittel empfohlen hat. Das lässt man sich aus der Apotheke mitbringen. Abends nimmt man es zu ersten Mal. Dass es am nächsten Tag noch nicht wirken kann, ist ja klar. Aber am Tag darauf bekommt man schon wieder besser Luft. Fazit: „Das neue Mittel hat prima gewirkt! Das empfehle ich auch weiter!“ Wenn Sie jetzt mitgezählt haben, meine Lieben, wird Ihnen aufgefallen sein, dass die Wundermedizin begonnen hat, am neunten Tag der Erkältung zu wirken. Sie kennen aber doch auch die alte Regel für Erkältung: Drei Tage kommt sie, drei Tage steht sie, drei Tage geht sie. Mit anderen Worten: Sie hätten sich mit großer Wahrscheinlichkeit auch ohne diese Medizin an diesem Tag schon wieder besser gefühlt. Die einfachere Erklärung aber ist: „Es war die Medizin, die geholfen hat.“

Für die Menschen in Lystra ist das Naheliegende, dass einer der Götter, an die sie glauben, auf die Erde gekommen ist und den Mann gesund gemacht hat. Diese Erklärung verlangt kein großes Nachdenken. Für diese Erklärung müssen sie weder ihr Weltbild noch ihren Lebensstil ändern. Sowas kommt gut.

Dass da ein Gott, den man nicht sehen kann, einem Menschen den Auftrag erteilt, den Mann aus seiner Lähmung zu befreien, liegt lange nicht so nahe und erfordert ein Umdenken. So etwas lieben auch wir Menschen von heute nicht. Lieber sagen wir: „Da kann man sowieso nichts machen. Die anderen sollen erstmal anfangen. Mich wird es schon nicht treffen. Corona ist überbewertet. Heiße Sommer hat es immer schon gegeben. Das wird schon werden.“ Hauptsache, wir können weitermachen wie bisher.

Paulus aber verweist auf etwas, worauf die Leute in Lystra nicht kommen – und immer weniger Menschen heute genauso. Nein, er verweist auf jemanden, auf den lebendigen Gott. Man kann ihn zwar nicht sehen, aber wir können ihn an seinen Wirkungen erkennen. Er hat sich doch immer wieder deutlich zu erkennen gegeben – „durch all das Gute, das er tut: Vom Himmel her gibt er Regen und lässt die Ernte reifen. Er schenkt Nahrung und erfüllt das Herz mit Freude.“

Und dieser Gott handelt eben manchmal auch durch Menschen. Das können Mediziner sein, die ihre Talente, die sie von Gott mitbekommen haben, dazu nutzen, Kranken zu helfen. Das können Ingenieure sein, die Technologien entwickeln, die die Umwelt weniger belasten. Das können ganz normale Menschen sein wie Sie und ich, die das tun, was in ihren Möglichkeiten liegt, um die Welt ein wenig zum Besseren zu verändern.

Im Fall des Paulus ist das ja gar nicht viel. Es reicht das richtige Wort zur richtigen Zeit, um einen Menschen aus seiner Lähmung zu befreien. Solche Worte können auch wir sprechen, zum Beispiel wenn wir es erleben, dass ein Mensch von anderen wegen seiner Herkunft, seiner Hautfarbe, seines Glaubens oder des Geschlechts eingeschüchtert, bedroht oder benachteiligt wird. In solchen Situationen können wir uns mit einem Wort der Solidarität an seine Seite stellen. Auch wir können Wortes des Trostes oder der Ermutigung weitersagen – oder solidarisch mit einem Menschen schweigen, wenn das angesagt sein sollte. Wir können in Gottes Namen hilfreich die Hand reichen und unsere Begabungen für andere nutzen. Schließlich sind unsere Talente Gaben, die wir von Gott haben wie Regen und Nahrung.

In Gottes Namen können auch Sie anderen Menschen das Herz mit Freude erfüllen. Seien Sie bloß nicht so schüchtern.

 

Lied: EG 432 Gott gab uns Atem

von Jan-Paul Götze

 

 

Gebet

Menschenfreundlicher Gott,

wir haben gehört, dass du unsere Herzen verwandeln möchtest,

um mit uns diese Welt zu verändern.

Das macht uns Mut und gibt uns Hoffnung.

 

Und so bitten wir dich: Schärfe unseren Blick für unsere Mitmenschen.

Hilf uns zu erkennen, was ihnen fehlt.

Gib uns Mittel und Möglichkeiten, auf sie aufmerksam zu machen,

für sie Partei zu ergreifen und ihnen zu helfen.

 

Wir bitten dich für Kinder und Jugendliche hierzulande und andernorts,

denen durch Armut, Missbrauch und Gewalt jede Perspektive auf ein gelingendes Leben genommen wird.

 

Wir bitten dich für Menschen,

die Schutz und Geborgenheit suchen,

denen durch Vorurteile Hindernisse in den Weg gestellt werden,

die sie ohne fremde Hilfe nicht überwinden können.

 

Wir bitten dich für alle, denen der Wert ihres Daseins fragwürdig geworden ist.

Wir bitten dich für Kranke, Sterbende, Trauernde und alle,

denen ein Schicksalsschlag einen Strich durch ihre Lebensplanung gemacht hat.

 

Wecke in ihnen Mut und Vertrauen.

Hilf uns allen, Worte zu sagen, die entlasten,

und Zeichen zu setzen, die ermutigen und befreien.

 

So begleite uns Gott mit seinem Segen in die vor uns liegende Zeit.

Wo wir uns nicht mehr gegenseitig anschauen können,

möge er uns gnädig ansehen.

Wo uns die eigenen Worte im Hals stecken bleiben

oder wo sie ungehört verhallen,

möge er uns mit seinem Wort Mut machen und Trost schenken.

Wo wir auf Distanz bleiben, freiwillig oder unfreiwillig,

möge er uns nahekommen und uns in seinen Händen bergen.

Amen.

 

Orgelnachspiel

von Jan-Paul Götze